LOKALMIX
Aggerverband kämpft um Erhalt der Stauanlage Osberghausen
Oberberg – Neben dem Stauweiher waren auch der Klimawandel und die Übernahme des Wasserverbandes Rhein-Sieg-Kreis Themen bei der Verbandsversammlung des Aggerverbandes.
Von Peter Notbohm
Wie geht es weiter mit dem Stauweiher Osberghausen? Nachdem die von der Bezirksregierung Köln für den Weiterbetrieb geforderte Fischtreppe nicht gebaut worden ist, erlosch zum 1. Januar die Nutzungskraft der Wasserkraft an der Stauanlage. Am 6. Januar folgte ein Anhörungsbescheid der Ordnungsverfügung zum Rückbau der Anlage an den Besitzer, den Aggerverband. (OA berichtete). Der Plan aus Köln sieht vor: ein prüffähiger Antrag für den Rückbau innerhalb der nächsten zwei Jahre und schließlich den Abriss und die Wiederherstellung der Durchgängigkeit des Gewässers innerhalb von zwei Jahren im Anschluss an die Genehmigung.
Doch beim Aggerverband hat man eine andere Idee, wie der Vorsitzende Dr. Uwe Moshage im Rahmen der Verbandsversammlung des Aggerverbandes diese Woche öffentlich machte. Inzwischen habe man eine Stellungnahme an die Bezirksregierung verschickt. Der Inhalt: Man will den Stauweiher nicht komplett zurückbauen, sondern umweltverträglich weiternutzen. Er soll im Rahmen des Hochwasserschutzes für den Notfall als Retentionsfläche weiter nutzbar bleiben und ansonsten eine Durchlässigkeit der Agger gewährleisten.
Betrieben wird die Stauanlage nach wie vor von den Aggerkraftwerken innerhalb eines Unternehmens der bayerischen Auer-Holding, mit dem man seit dem Jahreswechsel keinerlei vertragliche Bindung mehr habe. Laut Moshage gab es ein Angebot zur vollständigen Übernahme der Anlage, „das aber mit einem hohen negativen Betrag verbunden war, der für uns nicht annehmbar ist“.
Der Spielball liegt somit vorerst wieder in Köln bei der Bezirksregierung. Moshage zeigte sich optimistisch, dass man die vorgeschlagene Lösung durchbekommen könne. Erste interne Kommentare von der Bezirksregierung würden darauf hindeuten, dass man die Schutzwirkung der Stauanlage mit einer hohen Durchlässigkeit kombinieren könne. „Ich befürchte, dass uns dieses Projekt trotzdem noch länger verfolgen wird – mit viel Arbeit und wenig Ertrag“, so Moshage.
Ein Update gab es zudem zu einer möglichen Übernahme des Wasserverbandes Rhein-Sieg-Kreis. Moshage sieht mehrere Vorteile in einer Übernahme, betonte aber auch, dass man den Gremien des Aggerverbandes erst dann eine Beschlussvorlage vorlegen wird, wenn sämtliche Mitgliedskommunen im Rhein-Sieg-Kreis ihre Bereitschaft erklärt haben. Geplant ist das für den Sommer 2026, die Übernahme ist für Anfang 2027 angedacht; ein Angebot sei bereits erstellt. An der finalen Vereinbarung werde derzeit gearbeitet. Neben niedrigeren Beiträgen und besseren Förderchancen betonte Moshage vor allem den Vorteil des Büros in Siegburg. Damit werde man als Arbeitgeber für Experten und neue Mitarbeiter aus dem Raum Köln/Bonn deutlich attraktiver.
Zahlen zum Aggerverband
Insgesamt 22,35 Millionen Kubikmeter Trinkwasser wurden im vergangenen Jahr verkauft. In den 30 Kläranlagen wurden 51 Millionen Kubikmeter Abwasser behandelt. 15.700 Proben wurden in den vergangenen zwölf Monaten analysiert, dabei 140.000 Einzelparameter bestimmt. Insgesamt unterhält der Aggerverband 3.000 Kilometer an Gewässern. Deutlich verkleinert hat sich die Zahl der Cyberangriffe auf den Aggerverband. Von 23 Millionen auf 16.000. Der Grund: Server aus über 30 Ländern (darunter Russland, China und Belarus) wurden gesperrt.
