TIPPS
Wenn das eigene Zuhause zur Hürde wird
Wie Dortmunder Haushalte den Umbau finanzieren.
Es sind selten die großen Dinge, die den Alltag kippen lassen. Meistens ist es eine einzelne Treppenstufe. Der Weg vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer im ersten Stock, der jahrzehntelang selbstverständlich war und plötzlich zur Tagesplanung wird. In Dortmund betrifft das mehr Menschen, als die meisten vermuten – und immer öfter nicht erst mit achtzig.
Eine Stadt, die älter wird – schneller als gedacht
Dortmund zählt zu den Großstädten im Ruhrgebiet, in denen der demografische Wandel besonders sichtbar wird. In Stadtteilen wie Aplerbeck, Hörde oder Mengede leben ganze Straßenzüge mit Bewohnern, die ihre Häuser in den Sechzigern und Siebzigern gebaut haben – und heute in genau diesen Häusern alt werden wollen. Das Fachwort dafür lautet „Ageing in Place“, das Altern in den eigenen vier Wänden. Klingt akademisch, meint aber etwas sehr Handfestes: bloß nicht ins Heim.
Das Problem ist nur, dass die Häuser von damals nicht für das Leben von heute gebaut wurden. Schmale Türen, enge Bäder, steile Treppen. Und genau hier fängt für viele Familien das Rechnen an.
Der Zuschuss, den erstaunlich wenige kennen
Die gute Nachricht zuerst: Wer einen Pflegegrad hat, bekommt für sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen einen Zuschuss von bis zu 4.180 Euro – pro Person. Geregelt ist das in § 40 SGB XI, ausgezahlt wird es über die Pflegekasse. Leben zwei pflegebedürftige Menschen im selben Haushalt, addiert sich der Betrag.
„Viele Angehörige beantragen den Zuschuss gar nicht erst, weil sie glauben, er sei an aufwendige Bedingungen geknüpft. Das ist ein Trugschluss – ein formloser Antrag reicht oft aus“, heißt es sinngemäß aus der Wohnberatung, an die sich Dortmunder Haushalte kostenfrei wenden können.
Wer keinen Pflegegrad hat, geht trotzdem nicht leer aus. Die KfW-Förderung „Altersgerecht Umbauen“ (Programm 455-B) unterstützt Barrierereduzierung mit direkten Zuschüssen – unabhängig vom Alter, übrigens auch für Vermieter. Entscheidend ist: erst beantragen, dann bauen. Wer die Handwerker vorher bestellt, verliert im Zweifel den Anspruch.
Was sich konkret umbauen lässt
Die Bandbreite ist größer, als der Begriff „barrierefrei“ vermuten lässt. Es geht längst nicht nur um Rampen. Gefördert werden unter anderem:
- der bodengleiche Duschumbau statt der klassischen Wanne mit hohem Einstieg
- Türverbreiterungen, damit ein Rollator oder Rollstuhl überhaupt durchpasst
- Haltegriffe und rutschfeste Böden in Bad und Flur
- die Überwindung der Etagen – Stichwort Treppe
Gerade der letzte Punkt ist für Reihen- und Einfamilienhäuser der Klassiker. Ob ein Treppenlift die passende Lösung ist oder ein anderer Umbau, hängt stark vom Grundriss ab – eine gerade Treppe stellt andere Anforderungen als eine kurvige. Wer sich einen Überblick über Modelle, Kosten und die Lage vor Ort verschaffen möchte, findet bei Anbietern mit Dortmunder Bezug eine erste Orientierung, etwa in dieser Übersicht für die Region Dortmund.
Der Fehler, der am meisten kostet
Berater wie Handwerker berichten übereinstimmend von einem Muster: Familien warten zu lange. Der Umbau wird zum Notfallprojekt, wenn nach einem Sturz oder einem Krankenhausaufenthalt plötzlich alles gleichzeitig gehen muss.
„Der beste Zeitpunkt für einen barrierefreien Umbau ist, bevor man ihn dringend braucht“ – dieser Satz fällt in Beratungsgesprächen fast wörtlich immer wieder.
Wer früh plant, kann Förderanträge in Ruhe stellen, mehrere Angebote vergleichen und Maßnahmen kombinieren. Wer unter Druck handelt, zahlt drauf – finanziell und nervlich.
Wo Dortmunder Rat bekommen
Die Stadt Dortmund und mehrere Wohlfahrtsverbände bieten kostenlose und neutrale Wohnberatung an – unabhängig von Anbietern, ohne Verkaufsinteresse. Dort lässt sich klären, welche Fördertöpfe sich kombinieren lassen und welche Maßnahme im konkreten Fall überhaupt sinnvoll ist.
Ein Anruf lohnt sich fast immer. Denn am Ende geht es nicht um Rampen und Griffe, sondern um etwas Größeres: darum, im vertrauten Zuhause bleiben zu können, auch wenn sich das Leben verändert.
Mehr zum Thema Wohnen und Leben in der Region: