POLITIK

"Wir müssen alles tun, um eine Sperrung der Wiehltalbrücke zu verhindern"

lw; 28.01.2026, 15:00 Uhr
Foto: Lars Weber --- Landrat Klaus Grootens ist in diesem Jahr seit 25 Jahren beim OBK.
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"Wir müssen alles tun, um eine Sperrung der Wiehltalbrücke zu verhindern"

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lw; 28.01.2026, 15:00 Uhr
Oberberg – Seit 1. November ist Klaus Grootens neuer Landrat des OBK – Im OA-Interview spricht er über die ersten Wochen seiner Amtszeit und wichtige Themen, von der Stärkung der Wirtschaft über die Kreishauszentralisierung bis zur zivilen Verteidigung.

Von Lars Weber

 

OA: Herr Grootens, im April werden Sie seit 25 Jahren beim Oberbergischen Kreis sein. Hätten Sie damals gedacht, dass Sie das Jubiläum als Landrat feiern dürfen?

 

Klaus Grootens: Sehr aufmerksam. Mein 25-jähriges Dienstjubiläum hatte ich zwar tatsächlich schon, weil dabei auch Studium und Referendariat berücksichtigt werden. Die Zugehörigkeit zum Kreis jährt sich am 2. April aber tatsächlich zum 25. Mal. Damals war ich ein tariflich Beschäftigter, junger, juristischer Sachbearbeiter mit einem befristeten Vertrag für zwei Jahre - meine allererste Stelle. Ich habe schnell gemerkt, dass es mir hier ziemlich gut gefällt. Und andere haben gemerkt, dass ich ganz ordentliche Arbeit mache. Ich hätte aber nicht gedacht, hier einmal Landrat zu werden, das war damals auch nicht mein Ziel.

 

OA: Bevor Sie im September zum Landrat gewählt wurden, waren Sie Kreisdirektor. Wie haben Sie den Umschwung von der einen Position zur anderen wahrgenommen?

 

Grootens: Ich war ja immer ganz nah dran. Über all die Jahre, schon vor 20 Jahren, war ich hier als Referent im Büro des Landrates und dann zehn Jahre allgemeiner Vertreter. Deshalb wusste ich, auf was ich mich einlasse. Ich kenne unglaublich viele Menschen und das macht es mir auch ein Stück weit leicht, dass man dann relativ schnell ins normale Tagesgeschäft übergehen kann. Die Arbeit mit dem Kreistag ist mir bekannt. Im Wahlkampf habe ich viele heutige Bürgermeister kennengelernt und auch gleich geduzt, was den Austausch tagtäglich leichter macht. Und natürlich kenne ich die Kreisverwaltung auch sehr gut. Klar ist auch: Die zeitliche Dimension ist nochmal eine andere als Landrat, weil man viele repräsentative Termine wahrnimmt, auch morgens früh, abends spät und am Wochenende. Aber das gehört dazu, das habe ich mir so ausgesucht und das macht mir viel Spaß und Freude.

 

OA: Wie bewerten Sie die Entscheidung von CDU und SPD, den Kreisdirektor-Posten unbesetzt zu lassen. Sie waren ja selbst auch bei den Koalitionsverhandlungen mit dabei. Müssen Sie Ihre alten Aufgaben jetzt auch noch mit erledigen?

 

Grootens: Wissen Sie, in solchen Verhandlungen werden natürlich auch personelle Fragen diskutiert. Da geht es dann zum Beispiel um stellvertretende Landräte, es wird über Ausschüsse gesprochen und natürlich auch über den zweiten und dann auch alleinigen politischen Beamten. Die Landräte sind volksgewählt, der Kreisdirektor ist vom Kreistag gewählt. Und da war es klar, dass man da eine Lösung braucht. Und ich glaube, man hat eine gute Lösung gefunden, indem man auf eine Neubesetzung verzichtet hat. Zumal ich ja mit Stefan Heße einen Vertreter habe (OA berichtete), der schon viele Jahre dabei ist, das Hauptamt geleitet hat. Das heißt, er hat einen großen Überblick über die Kreisverwaltung. Den politischen Aspekt hat man dadurch rausgenommen, und dem Landrat einen Verwaltungsfachmann an die Seite gestellt. Damit bin ich sehr zufrieden.

 

OA: Mit Ihrem Vorgänger Herrn Hagt sind Sie befreundet. Haben Sie sich trotzdem vor dem Start ins Amt überlegt: Das möchte ich jetzt anders machen?

 

Grootens: Ich schätze Jochen Hagt und seine Arbeit sehr, gewisse Ähnlichkeiten gibt es auch in unserer Biografie: Wir sind beides Juristen, Kreisdirektoren, CDU-Mitglieder. Trotzdem, schon allein aufgrund des Altersunterschieds, Jochen Hagt ist 68, ich bin 52, gehe ich anders an die Dinge ran. Das macht sich, glaube ich, bemerkbar. Ich duze z.B. alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Büro des Landrats.

