LOKALMIX

Pflege: Gewinnung ausländischen Personals ist "unausweichlich"

us; 26.03.2026, 11:00 Uhr
Foto: Ute Sommer --- Nicole Breidenbach und Klaus Grootens sprachen mit Experten über Lösungen der künftigen Pflege-Herausforderung.
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Pflege: Gewinnung ausländischen Personals ist "unausweichlich"

us; 26.03.2026, 11:00 Uhr
Gummersbach - Beim zweiten Dialogformat „P.NetO fragt nach…“ hatte das regionale Pflegenetzwerk zu einem Symposion unter der Fragestellung zu Chancen, Wegen und Perspektiven internationaler Pflege im Oberbergischen Kreis eingeladen.

Von Ute Sommer

 

Der Fachkräftemangel in der Pflege bleibt mit Blick auf die älter werdende Gesellschaft eine der herausforderndsten Aufgaben für stationäre und ambulante Einrichtungen. Zur Evaluation der Gesamtproblemstellung hatte P. NetO, als Zusammenschluss von 32 Pflegedienstanbietern im Oberbergischen, gestern Vertreter aus Wissenschaft, Pflegepraxis, Verwaltung und Politik zum Gedankenaustausch in den Gummersbacher Innovation Hub eingeladen.  Die rund 50 Teilnehmer diskutierten aus unterschiedlichsten Blickwinkeln darüber, wie Recruiting, Integration und Bindung internationaler Fachkräfte gelingend gestaltet werden können.

 

Als Landrat und Gründungsmitglied von P. NetO beschrieb Klaus Grootens die anhaltende Gewinnung ausländischen Pflegepersonals als unausweichlich, was die aktuellen Zahlen des Klinikums Oberberg belegten. So hätten derzeit 41 Prozent aller dort tätigen Ärzte, 18 Prozent aller Pflege-, und 59 Prozent aller Servicekräfte ausländische Wurzeln. „Das reicht nicht, wir müssen uns kümmern“, versprach er, sich hinsichtlich der gesamtgesellschaftlichen Relevanz, um den Abbau von Bürokratie und die Vereinfachung politischer Prozesse zu bemühen. Mit AGewiS und dem Klinikum verfüge man überdies über Lösungsansätze vor Ort.

 

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In seinem provokant, launigen Impulsreferat untersuchte der interdisziplinäre Sozialwissenschaftler und Direktor des Seminars für Genossenschaften an der Universität Köln, Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, die „Multikulturalität als Spannungsfeld in Politik, institutionellen Settings und sozialen Interaktionen“. Die Rahmenbedingungen für einheimisches wie ausländisches Personal seien hochkomplex, mit überbordender Bürokratie und ökonomischen Restriktionen sorge das deutsche Gesundheitssystem für eine Verschärfung der sozialen Wirklichkeit.

 

Als „Kreislaufwirtschaft“ habe die Medizin die „Versorgung als Reproduktion von Humankapital“ im Blick, gleichzeitig werde die Pflege als „Underdog des medizinischen Komplexes“ behandelt. Deren Bildungslaufbahnarchitektur sei bereits für Muttersprachler anspruchsvoll und die „Einfügung des Anderen“, mit Spracherwerb, divergierenden Rollen- und Altersbildern, Geschlechterverhältnissen, Spiritualität oder Körperbezug sorge für zusätzliche „Komplexitätssteigerung“.

 

Über das Berufsleben hinaus müsse die gelingende Integration internationaler Pflegekräfte auch deren Privatleben und soziales Umfeld miteinbeziehen. In seinem Fazit unterstrich der Wissenschaftler die transnationale Pflegekräfteanwerbung als alternativlos, gleichzeitig als Chance, die unter Berücksichtigung ethischer Achtsamkeit gegenüber allen Beteiligten ergriffen werden müsse.

 

Moderiert von Nicole Breidenbach, der Geschäftsführerin von P.NetO, und Gesundheits- und Pflegewissenschaftlerin Dr. Ursula Kriesten tauschen sich im Fortgang des Dialogformates 14 Fachleute aus Praxis, Wissenschaft und Politik in drei Diskussionsrunden über ihre Berufserfahrungen aus, informierten über Arbeitsinhalte und entwickelten gemeinsame Perspektiven für die Zukunft. Wie bereits bei der letztjährigen Veranstaltung werden Gedanken, Ideen und Perspektiven des Expertenaustauschs in einem Positionspapier verdichtet, das dem Kreissozialausschuss, dem Landtag und demnächst der Bundesebene zur Kenntnis übermittelt werden wird.

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