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Glasfaserausbau: UGG schraubt Ausbauziel herunter

lw; 28.05.2026, 15:07 Uhr
Archivfoto: Lars Weber --- Noch im November waren alle Verantwortlichen und Beteiligten sehr zufrieden mit dem Baufortschritt - nun stoppt die UGG den Glasfaserausbau in Waldbröl.
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Glasfaserausbau: UGG schraubt Ausbauziel herunter

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lw; 28.05.2026, 15:07 Uhr
Waldbröl – Das Unternehmen möchte in Waldbröl weniger Haushalte ans Glasfasernetz anschließen als geplant – UGG soll im Stadtentwicklungsausschuss den Schritt erklären.

Von Lars Weber

 

Das Unternehmen Unsere Grüne Glasfaser (UGG) hat verkündet, sein Ausbaugebiet in Waldbröl zu reduzieren. Demnach werden aktuell im Bau befindliche Straßenzüge noch vom Subunternehmen erledigt. Danach soll – mindestens vorübergehend – Schluss sein. Über die Zahl der Anschlüsse, die am Ende hergestellt werden sollen, liegen unterschiedliche Zahlen vor, keine wurde bislang von der UGG bestätigt. Da laut Bürgermeisterin Larissa Weber einigen Kunden bereits Kündigungen ihrer Verträge ins Haus flattern, wird befürchtet, dass der Baustopp einem kompletten Rückzug gleichkommt. Dies würde bedeuten, dass der Glasfaserausbau bis in die Dörfer, den die UGG stets versprochen hatte, nicht stattfinden würde. „Dabei hatten wir genau dafür stets gekämpft“, so Weber.

 

Im Rathaus zeigt man sich überrascht von der Entwicklung. Noch im November vergangenen Jahres gab es eine Feier zur Aktivierung des Glasfasernetzes (OA berichtete). Und seitdem das Subunternehmen Yust Infra die Bauarbeiten übernommen hatte, hatte der Ausbau auch ordentlich an Fahrt aufgenommen, sagt Bürgermeisterin Larissa Weber auf OA-Nachfrage. Zuletzt mehrten sich dann die schlechten Nachrichten aus anderen Kommunen, aus denen sich die UGG, dahinter stehen O2 und die Allianz, zurückziehen möchte. Da zuletzt aber die Zahlen und auch die Kommunikation in der Marktstadt gestimmt hätten, sei die Information der UGG ans Rathaus dann doch aus heiterem Himmel gekommen. Auch die Verantwortlichen des Subunternehmens seien vorher nicht informiert gewesen.

 

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Larissa Weber habe nach der Nachricht mit der UGG-Geschäftsführung gesprochen. Dort wurde die schwache Konjunktur sowie die schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufgrund der Kostensteigerungen als Folgen der aktuellen Kriege als Gründe angeführt. Es sei betont worden, dass es sich um einen Baustopp handeln würde und man sich über die restliche Planung später Gedanken machen werde. In einer Antwort des Unternehmens auf eine OA-Anfrage liest man davon allerdings nichts (siehe Kasten).

 

10.500 Haushalte wollte die UGG ursprünglich anschließen, auch die Dörfer sollten mit dabei sein. Wenn die aktuellen Arbeiten erledigt seien (die Stadt hat eine Liste auf ihrer Homepage), wären zwar die meisten Haushalte im Zentrum und in einigen angrenzenden Ortschaften versorgt. Vieler Dörfer blieben aber zunächst auf der Strecke. Die Adressen, die von der Gebietskürzung betroffen sind, sollen von dem Anbieter darüber informiert werden. 

 

Wie viele Anschlüsse es am Ende sein werden? Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe die UGG der Stadt aber noch keine konkreten und belastbaren Unterlagen wie Adresslisten, Kartendarstellungen etc. vorgelegt, aus denen hervorgeht wie und in welchem Umfang das Ausbaugebiet reduziert wird. Die Stadt hat diese Informationen bei der UGG eingefordert, so das Rathaus.

