LOKALMIX
„Corona war dagegen Pillepalle“
Wipperfürth – Im Herbst bekam der an MDS erkrankte Luca seine lebensrettende Knochenmarkspende und unterzog sich seither einem Behandlungsmarathon – OA hat nachgehört, wie es dem inzwischen Fünfjährigen geht.
Von Leif Schmittgen
Es war eine Schockdiagnose für die Familie Esleben aus Wipperfürth: Ihr Sohn Luca leidet an der seltenen Knochenmarkserkrankung MDS. Zahlreiche Typisierungsaktionen folgten. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde dann schließlich ein passender Knochenmarkspender über die DKMS-Datei gefunden und für den kleinen Jungen begann ein Behandlungsmarathon in der Essener Uniklinik (OA berichtete). Über ein halbes Jahr später, so sagt Vater Marcus, geht es dem heute Fünfjährigen gut, auch wenn er noch nicht vollständig geheilt ist.
„Corona war dagegen Pillepalle“, meint Marcus, wenn er an die heftigen, aber unbedingt notwendigen Isolierungsmaßnahmen für seinen Filius zurückdenkt: „Wir mussten 24 Stunden lang FFP2-Masken und OP-Kittel tragen“, erinnert sich der Vater, der mit Ehefrau Jasmin abwechselnd rund um die Uhr zur Seite stand. Lucas Immunsystem wurde auf null heruntergefahren, um nach der Knochenmarksspende behutsam wieder aufgebaut zu werden. Starke Chemotherapien folgten während der Behandlung. Zahlreiche Bluttransfusionen erhielt der Junge. „Ohne diese hätte er nicht überlebt“, ist sich Marcus sicher, und wirbt für die Wichtigkeit, regelmäßig an Blutspendeterminen teilzunehmen und sich dabei gleichzeitig für eine Knochenmarksspende typisieren zu lassen.
Sechs Wochen war Luca in der Spezialklinik isoliert, selbst seine große Schwester Lina (7) durfte den kleinen Patienten nur durch eine Glasscheibe sehen. Anschließend ging es in den eigenen vier Wänden weiter. „Der Besuch der Großeltern war nur unter strengsten Auslagen möglich. Mehr als ein kurzes Hallo im Schutzanzug war leider nicht möglich“, so Mama Jasmin.
Damit der junge Patient eine möglichst optimale Heilung erfährt, gab es neben den Hygieneauflagen einen strengen Ernährungsplan. Dabei musste Luca zum Beispiel auf Aufschnitt vom Metzger verzichten oder durfte nur geschältes Obst essen. „Weintrauben waren tabu, dabei liebt er sie besonders“, so die Mama. Auch die Schwester musste auf manche Leckerei verzichten, weil die Eltern den Kindern die Trennung von Lebensmitteln nicht zumuten wollen. Wie Luca selber war auch Lina während der zurückliegenden Monate sehr tapfer. „Beide haben die Umstände verstanden“, freut sich Marcus, auch wenn das eine oder andere Mal die Tränen beim Nachwuchs geflossen sind. Der Kontakt zu Freunden war in dieser Zeit kaum möglich, nur durch ihren Schulbesuch hatte Lina Kontakt zur Außenwelt.
![]()
Seit Mitte Mai stellt sich die Lage für die junge Familie deutlich entspannterdar. Es geht wieder raus in die Natur, die Großeltern können wieder besucht werden - wenn auch noch unter besonderer Beobachtung, denn Infektionen wollen die Eslebens selbstverständlich unter allen Umständen vermeiden. Schon im letzten Gespräch mit OA schwärmte die Mutter über die Kulanz und Hilfsbereitschaft von Arbeitgeber HEW-Kabel, die sie im heutigen Gespräch erneut hervorhebt: „Meine Kollegen schenken mir einen Teil ihrer Urlaubstage und Überstunden, deshalb konnte ich mich voll auf die Kinderbetreuung konzentrieren.“ Die vergangenen Monate haben an den Kräften aller gezehrt. Umso mehr freuen sich die Eslebens im August auf eine bewilligte Familienreha, wo sie geistig und körperlich Kraft erlangen wollen. „Wir haben das Glück, nach Sylt zu fahren“, freut sich Marcus.
![]()
Auch wenn der tapfere Luca zum Ende des Jahres geheilt sein kann: Regelmäßige Kontrollen sind für ihn lebenslang nötig. In welchen Abständen, das wird individuell nach jedem Klinikbesuch entschieden und ist von den jeweiligen Blutwerten abhängig. Der lebensrettende Spender muss übrigens noch für etwa anderthalb Jahre anonym bleiben, so die DKMS-Vorgabe. „Uns ist bekannt, dass er männlich ist, aus Deutschland stammt und Ende 40 ist“, erklärt Marcus. Die Familie kann es kaum erwarten, ihn kennenzulernen. Anonymen, von der DKMS kontrollierten Briefverkehr gibt es bereits. OA wird weiterhin über Lucas Genesung berichten.