 

OA: Sie haben keine Krawatte an.

 

Grootens: Ich habe keine Krawatte an, richtig, das behalte mir für ganz besondere Anlässe vor. Und ich schreibe auch mal eine E-Mail selbst. Der Aspekt Mindset ist mir auch sehr wichtig. Mir ist ganz wichtig, dass unsere Kolleginnen und Kollegen, egal wo sie sitzen, aber gerade da, wo sie mit Bürgerinnen und Bürgern oder mit Unternehmen zu tun haben, sich noch einmal klar machen, wofür wir das machen. Nämlich genau für die: für die Bürgerinnen und Bürger, für die Unternehmen. Mir ist wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen auch wahrnehmen, was gerade los ist in dieser Welt.

 

OA: Das Thema Wirtschaft haben Sie schon in ihrem Wahlkampf zu einem zentralen Thema gemacht…

 

Grootens: Wir brauchen da als Verwaltung eine ganz hohe Sensibilität. Gerade jetzt, weil eben die weltweiten Krisen, weil die Rezession, die unser Land ja seit mehreren Jahren trifft, sich nicht nur in Wolfsburg bei Volkswagen oder in München bei BMW abspielt, sondern auch bei unseren Industrieunternehmen ankommt. Ich habe Menschen erlebt, die Sorgen um ihre Arbeitsplätze haben und Menschen, die in Kurzarbeit sind, sich Sorgen machen um das Wohl der Familie, die beispielsweise gerade gebaut haben. Dann ist mir wichtig, dass wir als Verwaltung das wirklich auch wahrnehmen und Dinge möglich machen, wo sie möglich gemacht werden können.

 

OA: Was kann der Kreis anschieben, was kann er tun, damit die Wirtschaft hier stabil bleibt, damit es den Unternehmen gut geht innerhalb dieser Weltwirtschaftslage?

 

Grootens: Ich sage erstmal, was wir nicht können. Wir können nicht mal eben auf den Knopf drücken und wir haben Dinge wie die Zollpolitik des Herrn Trump mal eben auf links gedreht und die Welt ist deshalb besser. Wir können auch nicht die Bundesgesetze, die Landesgesetze, die EU-Normen mal eben hier für nicht anwendbar für das Kreisgebiet erklären. Das geht nicht. Da geht es auch um Dinge wie Entbürokratisierung, Vereinfachung, was Energie- und Lohnkosten anbelangt. Und trotzdem, wir spielen eine Rolle, zum Beispiel als Genehmigungsbehörde, unser Bauamt, unser Umweltamt, beim Thema Windenergie zum Beispiel. Oder unser Straßenverkehrsamt spielt eine Rolle, das Genehmigungen für Verkehre, für Fahrerlaubnisse, für Spediteure und so weiter erteilt. Insofern haben wir auch eine Verantwortung und diese müssen wie im Sinne derer, die hier produzieren, die hier Wertschöpfung betreiben, auch wahrnehmen.

 

Und wir sind gleichermaßen mitverantwortlich, wenn auch nicht allein verantwortlich, dass Verkehr hier funktioniert. Stichwort Infrastruktur, Stichwort A4. Ja, die Zuständigkeit liegt bei der Autobahn GmbH, aber da muss eine Region mitdenken, da muss eine Region sich einmischen, da muss sich eine Region auch artikulieren. Vielleicht auch ein bisschen Druck machen. Deshalb habe ich auch schon zu verschiedenen Abstimmungsrunden eingeladen, weil es nicht sein darf, dass wir Dinge versäumen. Wir müssen alles tun, um eine Sperrung zu verhindern. Wir müssen uns aber auch, und das gehört auch dazu, für den Worst Case vorbereiten. Dann müssen wir gute Konzepte in den Schubladen haben.

 

OA: Lassen Sie uns über den Kreistag sprechen. Da haben wir eine oberbergische Premiere mit der Koalition von CDU und SPD, einer erstarkten AfD-Fraktion und zwei linksgerichteten Parteien mit Die Linke und dem BSW. Was erwarten Sie von der Wahlperiode im Kreistag?

 

Grootens: Also es gehört ja zur Demokratie, dass niemand ein Ticket auf ewig hat. Und so hat es nach vielen Jahren und Jahrzehnten einer Mehrheit aus CDU und FDP, zuletzt mit der UWG, dafür nicht mehr gereicht. Dazu kommen die anderen von Ihnen genannten Entwicklungen. Da liegt es in der Natur der Sache, dass man sich neu sortieren muss und miteinander sprechen muss. Und es hat Gespräche gegeben, ich durfte an einigen Gesprächen auch teilnehmen. Letztlich habe ich sowohl zwischen CDU und SPD, aber auch zwischen CDU und den Grünen, sehr konstruktive Gespräche erlebt. Jetzt haben wir eine Mehrheit, die stark ist, was das Zahlenverhältnis anbelangt. Darüber bin ich erst mal froh. Auch mit dem Koalitionsvertrag kann ich als Landrat gut leben. Ich bin froh, dass auch so dicke Elefanten, wie beispielsweise das Thema der Kreishauszentralisierung, einem Kompromiss zugeführt wurde, dass es weitergeht.

