Oberberg – Informationsveranstaltung des Aggerverbands zur Stauanlage in Osberghausen – Rund 120 Interessierte kamen nach Erbland – Rückbau wurde von der Bezirksregierung angeordnet – Viele Bürger und auch die Politik wollen den Stauweiher behalten.
Von Lars Weber
Wie geht es am Stauweiher in Osberghausen weiter? Diese Frage hat im Zentrum einer Informationsveranstaltung des Aggerverbands gestanden, die Montagabend in der Silberseehalle in Gummersbach-Erbland stattgefunden hat. Rund 120 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen und unterstrichen auch mit ihren engagierten Wortbeiträgen: Die Zukunft des Weihers und der Stauanlage treibt sie emotional um, für sie geht es um „ein Stück Heimat“, wie immer wieder angeführt wurde. Dabei sind die Vorstellungen darüber, wie es dort weitergehen soll, ganz unterschiedlicher Natur, wie auch Dr. Uwe Moshage als Chef des Aggerverbands darstellte. Er gab einen Überblick über die aktuelle Situation, außerdem ordneten als Gäste die Bürgermeister der betroffenen Kommunen – Raoul Halding-Hoppenheit für Gummersbach und Lukas Miebach für Engelskirchen – das Thema aus ihrer Sicht ein. Anschließend wurde mehr als eine Stunde mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert.
An den Fakten hat sich in den vergangenen Wochen nichts verändert. Wie berichtet, hat die Bezirksregierung Köln gegen den Aggerverband eine Ordnungsverfügung erlassen, nachdem Ende des vergangenen Jahres die Nutzungserlaubnis der Wasserkraft ausgelaufen war, da die Auflagen dafür nicht erfüllt worden waren. Unter anderem wurde die lange geplante Fischtreppe nicht gebaut. Einer der wesentlichen Forderungen der Bezirksregierung ist nun die Anordnung zum Rückbau der Stauanlage, beginnend mit dem Abstau des Gewässers. Dieser soll nun im Herbst zwischen September und Ende November erfolgen. Der Aggerverband als Eigentümer der Anlage hat nun 30 Monate Zeit, eine Planung zum Rückbau zur Prüfung und Genehmigung vorzulegen.
Dies seien die Fakten, so Dr. Moshage. Der Betreiber der Anlage, die Aggerkraftwerke GmbH der Auer Holding aus Bayern, habe inzwischen eine Klage eingereicht gegen die Abstauverfügung, so der Verbandschef. Der Aggerverband habe sich aufgrund der aktuell geltenden Rechtslage dagegen entschieden. Gleichwohl habe man einen neuen Referentenentwurf für die Wasserstrategie des NRW-Umweltministeriums im Blick, der der Wasserkraft wieder Rückenwind geben könne. Immerhin stehe Minister Oliver Krischer persönlich hinter den aktuellen Änderungen am Entwurf.
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Dr. Moshage (Foto, re.) machte deutlich, dass er wenig von einem Rückbau hält. Zum einen, weil nur durch den Rückbau dieses Querbauwerks noch lange keine Durchgängigkeit für Fische an der Agger entstehe – 38 Querbauwerke befänden sich im Flussverlauf noch vor dem Bauwerk in Osberghausen. Zum anderen werde der gesamte Rückbau und vor allem die Entsorgung der im Stauweiher liegenden und belasteten Sedimente – vom Fassungsvermögen von 150.000 Kubikmetern machen rund 100.000 Kubikmeter allein die Sedimente aus – sehr viel Geld kosten. Geld, das am Ende die Mitglieder des Aggerverbands, also die Kommunen, und damit auch die Bürgerinnen und Bürger belasten würde. Der Aggerverband habe zunächst aber keine andere Wahl, als mit einem Rückbau zu planen.
Abseits der Fakten gibt es indes viele Wünsche, Vorstellungen und Befürchtungen verbunden mit der Zukunft der Anlage. Der NABU fordert – wie schon seit vielen Jahren – endlich die Durchgängigkeit herzustellen, die Angler des ASV sehen die Fische unterhalb der Staustufe bei einem Abstau gefährdet, die Angler der Sportfischer der „Knurrhähne“ hätten gerne ein Dauergewässer mit bis zu drei Metern Wassertiefe, der Planungs- und Umweltausschuss Engelskirchens hat sich für den Erhalt des Stauweihers positioniert und unterstützt damit auch eine Bürgerpetition derselben Forderung, die bereits 1.700 Unterschriften hat (Hier geht es zur Petition). Diese Standpunkte würdigte Dr. Moshage bereits in seinem Vortrag. Und die Anwesenden griffen sie dann auch in der Diskussion auf.
Die beiden Bürgermeister Halding-Hoppenheit und Miebach betonten die Bedeutung des Weihers als „Stück Heimat“ und dass sie eine „kooperativen Gesamtplanung“ verfolgten mit dem Ziel, „den Hochwasserschutz auszubauen, den gesellschaftlichen Wert der Anlage zu erhalten und den Naturschutz zu verstärken“ (Hier gibt es das gemeinsame Statement im Wortlaut). Miebach (Foto) machte aber deutlich, dass die Kommunen zunächst ebenso „Zuschauer“ des Prozesses seien wie die Bevölkerung. Letztlich gibt die Bezirksregierung gegenüber dem Eigentümer der Anlage, also dem Aggerverband, die Richtung vor. Gummersbach und Engelskirchen wollten ihre Stimmen aber hörbar machen. Beide Bürgermeister lobten, dass der Aggerverband so früh zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung geladen hatte.