 

Allerdings: „Wir werden schon jetzt mit E-Mails geflutet, weil die Bürgerinnen und Bürger bereits von O2 Kündigungen für ihre abgeschlossenen Verträge bekommen.“ Bei einem Baustopp, der später wieder aufgehoben wird, sei dieses Vorgehen eigentlich unnötig, meint die Bürgermeisterin. Sie habe bereits ein Schreiben an die O2 und an die Allianz abgesetzt, um ins Gespräch mit den Investoren zu kommen. Auch die Landtagsabgeordneten möchte sie ins Boot holen, um vielleicht auf politischen Weg Druck aufzubauen.

 

Denn die Stadt selbst habe dazu wenig Möglichkeiten. Da die UGG in keinem Auftragsverhältnis mit der Stadt Waldbröl stehe und der Ausbau ohne Förderung durch öffentliche Mittel erfolge, könne die Stadt Waldbröl die unternehmerische Entscheidung der UGG nur zur Kenntnis nehmen. Aus der seinerzeit unterschriebenen Absichtserklärung ließen sich keine Rechte ableiten, die UGG zu einem weiteren eigenwirtschaftlichen Ausbau zu zwingen.

 

Das sagt die UGG
 

Als Rückzug möchte die UGG die Pläne laut einer Antwort auf OA-Nachfrage nicht verstanden wissen. "UGG zieht den Ausbau in Waldbröl nicht zurück, sondern passt das Ausbaugebiet an." Aufgrund von veränderten Rahmenbedingungen im deutschen Glasfasermarkt konzentriere sich der Glasfaserausbau von Unsere Grüne Glasfaser in den Jahren 2026 und 2027 auf "die am schnellsten zu realisierenden Glasfaserprojekte". Ziel sei es, möglichst viele Haushalte mit Glasfaser bis ins Gebäude auszubauen und an das UGG-Netz anzuschließen. "Mit diesem Fokus wurden und werden Ausbauprojekte neu priorisiert und das UGG-Ausbaugebiet in Waldbröl wird aktuell angepasst."

 

Da der Ausbau eigenwirtschaftlich finanziert sei, müssten "zahlreiche wirtschaftliche Rahmenbedingungen, wie etwa Kapazitäten und Kosten der Baupartner, steigende Materialkosten und Inflation" berücksichtigt werden. Die seit Abschluss der Absichtserklärung mit der Stadt Waldbröl stark veränderte Lage am deutschen Glasfasermarkt, mit erschwerten technischen Bedingungen und gestiegene Kosten beim Ausbau, ließen für das Projekt in Waldbröl aktuell keinen kompletten eigenwirtschaftlich finanzierten Glasfaserausbau mehr zu.

 

Was bedeutet das für die Verträge?


Jene im nun nicht mehr ausgebauten Gebiet eingereichten Gestattungserklärungen (GEE) der Bürger kommen nicht zur Anwendung, so das Unternehmen. Die betroffenen Kunden müssen nichts tun, zu den Vereinbarungen mit den Internetanbietern informiere der Internetdienstanbieter in Kürze direkt.


Genaue Ausbaubereiche und Ausbauzahlen wollte die UGG mit Verweis auf den Wettbewerb nicht bekanntgeben. "Wir werden aber in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung am 17. Juni den Ausbaustand präsentieren", betont die Firma.

 

So ganz möchte die Bürgermeisterin die Hoffnung nicht aufgeben, dass der Ausbau später doch noch mit der UGG weitergeht. Trotzdem werde man nun auch Alternativen für den Ausbau „bis zur letzten Gießkanne“ prüfen. Förderprogramme existierten, dann müsste Waldbröl allerdings auch einen Eigenanteil aufbringen. „Das geht schnell in die Millionen“, sagt Weber. In dieser Diskussion werden dementsprechend auch die bereits existierenden Alternativen zu Glasfaserinternet wie über Satelliten eine Rolle spielen, die auch in den Dörfern genutzt werden können.