Ebenfalls Thema in der Verbandsversammlung: Die Folgen des Klimawandels. Der Trend zeige steil nach oben. Mit einem Anstieg von zwei Grad liege die Region sogar über der globalen Temperaturzunahme. „Das zeigt, der Klimawandel ist auch bei uns angekommen“, so Moshage. Das habe auch Auswirkungen auf die Niederschläge in der Region. Nach den eher regenreichen Jahren 2023 und 2024 blieben diese im vergangenen Jahr demnach 25 Prozent unter dem Durchschnittswert.
Das wiederum hat direkte Folgen für die Füllstände der Talsperren. Befindet sich die Aggertalsperre derzeit bei 62 Prozent (Durchschnitt 68 Prozent), leiden demnach vor allem Genkeltalsperre und Wiehltalsperre, die zum aktuellen Zeitpunkt eigentlich 20 Prozent höhere Füllstände haben müssten. Die Anforderungen an den Aggerverband ändern sich somit, vor allem im Bereich der Trinkwasseraufbereitung. „Durch die höheren Temperaturen wird sich das Wasser stärker erwärmen, was zu mehr Mikroorganismen führt“, erklärte Moshage.
Auch die Wasserwerke seien nicht mehr die jüngsten: In der 75 Jahre alte Anlage in Erlenhagen soll nach einer Sanierung künftig das Wasser mit einer Membrananlage und nicht mehr über die konventionellen Sandfilter gesäubert werden. Zudem hat der Aggerverband eine externe Studie wegen Bürgerbeschwerden über muffigen Geruch im Wasser in Auftrag gegeben (OA berichtete). Das Ergebnis: „Unser Wasser hat keinerlei Tendenz zur Bildung von Geruchs- oder Geschmacksstoffen“, sagt Moshage. Das Problem sei bei den Hausinstallationen, die eher selten genutzt werden, zu verorten. Der Rat des Aggerverbandschefs an die Verbraucher: „Warten sie bis kaltes Wasser wirklich kalt ist, dann ist es auch frisch!“
Präsentiert wurde zudem die 6-Jahresübersicht 2025 bis 2030. Hier sind mehrere Millionen-Investitionen vorgesehen, unter anderem, um die Zahl der Schlammbehandlungsanlagen zu reduzieren. 14,6 Millionen Euro sind für die Erneuerung der Kläranlage in Homburg-Bröl vorgesehen. 25,5 Millionen Euro wird die Aufgabe der Kläranlage in Brunohl und der Neubau der Kläranlage in Weiershagen kosten. Diese solle so ausgebaut werden, dass sie in naher Zukunft auch die Aufgaben der Kläranlagen in Wiehl, Brüchermühle und Ufersmühle übernehmen kann.
Bei der Erstellung der Pläne hierfür setzt der Aggerverband inzwischen konsequent auf eigene Mitarbeiter. Moshage sagte, dass die Qualität der Leistungen externer Ingenieurbüros nicht nur immer teurer werde, sondern auch stark nachgelassen habe. Ursprünglich war man von Kosten für die Planung in Höhe von 500.000 Euro ausgegangen, konnte diese aber nun auf 200.000 Euro drücken. Weitere Großprojekte: Der Rückbau der Teichanlagen und die Umgestaltung der Gewässer Dreisbach und Jahlssiefen (2,3 Millionen Euro, wovon 80 Prozent durch das Land gefördert werden). Rund 2 Millionen Euro wird die Erneuerung der Mittelspannungs- und Niederspannungsverteilung im Wasserwerk Auchel kosten.
Positive Zahlen gab es derweil vom stellvertretenden Vorsitzenden Thorsten Falk, der den Haushalt 2026 präsentierte. Dieser sieht trotz steigender Kosten beim Personalaufwand bei eingeplanten Erträgen in Höhe von 87,1 Millionen Euro ein Plus von 1,3 Millionen Euro vor. Falk sprach von einem „wesentlichen Schritt bei der Abarbeitung unserer Defizite“.
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