LOKALMIX
NABU begrüßt das Ablassen der Aggerstaustufe
Engelskirchen - Nach der Ordnungsverfügung der Bezirksregierung nimmt der NABU Stellung.
Die Bezirksregierung Köln hat eine Verfügung erlassen, die das Ablassen der Aggerstaustufe Osberghausen verlangt (OA berichtete). Der Aggerverband hat das Staurecht in Osberghausen Ende vergangenen Jahres verloren, weil die Tierschutz-Bedingungen für die 2016 erteilte Stauerlaubnis, nämlich eine Fischaufstiegs- und Fischabstiegsanlage sowie eine Einschwimmsperre in den Turbinenkanal, nicht erfüllt wurden. Aggerverband und der Betreiber der Wasserkraftanlage, die bayerische Aggerkraftwerke GmbH, hatten sich nicht auf die nötigen Maßnahmen einigen können. Der NABU begrüßt in einer Mitteilung den Rückau der Staustufe. "Jede Stauanlage ist eine Belastung für ein Fließgewässer, weil sie die Durchgängigkeit für Organismen und Sedimente und somit den Lebensraum beeinträchtigt."
Stauanlagen dürfen bundesweit nur betrieben werden, wenn die gesetzlichen Auflagen also Mindestwasserführung, Durchgängigkeit und Fischschutz beachtet werden, so der NABU. "Beim Aggerstau Osberghausen war das wohl nicht wirtschaftlich machbar, denn die Kosten für Durchgängigkeit und Fischschutz wären enorm. Und zudem würde der Energiegewinn bei Umsetzung der Schutzmaßnahmen zukünftig deutlich schrumpfen."
Der NABU erwartet nicht, dass der Stau Osberghausen schon im Frühjahr 2026 abgelassen wird. "Denn sehr wahrscheinlich hat die Brutzeit für die ersten Wasservögel bereits begonnen." Es werde daher auf ein langsames Ablassen im Spätsommer herauslaufen, das den Schutz von Fischen und Wasservögeln sicherstellt. "Das Wasservogel-Biotop wird aber bis zum Ende des Jahres in der jetzigen Form verschwinden. Das schmerzt uns einerseits, denn für Enten, Blässrallen und Zwergtaucher war der Stau ein wertvoller Lebensraum."
Gleichzeitig werde dafür im Zuge der Renaturierung ein neuer Biotop entstehen, nämlich eine frei fließende Agger mit Kies- und Schlammbänken, Uferzonen, einem naturnahen Fluss und in einigen Jahren mit Auwäldern, so der NABU weiter. "Wir rechnen mit einer deutlichen Verbesserung der Lebensbedingungen für Wasseramsel, Eisvogel und Gebirgsstelze (Vogelarten der Fließgewässer) und mit einem Aufschwung für die Äsche, der typischen Fischart solcher Flüsse." Die Agger wird weiter ein wichtiger Lebensraum für Enten, Schwalben und Fledermäuse bleiben – nicht mehr mit den typischen Stillgewässerarten wie Reiherente, Höckerschwan, Kormoran und Zwergtaucher, aber dafür mit anderen Arten, die genauso wertvoll sind.
"Eines aber steht für uns fest: Man kann die gesetzlichen Vorgaben zum Schutz von Fischen und Flüssen nicht jahrelang ignorieren wollen. Das ist an der Agger – nicht nur bei Osberghausen – lange Jahre geschehen, obwohl viele Experten eine vernünftige Planung eingefordert hatten." Der NABU erwartet deshalb auch eine Reaktion für die anderen Staus und fordert einen Rückbau. "Der Aggerverband sollte jetzt zügig an die Arbeit gehen und den Rückbau des Staus und die naturnahe Gewässerentwicklung im Detail planen." Maßnahmen, die der Wiederherstellung von Auen dienen, würden mit bis zu 80 Prozent vom Land gefördert. "Naturnahe, an ihre Aue angebundene , dynamische Fließgewässer ohne künstlichen Rück- und Aufstau haben die bestmögliche Klimaresilienz" - das sollte der Ansatz für den Aggerverband sein.