POLITIK

„Unabhängige Aufarbeitung der NS-Zeit notwendig“

Red, lw; 21.01.2022, 18:02 Uhr
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„Unabhängige Aufarbeitung der NS-Zeit notwendig“

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Red, lw; 21.01.2022, 18:02 Uhr
Oberberg – Oberbergische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit schaltet sich in Diskussion ein.

Eine Diskussion über die Aufarbeitung der NS-Zeit im Oberbergischen ist bei der letzten Sitzung des Kreistags des vergangenen Jahres angestoßen worden. In dieser forderte der Bergneustädter unter anderem, unabhängige Forscher an dieser Aufgabe zu beauftragen. Dem folgte eine Antwort aus der Kreisverwaltung. Viel sei schon geschehen und auch jetzt würde wieder mit den Fraktionen diskutiert, wie die Aufarbeitung weiter vorangetrieben soll. Denn diese sei „niemals erledigt“, hatte Dezernent Felix Ammann noch im vergangenen Jahr auf Nachfrage (OA berichtete) betont. Nun schaltet sich auch die Oberbergische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in die Diskussion ein – und bekräftigt die Forderung Gothes.  

 

„Die Notwendigkeit einer möglichst vollständigen und wissenschaftlich unabhängigen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im Oberbergischen Kreis und seinen Kommunen muss gerade heute wieder ausdrücklich betont werden“, wie der Vorstand um Wolfgang Birkholz in einer Mitteilung schreibt. „Die Ideologie des Nationalsozialismus sei nicht Vergangenheit. Sie lebe weiter in so manchen Köpfen der politisch extrem Rechten und traue sich gerade wieder lautstark auf die Straße“, heißt es weiter. Nur historische Kompetenz könne vielleicht „so etwas wie Immunität“ schaffen.

 

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Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit spart in ihrer Mitteilung nicht mit Kritik. Die Forderung nach Aufarbeitung sei nicht neu, könne aber nicht oft genug wiederholt werden, weil sie zumindest bei einigen Verantwortlichen auf eher taube Ohren zu stoßen scheine. „Jedenfalls lasse die Art der Reaktionen wie jüngst in einer Sitzung des Kreistages darauf schließen.“ Der Verweis der Verwaltung auf die Kreischronik und die Arbeiten des im Ruhestand befindlichen Kreisarchivars Gerhard Pomykaj reicht dem Vorstand nicht aus.

 

Der Kreis habe sich aber auch schon früher im Umgang mit solchen Anliegen schwergetan, heißt es weiter. Zum Beispiel in den 1980er-Jahren, als es um die Förderung der Buchveröffentlichung der Dissertation von Heinz-Wilhelm Brandenburger (Ley-Land, Dr. Robert Ley und der Nationalsozialismus im Oberbergischen Kreis, Köln 1988) gegangen sei. „Der damaligen Forderung des Kreistags, diesen Ansatz für weitere Forschungen umzusetzen, ist man bis heute nur in Bruchstücken gefolgt.“

 

Wie komplex und vielschichtig dieses Kapitel lokalhistorischer Aufarbeitung sei, zeige die jüngste Veröffentlichung, die das LVR-Freilichtmuseum Lindlar, sein Förder- und der Geschichtsverein Rösrath vorgelegt haben (Grundmeier, Kamp, Wagner, Indoktrination Unterwerfung Verfolgung, Lindlar 2021). Der Band belege in vielen seiner Beiträge, „was gründliches Quellenstudium zutage fördern könne“. Die Beschäftigung mit der Geschichte bedeute, so Wolfgang Birkholz, vergangene Prozesse und Ereignisse zu kennen und zu verstehen. „Dies ist wichtig für die Bewertung aktueller Entwicklungen.“

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