LOKALMIX
ISEK: Es geht endlich los
Lindlar – Auftakt für die Umsetzung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts – Erste Baustelle am Schul- und Kulturzentrum – Informationsveranstaltung zum „Gestaltungsleitfaden historischer Ortskern“.
Das Integrierte Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) ist in Lindlar schon seit Jahren Thema. Erste Ideen dafür wurden 2018 und 2019 bei sogenannten „Zukunftskonferenzen“ gesammelt – und nachdem die Arbeitsgemeinschaft „Ressource und Chance“ unter Federführung des Dortmunder Architekturbüros „B.A.S. Kopperschmidt + Moczala“ 2022 den wettbewerblichen Dialog gewonnen hat, hat der Gemeinderat das „ISEK Lindlarer Freiräume“ beschlossen. Seitdem wurde viel darüber diskutiert. Die Politik hat mit sich gerungen und gestritten, Ideen infrage gestellt, mit Planern, Verwaltung, Fördergeber und Behörden neue Lösungen gefunden – und sich letztlich einigen können. Jetzt kommt endlich Bewegung in die Sache. Am Schul- und Kulturzentrum geht es los mit der ersten Lindlarer ISEK-Baustelle.
Umgestaltung am Schul- und Kulturzentrum
Die erste Baubesprechung dazu hat bereits vergangene Woche Mittwoch stattgefunden. Der offizielle Spatenstich ist für den 11. Februar, den Mittwoch vor Weiberfastnacht, geplant. Über das Karnevalswochenende soll die Baustelle dann eingerichtet werden, sagte Nicole Mirgeler, Leiterin der Stabsstelle Gemeindeentwicklung, im Gespräch mit OA. Zu Beginn sollen das Baustellenschild aufgestellt und Bäume gefällt werden – insgesamt sechs Stück. „Bis Ende Februar müssen die Baumfällungen abgeschlossen sein“, erklärte sie. Acht neue Bäume sollen gepflanzt werden. Ein Teil des Schulhofes soll für die Baumaßnahme als Lagerfläche genutzt werden.
Als nächstes sollen auf dem Wilhelm-Breidenbach-Weg zwei Querungshilfen geschaffen werden: Auf Höhe der Ludwig-Jahn-Straße soll es eine neue Verkehrsinsel geben und die bestehende Querung soll in nördliche Richtung auf Höhe des Eingangs des Kulturzentrums verlegt werden. Außerdem soll parallel zum Wilhelm-Breidenbach-Weg die neue Busschleife samt Haltestellen entstehen. Darüber hinaus ist geplant, in den kommenden Wochen das erste grüne Klassenzimmer zu realisieren. Nach den Osterferien soll es schon genutzt werden können. Angedacht ist auch, dass Schüler dafür im Rahmen eines Workshops alte Bänke vom Kaštela-Platz aufarbeiten.
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[Auf dem Wilhelm-Breidenbach-Weg werden in diesem Jahr zwei neue Verkehrsinseln gebaut.]
Im weiteren Verlauf stehen die zweite Hälfte des Schulhofs sowie die Entsiegelung der Parkplätze und der Wendekreis auf der Shaftesburystraße an. Zum Schluss soll der Kaštela-Platz überarbeitet werden. „Vom Kaštela-Platz wird aber auch einiges für den Park Plietz verwendet“, sagte Mirgeler. Durchgeführt wird die Baumaßnahme im Bereich des Kulturzentrums vom Bauunternehmen Gerhard Müller aus Gummersbach. Angesetzt sind dafür – inklusive Planung und Gutachten – 3,4 Millionen Euro, wovon 50 Prozent gefördert werden. Das Budget soll „auf gar keinen Fall“ erhöht werden müssen, sagte Mirgeler deutlich. „Wir fangen jetzt das Bauen an – und haben vermutlich noch einen Puffer für die Ausstattung.“ Der Abschluss des Projekts ist für Ende Juni 2027 vorgesehen. „Die Baufirma ist aber optimistisch, dass es schneller gehen wird“, sagte Mirgeler zuversichtlich.
Veränderungen im Park Plietz
Als zweiter Baustein der „Lindlarer Freiräume“ soll der nördlich des Ortskerns gelegene Park Plietz in die Umsetzung gehen. Mit den dortigen Veränderungen soll im zweiten Quartal begonnen werden. Unter anderem ist geplant, den Park als Naherholungszentrum aufzuwerten und den Spielplatz an der Villa Plietz zu modernisieren (OA berichtete). „Die Ausschreibung dazu wird gerade vorbereitet“, erzählte Mirgeler. Auch hier muss bis Ende Februar der Grünschnitt erfolgen. Im Laufe des Jahres sollen die Arbeiten im Park Plietz fertiggestellt werden. Die Maßnahme kostet rund 343.000 Euro. Der Eigenanteil der Gemeinde liegt bei etwa 171.500 Euro (50 Prozent).
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[Bürgermeister Sven Engelmann zusammen mit Nicole Mirgeler, Leiterin der Stabsstelle Gemeindeentwicklung.]