Applaus gab es für beide vertretenen Standpunkte. So trat zum Beispiel Friedrich Meyer (BUND und NABU) wie schon seit Jahren engagiert für die Renaturierung des Gebiets ein. Die Staustufen verschlechterten die Wasserqualität. Jenen, die die Natur am Weiher jetzt erhalten möchten, sagte Meyer, dass sie durch den Rückbau ein „noch grüneres Naturjuwel“ bekommen würden, als sie es jetzt haben. Claus Wittke vom NABU sagte, dass in Osberghausen seit Jahren gegen geltendes Recht verstoßen wurde. „Wir wollen ökologisch wertvolle Gewässer.“ Man solle ein Gesamtkonzept für die Agger aufstellen, an die Querbauwerke rangehen und dafür ein Bundesprogramm für Fördermittel anzapfen. Auf diese Option wies auch Dr. Julian Münster (Grüne Oberberg) hin.
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Etwas lauter war der Applaus für die Unterstützer des Standpunkts, den Stauweiher zu erhalten. Horst Kowalski vom Naturschutzbeirat des Kreises berichtete von einem einstimmigen Beschluss des Gremiums, sich für den Erhalt der Staustufen einzusetzen, zumindest bis eine Gesamtstrategie für die Agger stehe. Ein Bürger erinnerte daran, dass auch die Rolle des Stauweihers zur Löschwasserversorgung für die Feuerwehr nicht vergessen werden sollte. Für einen Osberghausener stehe die Sicherung der Infrastruktur, in diesem Fall die Energiegewinnung durch die Wasserkraft, in diesen unsicheren Zeiten über dem Umweltschutz. Ein anderer Bürger verwies auf Anlagen des Wupperverbands, bei denen die Durchgängigkeit ebenso nicht hergestellt sei. „Wenn wir hier etwas verändern, verändern wir ein Stück Heimat“, erinnerte er.
Dr. Uwe Moshage erläuterte, dass sie die Bundesförderprogramme im Blick haben, auch dort aber noch ein Eigenanteil von 20 Prozent auf den Aggerverband und dementsprechend auf die Kommunen und ihre Bürger wartete. Bürgermeister Miebach erinnerte an die schwierige finanzielle Lage der Kommunen. Weitere Belastungen könnten die Lage weiter verschärfen. Genaue Zahlen liegen noch keine vor. Deutlich wurde aber, dass gerade die noch nicht analysierten, aber ohne Frage belasteten Sedimente ein riesiger Kostenfaktor in der Umstrukturierung des Geländes sind. Dr. Moshage brachte hier die Möglichkeit ins Spiel, diese gegebenenfalls vor Ort zu belassen, aber umzulagern und in einen Plan einzubeziehen, um die Kosten geringer zu halten. Dafür bedarf es aber zunächst Analysen und fachmännischer Beratung, ob dieser Weg gangbar ist. „Am Ende muss der Plan, den wir der Bezirksregierung vorlegen, auch genehmigungsfähig sein.“
Für den Aggerverband geht es nun in die weitere Planung. Die Bürgerinnen und Bürger ermunterte Dr. Uwe Moshage, ihre Ansinnen weiterzuverfolgen und auch der Bezirksregierung zu kommunizieren. Die Informationsveranstaltung soll nicht die letzte zu dem Thema gewesen sein.
Beiträge zum Thema:
„Der BUND hat die Gefahren beim Abstau im Blick“ (Leserbrief von Friedrich Meyer)
Auch an die Fische im Wasser denken (Leserbrief von Marcus Piller)
NABU begrüßt das Ablassen der Aggerstaustufe
KOMMENTARE
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In den letzten 20 Jahren hat der Weiher vor sich hingegammelt, dass es teilweise nach Kloake aussah, wann immer ich dort mit der Bahn vorbeifuhr. Aus Naturschutz ist die Fischtreppe auch nicht gebaut worden. Niemanden hat es anscheinend interessiert, wie es dort aussieht. Jetzt werden Stichworte wie "Naturschutz" und "Stück Heimat" bemüht. Ich hoffe die Bezirksregierung setzt sich durch und im Endeffekt entsteht wieder eine frei fliessende Agger, fertig - aus ! Ggf an die Beteiligten noch Strafzahlungen verhängen !
Marc, 28.04.2026, 16:16 Uhr2
Guten Tag!
leider ist das oft so mit solchen öffentlichen Anlagen! Beispiele dazu findet man ja im täglich Leben genug.
Bei den noch nicht abzusehenden Kosten die auf die Betreiber, Kommunen und letztlich alle Steuerzahler zu kommen, sollte man alles so lassen wie es ist. Selbst eine Fischtreppe, wenn auch am Schwanzende, macht ja auch nicht so viel Sinn.
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Es ergibt sich jetzt die große Chance, aus diesem Weiher ein wirklich tolles Biotop zu entwickeln. Wer es sich nicht vorstellen kann, sollte einmal eine Wanderung an einer naturnahen Flussaue an Sieg, Wupper oder Rhein unternehmen. Selbst die Agger hat solche hoch biodiversen Auen- allerdings nur hinter der oberbergischen Kreisgrenze...
Seb Schäfer, 28.04.2026, 21:59 Uhr4
Ich hoffe doch das der Rückbau von denen Bezahlt wird die Jahrelang damit Geld verdient haben,
Oder wieder einmal zu Lasten der Steuer Zahler???
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Ein absoluter Wahnsinn was das wieder für ein (Steuer)Geld kosten wird und ein schönes Stück Natur geht verloren, nur um am Ende des Tages ein paar "Umweltideologen" zufrieden zu stellen!
Dr. Olaf Köttermann, 29.04.2026, 08:42 UhrLinks zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.