 

Die UGG habe indes zugesagt, in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung am 17. Juni den Ausbaustand zu präsentieren. 

 

Aus der Waldbröler Politik hat sich die FDP bereits zu Wort gemeldet. „Wir verurteilen diesen Rückzug. Wer vor Ort Erwartungen weckt, Aufträge entgegennimmt und den Menschen eine konkrete Ausbauperspektive vermittelt, darf sich nicht einfach zurückziehen, wenn es wirtschaftlich schwieriger wird“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Sebastian Diener. „Der Eindruck drängt sich auf, dass zunächst attraktive Bereiche gesichert und schwierigere Gebiete anschließend fallen gelassen werden. Ob das tatsächlich so geplant war, können wir nicht beurteilen. Aber genau diesen Verdacht muss UGG jetzt durch vollständige Transparenz ausräumen“, so Diener weiter.

 

Anm.d.Red.: In einer früheren Version des Artikels wurde eine Zahl genannt, wie viele Haushalte am Ende von der UGG angeschlossen werden sollen. Da sich nach Veröffentlichung des Berichts ergeben hat, dass diese Zahl noch nicht gesichert ist, wurde die Zahl entfernt.

KOMMENTARE

1

Ein unglaublicher Vorgang, bei dem sich die Stadt (mit Ansage) an der Nase hat rumführen lassen!

Man hat sich auf falsche Versprechungen verlassen und damit sogar geltendes Recht gebrochen, indem man einen Wettbewerber, der Telekom, unrechtmäßig einen Ausbau verwehrt hat. Dafür hat man sogar den Rechtsweg bestritten, obwohl jeder Winkeladvokat voraussagen konnte, dass das Gesetz das nicht duldet und Wettbewerb gewollt ist. Es sind ja nur Steuergelder, die so ein Verfahren schluckt. (Ein Seitenhieb an Herrn Diener: Der Rat hatte sich öffentlich gesamt hinter das Vorgehen der Stadt gestellt. Ich glaube, man findet bundesweit sicher nicht viele weitere Fälle, wo sich die FDP so entschieden gegen den freien Wettbewerb unabhängiger Unternehmen gestellt hat....)
Jetzt haben alle verloren!

Waldbröler Bürger, 28.05.2026, 16:23 Uhr
2

Mit Vermutungen muss natürlich vorsichtig umgegangen werden. Aber es drängt sich natürlich ganz stark der Verdacht auf, dass nach dem Zentrum von Waldbröl alle Außen Orte fallen gelassen werden und es nie die Absicht war, die kostenintensiven Außenorte ebenso anzubinden

Max, 28.05.2026, 19:11 Uhr
3

Warum funktionierte der Netzausbau ohne Probleme in Nümbrecht ? Großes Lob an die Gemeinde Nümbrecht für diese Leistung !

Mertens, 29.05.2026, 07:42 Uhr
4

Auch in Marienheide ist/war die UGG aktiv. Vor 2 Jahren tingelten deren Mitarbeitende durchs Land u. versprachen eine goldene, digitale Zukunft. Aber eigentlich bemerkte ich schon da fehlende Kompetenz. Glücklicherweise bot dann die Telekom per vectoring immerhin 200 MBit an, worauf wir eingingen. Was für ein Glück, denn vor einigen Tagen kam Post von O2, die mit UGG zusammenarbeiten wollten. Es wurde mitgeteilt, dass O2 die Versorgung nicht übernehmen kann, weil die ausführende Firma, also UGG nicht verlege. Hätte wir uns damals auf die UGG eingelassen, stünden wir immer noch mit für z. B. das home office indiskutablen 2 MBit. da. Man kann über die Telekom schimpfen, aber sie liefert wenigstens, um Gegensatz zu windigen Anbietern, die beim Glasfaserausbau nur verdienen wollen.

Jörg Grüber, 29.05.2026, 07:51 Uhr
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