 

OA: Worauf kommt es bei dem Thema jetzt an?

 

Grootens: Wichtig: Die Planungen werden jetzt nicht gestoppt, sie gehen weiter. Aber es werden nochmals Einsparungen geprüft. Wie können wir von diesen rund 93 Millionen Euro runterkommen? Da soll es einen Arbeitsauftrag an die Verwaltung geben. Auch wichtig: Die grundsätzliche Entscheidung, dass es nur einen Bauabschnitt geben soll. Alles andere wird nicht weiterverfolgt. Das in Kombination mit der Frage, wie können wir die Gebäude, die hier noch stehen, vielleicht noch in das Ganze einbeziehen? Und manchmal hat man Glück, zum Beispiel dadurch, dass eben dieses Infrastrukturprogramm des Bundes genau während der Koalitionsverhandlungen aufgelegt und veröffentlicht wurde. Da haben wir die Möglichkeit, gegebenenfalls Förderungen für die Sanierung von vorhandenen Immobilien zu akquirieren. Und in diesem Sinne arbeiten wir weiter.

 

OA: Welche weiteren Themen möchten Sie persönlich jetzt mit dem Kreistag schnell vorantreiben?

 

Grootens: Vieles ist in der Tat schon vom Kreistag vorgegeben, die Umsetzung des Rettungsdienstbedarfsplanes zum Beispiel. Da steht drin, dass wir noch neue Rettungswachen bauen. Wir werden jetzt für die ersten drei Wachen ziemlich zeitnah Genehmigungsanträge stellen können. Ich hoffe darauf, dass es gelingt, in dieser Wahlperiode wirklich alle neun Wachen ausrollen zu können. Wenn das gelinge, dann muss ich sagen, dann haben wir viel erreicht.

 

OA: Engelskirchen also auch?

 

Grootens: Danke für die Nachfrage. Radevormwald und Engelskirchen waren noch unsere Sorgenkinder, weil es trotz aller Bemühungen schwer war, ein geeignetes Grundstück zu finden. In den nächsten Tagen werden die Dinge aber unter Dach und Fach gebracht.

 

Ein Thema, das uns auch sehr fordert, ist das Thema der zivilen Verteidigung. Vor wenigen Tagen hat Innenminister Dobrindt formuliert, dass wir tagtäglich angegriffen werden. Nicht mit Panzern, die einen halben Kilometer vor der Grenze stehen, aber eben hybrid: Krankenhäuser, Verwaltungen, Industrieunternehmen. Denken Sie an den Landkreis Anhalt-Bitterfeld, die Südwestfalen-IT, zuletzt die Stadt Heinsberg. Und wir haben gerade nochmal gesehen, dass es nicht zwingend ausländische Kräfte sein müssen. Ich sage nur Berlin Blackout-Szenario. Denkbar ist sowas auch in anderen Regionen, im Zweifel auch im oberbergischen Kreis. Also müssen wir uns vorbereiten.

 

OA: Wie?

 

Grootens: Da beschäftigen wir uns sehr intensiv mit. Wir versuchen hier, Schritt für Schritt, resilienter zu werden und unsere Notfallpläne weiterzuentwickeln. Kein Thema, um das man gebettelt hat, auch kein Thema, das Spaß macht, weil die Rahmenbedingungen und die Vorstellung, dass die Lage weiter eskaliert, nicht schön sind.

 

OA: Was sind Ihre persönlichen Ziele für die erste Amtszeit?

 

Grootens: Der Bau der Rettungswachen, die A4-Problematik, Unternehmer sollen hier gerne produzieren und investieren, die Anpassung an den Klimawandel - wir müssen möglichst viele der Dinge gut hinbekommen. Ich würde mir wünschen, dass man nach fünf Jahren sagen kann: „Hat er ganz gut gemacht, der Herr Grootens“.

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KOMMENTARE

1

Dann wünsche ich Ihnen ein gutes Gelingen 😉
Vielleicht noch ein Rat: Sei nie schlauer als die Indianer!

Ferdi, 28.01.2026, 18:40 Uhr
2

Nicht nur an die A4 denken. Für die Bahnstrecke wird seit Jahrzehnten eine elektrifizierte S-Bahn versprochen! Das ist ein so wichtiger Standortfaktor, um junge Menschen und Fachkräfte in Oberberg zu halten und neue gewinnen zu können! Ich verstehe zum Beispiel absolut nicht, warum es immer noch keinen Bahnverkehr in Wochenendnächten gibt. Kein Wunder, wenn junge Menschen wegziehen…

Gummibacher, 29.01.2026, 00:22 Uhr
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