„Man darf sich nicht kaputt sparen“
„Es ist wichtig, dass es nicht nur los geht, sondern dass das ISEK Form und Gestalt annimmt“, sagte Bürgermeister Sven Engelmann. Ob die Entsieglung von Flächen, das Schaffen von Kaltzonen oder auch das zirkuläre Bauen: der Bürgermeister sieht großen Mehrwert in dem Gesamtprojekt. „Das ist zukunftsweisend. Es wird noch etwas dauern, bis man im letzten Winkel erkennt, dass dahinter eine große Idee steht. Wir sind nicht nur auf der Höhe der Zeit, sondern ein Stück weit voraus.“ Was Engelmann auch positiv sieht: Mehr Parkplätze am Kulturzentrum – in großen Teilen entsiegelt, die mitgedachte Verkehrssicherung und grüne Klassenzimmer als Ausweichflächen. Nicht zuletzt würden durch die „Lindlarer Freiräume“ wertvolle Erfahrungen gesammelt werden. „Der Tiefbau steckt noch in den Kinderschuhen, was das zirkuläre Bauen betrifft“, so Mirgeler. „Wir wollen auch ermitteln, was wir so an CO2 einsparen.“
Mit Blick auf die desolate Haushaltssituation der Gemeinde Lindlar sagte Engelmann, dass die Ausgaben für das ISEK „nicht das große Problem“ sind. „Das ISEK ist im Haushalt drin. Das, was jetzt an Haushaltsverschlechterung auf uns zukommt, müssen wir genau betrachten. Das kommt als Defizit dazu, das ist außerplanmäßig. Das sind aber überwiegend Kosten aus dem konsumtiven Bereich“, erklärte Engelmann – auch bezogen auf die bilanzielle Betrachtung des Haushalts. Die Kosten für das ISEK seien zum Großteil investiv. Die Annahme, das ISEK aufzugeben in der Hoffnung, damit eine Erhöhung der Grundsteuer umgehen zu können, sei schlichtweg falsch. „Wir retten uns überhaupt nicht, wenn wir das nicht machen. Wir müssen ja da dran.“ Umso besser sei es, dafür auch noch eine Förderung zu bekommen. „Man darf sich nicht kaputt sparen“, sagte der Bürgermeister deutlich.
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[Der Kaštela-Platz ist als letztes an der Reihe. Die alten Bänke vom Kaštela-Platz sollen von Schülern aufgearbeitet werden.]
ISEK im historischen Ortskern
Für dieses Jahr sei Mirgeler noch kein Förderaufruf und keine Förderquote bekannt: „Aber wir haben einen A-Stempel für den Ortskern. Das ist ein gutes Zeichen.“ Die Chancen auf eine Förderung würden damit nicht schlecht stehen. Wenn die Maßnahmen am Schulzentrum und dem Park Plietz abgeschlossen sind, soll es – möglichst ab 2027 – im Ortskern weitergehen. Dort soll abschnittsweise gearbeitet werden, ohne eine komplette Sperrung. Wie genau, sei aber noch in Planung. Wichtig sei dabei, den Tiefbau mitzudenken. Bevor der Ortskern verschönert werde, müsse er auch unter der Erde modernisiert werden. „Da bin ich gespannt, was uns erwartet. Denn der Ortskern ist nicht nur obenrum historisch, sondern auch untenrum“, sagte der Bürgermeister.
Momentan läuft eine EU-weite Ausschreibung für ein Ortssteilmanagement, sagte Mirgeler. Ziel sei, damit eine Person zu finden, die mit Blick auf das ISEK im Hauptort als Mittler zwischen Bürgern und Vereinen einerseits und der Verwaltung andererseits agiert und mindestens einmal pro Woche vor Ort ist. Die Frist läuft Anfang Februar ab. „Ich hoffe, im März jemanden dafür zu haben“, so Mirgeler. Darüber hinaus strebt die Gemeinde an, von einem Verfügungsfond Gebrauch zu machen und Vereine so darin unterstützen zu können, dass sie etwas für die Gesellschaft leisten – etwa Weihnachtsbeleuchtung erwerben oder ein Sonnensegel für einen Spielplatz. Auch das Hof- und Fassadenprogramm samt eines Gestaltungsleitfadens ist bei der Gemeinde Thema.
Wer mehr dazu erfahren möchte: Die Gemeinde lädt zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Gestaltungsleitfaden historischer Ortskern“ ein, bei der über ein möglichst einheitliches und stimmiges Ortsbild gesprochen werden soll. Im Rahmen der Veranstaltung sollen nicht nur Beispiele vorgestellt, sondern auch Ideen und Anregungen von Bürgern aufgenommen werden. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 4. Februar, im Severinushaus am Kirchplatz statt. Einlass ist ab 18:30 Uhr.
KOMMENTARE
1
was genau ist am Schul- und Kulturzentrum in einem derart gravierend schlechten Zustand das man dort Millionen von Euro investieren muss?
Wenn ich als Privatperson Schulden habe kann ich keine Investition tätigen, unabhängig davon, ob diese gefördert wird, oder nicht.
Und erst Recht keine Investition die nicht 100% notwendig ist.
Aber wie Herr Engelmann sagt, muss die Grundsteuer - mit oder ohne ISEK - so oder so erhöht werden - dann fällt die Erhöhung eben noch etwas höher aus, als ohnehin schon....
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