POLITIK
Verseuchtes Aqua-Control-Gelände: Auch Enteignung wird geprüft
Wiehl – Die Linke wollte wissen, welche Neuigkeiten es von den Verhandlungen mit dem Eigentümer und den Arbeiten eines Fachbüros gibt.
Von Lars Weber
Die Geschichte rund um das ehemalige Gelände der Firma Aqua Control in Oberbantenberg macht der Unendlichen Geschichte längst starke Konkurrenz. Seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten steht die Halle in der Pfenderstraße nicht nur leer, das Areal ist auch mit Quecksilber belastet. Zuletzt freute sich die Stadt Ende 2024, in das Landesprogramm „Bau.Land.Partner“ aufgenommen worden zu sein, das Unterstützung bei der Reaktivierung von Brachflächen versprach. Die Linke-Fraktion hatte nun bei der aktuellen Ratssitzung eine Anfrage gestellt, was seitdem geschehen ist. „Die Bürger bewegt das Thema“, sagte Fraktionschef Matthias Lammerich. Die Antwort, die Bürgermeister Ulrich Stücker in öffentlicher Sitzung geben konnte, stellte weder die Politik noch die Verwaltung selbst zufrieden: Die alten Probleme sind auch die aktuellen Probleme.
Und damit ist nicht einmal die Schadstoffbelastung des Areals gemeint, die die Verwaltung gerne mit einer Sanierung aus der Welt schaffen würde. Um diesen Prozess voranzutreiben, wurde der Verwaltung im Rahmen des Landesprogramms die Entwicklungsgesellschaft „NRW.Urban“ an die Seite gestellt. Zu den Leistungen der Gesellschaft gehören Moderation zwischen Eigentümern und Kommunen, Erstellung von Grobkosten- und Erlösbetrachtungen sowie die Einschätzung von ökonomischer und rechtlicher Machbarkeit bei der Betrachtung von Grundstücken. Beim ersten Punkt fangen die Probleme aber schon an – beziehungsweise gehen in die Verlängerung.
Denn die Besitzerin des Grundstücks, die Kölner Immobilienfirma Valoria, verhindere Fortschritte in der Reaktivierung des Grundstücks. Sie redet laut den Ausführungen Stückers nicht – weder mit der Verwaltung, die regelmäßig die vorhandenen Nummern wählen würde, noch mit dem landeseigenen Büro NRW.Urban. „Einmal haben wir mit den Besitzern sprechen können“, erinnerte Stücker an ein Treffen im Sommer vor zwei Jahren. „Wir hatten damals auch die Bereitschaft gezeigt, das Areal zu kaufen“, so der Bürgermeister weiter. „Seitdem haben wir nichts mehr gehört.“
Natürlich erschwere dies auch die Arbeit des Fachbüros, deren Arbeit trotzdem – auch ohne Zustimmung der Eigentümer – vorangetrieben werde. Die Stadt gehe dabei in Vorleistung. Das Büro solle als Ergebnis zeigen, was ein Abriss und eine Aufbereitung des Areals kosten würde – nicht einfach ohne jede Zusammenarbeit mit dem Besitzer. Für die umwelttechnischen Fragen bleibt der Kreis als untere Umweltbehörde an Bord. Er beprobt das Grundwasser regelmäßig, um einen möglichen Quecksilbereintrag zu kontrollieren.
„Nach der Osterpause sollen weitere Entscheidungen getroffen werden. Wir prüfen alle Verfahrensschritte, die zur Verfügung stehen“, so Stücker weiter. Die Nachfrage, ob dazu auch die Möglichkeit einer Enteignung gehöre, bejahte das Stadtoberhaupt. Die Hürden dafür liegen aber hoch.
Eine schriftliche Anfrage von OA bei der Valoria von Donnerstag blieb bis jetzt unbeantwortet.
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