POLITIK
Landrat-Stichwahl: Klaus Grootens vs. Dr. Sven Lichtmann
Oberberg – Am Sonntag stehen die Stichwahlen im Kreis an – Die beiden Landratskandidaten versuchen, die Oberberger zu mobilisieren - „Viele wissen gar nicht, dass sie nochmal wählen dürfen“.
Von Lars Weber
Die erste Hälfte der Verlängerung ist schon rum, die zweite ist angepfiffen: Eine Woche extra Wahlkampf haben die Kandidaten, die in die Stichwahlen gehen, bereits geschafft, nun sind es nur noch wenige Tage bis Sonntag. Neben den Bürgermeisterentscheidungen wird auch der neue Landrat des Oberbergischen Kreises gesucht. OA sprach mit Klaus Grootens und Dr. Sven Lichtmann über den Endspurt, die Wahlbeteiligung und mögliche Wählerwanderungen.
Beide Kandidaten waren zufrieden mit ihren Wahlergebnissen, beide sind zuversichtlich, gut in die Verlängerung gestartet zu sein. Klaus Grootens, Kandidat von CDU und FDP, erhielt im ersten Wahlgang 55.122 Stimmen. Dr. Sven Lichtmann (SPD/Die Linke) ging mit 28.094 Stimmen als Zweiter ins Ziel. „Jetzt werden die Karten aber neu gemischt“, sagt Grootens, oder, wie es Dr. Lichtmann ausdrückt: „Wir starten bei null.“
Grootens als auch Lichtmann haben dabei nach der Wahl noch weitere Unterstützung bekommen. Die UWG Oberberg und auch deren Landratskandidat Dillon Weber kündigten an, bei der Stichwahl den amtierenden Kreisdirektor zu unterstützen. Auf der anderen Seite bekräftigen schon am Wahlabend Grünen-Landratskandidatin Bernadette Reinery-Hausmann und ihre Partei die Unterstützung Lichtmanns. Und auch Volt-Kandidat Jürgen Wiechert steht hinter Lichtmann.
Steckbrief
Alter: 51 Jahre
Familienstand und Kinder: verheiratet, ein 12-jähriger Sohn
Wohnort: Engelskirchen
Beruf: Kreisdirektor in der zweiten Amtszeit
Bisheriger politischer Werdegang: Eintritt in die Junge Union und CDU 1998, Wahl zum Kreiskämmerer (2011), Wahl zum Kreisdirektor (2015), Wiederwahl zum Kreisdirektor (2023)
Vereinszugehörigkeit: Mitglied in zahlreichen (Förder-)Vereinen, ehrenamtlicher Justiziar des DRK Kreisverband Oberberg
Bei allem Rückhalt der eigenen und auch anderer Parteien wissen beide Kandidaten aber gerade um die größte Herausforderung dieser ersten Landratsstichwahl im Oberbergischen Kreis überhaupt: „Viele wissen gar nicht, dass sie nochmal wählen dürfen“, sagen beide fast unisono. Gerade die Bürgerinnen und Bürger in jenen Kommunen, bei denen am 14. September auch die Bürgermeisterfrage entschieden wurde, hätten sich in Gesprächen teils überrascht gezeigt, dass sie erneut an die Urne treten dürfen. „Der ganze Kreis darf nochmal wählen“, betont Gootens. „Wir müssen ein Bewusstsein für diese Wahl schaffen“, meint Lichtmann.
Beide versuchen dies auf ähnlichen Wegen: In den Sozialen Medien sind die Kandidaten sehr präsent, sie waren vorbereitet auf die Stichwahl. Vor allem aber wollen sie nochmal so viele persönliche Gespräche mit den Oberbergern führen wie möglich. Sie wissen, dass eine Wahlbeteiligung wie noch vor einer Woche bei fast 60 Prozent äußerst schwer zu erreichen sein wird. Dabei gehe es auch darum, dass möglichst viele Menschen wählen gehen, um für den Nachfolger von Jochen Hagt eine hohe Legitimation zu schaffen, so Lichtmann.
Steckbrief
Alter: 34
Familienstand und Kinder: verheiratet, 1 Kind
Wohnort: Gummersbach
Beruf: Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Bisheriger politischer Werdegang: Seit 2014 Ratsmitglied in Gummersbach, seit 2017 Mitglied des Kreistags (seit 2021 als Fraktionsvorsitzender) und seit 2024 Mitglied der Landschaftsversammlung Rheinland.
Vereinszugehörigkeit: u.a. Arbeiterwohlfahrt (AWO), Fechtsportgruppe
Gummersbach, Förderkreis Albertus-Magnus-Stiftung
Wie eine mögliche Wählerwanderung aussehen könnte, da wollen beide nicht zu sehr spekulieren. Der AfD-Kandidat Jürgen Braun hatte immerhin fast 24.000 Stimmen bekommen. „Ich bin ein Kandidat der bürgerlichen Mitte“, so Grootens. Dass er sich nicht von der AfD unterstützen lasse, sei klar, sagt er weiter. „Wir müssen erreichen, dass demokratische Parteien gewählt werden.“ Lichtmann bezeichnet die AfD als „unbekannten Faktor“ bei der Stichwahl. Er könnte sich vorstellen, dass viele AfD-Wähler diesen Sonntag nicht wählen gehen oder ungültige Stimmen abgeben werden.
Klar ist: Mit dem Ergebnis vom 14. September geht Grootens als Favorit in die Stichwahl. „Ich bin mit viel Wille und Kampfgeist, aber auch mit Demut unterwegs. Ich unterschätze die Wahl jetzt nicht.“ Lichtmann sieht sich klar als Herausforderer. „Dass wir als SPD zweitstärkste Kraft im Kreis geworden sind, gibt nochmal einen Extra-Schub für Sonntag.“
Der Oberbergische Kreis informiert hier über die Stichwahl.
Zu inhaltlichen Fragen nahmen Grootens und Lichtmann auch im OA-Kandidatencheck Stellung.