GUMMERSBACH
So bewertet man im Gummersbacher Rathaus die Bürgeranregung zur Verbesserung des Radverkehrs
Gummersbach - Im zuständigen Fachausschuss äußert sich Fachbereichsleiter Francis Jovan, welche Anregungen man für umsetzbar hält.
Mitte April hatte Dr. Ralph Krolewski, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe in Gummersbach, eine Bürgeranregung im Gummersbacher Rathaus mit 575 Unterschriften eingereicht, damit sich die Bedingungen für den Radverkehr in der Kreisstadt verbessern (OA berichtete). Nun hat Gummersbachs Verwaltung Stellung bezogen und im Ausschuss für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Mobilität die Vorschläge bewertet. Nicht alle Ideen werden im Rathaus befürwortet.
Forderung: Zulassen des Radverkehrs auf den Straßen Wilhelmstraße (auch entgegen der Einbahnstraßenrichtung), Schützenstraße, Moltkestraße sowie in der Fußgängerzone
Eine generelle Freigabe soll es nicht geben, sagt Fachbereichsleiter Francis Jovan. Vor allem auf der Kaiserstraße sieht man im Rathaus ein hohes Konfliktpotenzial zwischen Radfahrern und Fußgängern. Da es sich um einen sensiblen Bereich handle, wolle man diesen ausklammern und separat besprechen. Anfreunden kann man sich im Rathaus damit, die Schützenstraße und Wilhelmstraße freizugeben. Hierfür müssen allerdings Widmungen geprüft werden, ob dies rechtlich überhaupt möglich ist.
Forderung: Mehr Fahrradbügel im Bereich der Innenstadt
Mehr Fahrradbügel werden von der Verwaltung wegen fehlenden Bedarfs abgelehnt. Die insgesamt 45 Fahrradbügel in Moltkestraße, Wilhelmstraße, Alte Rathausstraße, Schützenstraße, Bismarckstraße und am ehemaligen Amtsgericht werden als ausreichend bewertet.
Forderung: Umwandlung des Parkstreifens zum Radfahrstreifen auf der Ostseite der Gummersbacher Straße in Niederseßmar
Dieser Forderung erteilt Jovan eine klare Absage. Zum einen sei Straßen.NRW für die Gummersbacher Straße zuständig, zum anderen herrsche aus Sicht der Verwaltung auch nach dem Umzug des Straßenverkehrsamtes auf der vielbefahrenen Straße weiterhin ein hoher Bedarf an Parkstreifen. „Wir können nicht 100 Autos wegsperren, ohne zu sagen, wohin die nun sollen“, spricht Jovan von fehlenden Kompensationsmaßnahmen. Zwar sei man sich im Rathaus der Konfliktsituation zwischen Parkstreifen und Fahrradschutzstreifen an der Gummersbacher Straße bewusst, es handle sich aber auch um eine der Hauptverkehrsachsen in die Stadt. Auch ein von den Grünen ins Spiel gebrachter Tausch beider Streifen wurde aus Sicherheitsgründen nicht befürwortet, da die Gefahr des Dooring für Radfahrer damit zwar kleiner werde, Autofahrer gleichzeitig aber direkt auf der Fahrbahn aussteigen müssten.
Forderung: Vorgezogene Wartebereiche für Radfahrer an der Ampelanlage an der Abzweigung Vosselstraße am alten Straßenverkehrsamt
Aus Sicht der Verwaltung machen vorgezogene Wartebereiche keinen Sinn, da sie der vorhandenen Verkehrsführung widersprechen. Vom Dreieck kommend ist die Radverkehrsführung nur im Seitenraum erlaubt. Ein Schutzstreifen würde laut Jovan hingegen suggerieren, dass Radfahrer statt auf dem Gehweg auf der Straße fahren sollen. Auch aus der Innenstadt kommend gibt es einen kombinierten Geh- und Radweg und keinen Schutzstreifen vor der Ampelanlage, sodass aufgrund des fehlenden Übergangs in einen möglichen Wartebereich die Gefahr für den Radverkehr sogar zunehmen würde.
Forderung: Wegfall des Schutzstreifens an der Kreuzung Wiesenstraße/Seßmarstraße. Stattdessen eine neue Radführung über die Industriestraße
Im vergangenen Sommer verstarb hier eine E-Scooterfahrerin (22), nachdem ein LKW-Fahrer ihr die Vorfahrt auf dem Fahrradschutzstreifen genommen hatte. Im Rathaus lehnt man den Wegfall des Schutzstreifens ab. Zum einen glauben die Verkehrsplaner nicht, dass der Radverkehr freiwillig den Umweg über die Industriestraße, Talstraße und Yorckstraße in Richtung Innenstadt nehmen, sondern weiter die kürzeste Route über die Hindenburgstraße bevorzugen wird. Zum anderen würde man den Radverkehr, der an der Kreuzung bewusst geradeausfahren will, mit der Abschaffung des Schutzstreifens zusätzlich gefährden, da er keine Vorfahrt mehr hätte. Straßen.NRW habe zudem angekündigt, im Rahmen einer künftigen Sanierungsmaßnahme den Schutzstreifen rot zu markieren, um so für mehr Aufmerksamkeit bei den Verkehrsteilnehmern zu sorgen.
Forderung: Bau einer Querungshilfe für Radfahrer an der Einmündung Hindenburgstraße/Talstraße
Das Teilstück der Hindenburgstraße ist auf dem stark abschüssigen und kurvenreichen Teil die einzige Straße im gesamten Gummersbacher Stadtgebiet mit einem von der restlichen Fahrbahn abgetrennten Radfahrstreifen. Besonders Linksabbieger in die Talstraße sind an der unübersichtlichen Stelle trotzdem gefährdet, auch weil manche Autofahrer aus Niederseßmar kommend die Sperrfläche in der Kurve schneiden. Eine gesonderte Querungshilfe, lehnt man im Rathaus trotzdem ab, da nicht zu erwarten sei, dass Radfahrer diese Wegführung nutzen werden. Gleichzeitig gibt es aber einen Alternativvorschlag für mehr Sicherheit: Die Sperrfläche soll baulich durch eine Mittelinsel von der restlichen Fahrbahn getrennt werden.
Forderung: Umsetzung von Tempo-30-Zonen gemäß des Radverkehrskonzeptes
Dies will man im Rathaus im Rahmen des von CDU und SPD geforderten Umsetzungskonzeptes zur schrittweisen Einführung von mehr Tempo 30 im Gummersbacher Stadtgebiet weiterhin prüfen und die Straßen entsprechend kategorisieren.
Forderung: Mehr Roteinfärbung von Radwegeführungen
Der Vorschlag wird aus der Verwaltung als sinnvoll erachtet. Man wolle die Roteinfärbung aufgrund des hohen Schutzanspruchs aber weiterhin nur an besonders gefährlichen Stellen nutzen.
Was sagen die Initiatoren des Bürgerbegehrens?
Dr. Ralph Krolewski betonte nochmals, dass allein an der Gummersbacher Straße ein aktivierbares Fahrradnetz von 27.000 Einwohnern hänge, darunter viele Berufspendler, auch aus Bergneustadt. Sein Fazit: Fahrradfahrer fühlen sich in Gummersbach unsicher, was auch durch das schlechte Abschneiden im Fahrradklimatest untermauert werde. Er kritisierte, dass die Stadt nicht mehr Fahrradbügel aufstellen wolle, auch weil viele Firmen keine Parkplätze für Radfahrer vorhalten würden und „die nicht funktionierenden Fahrradboxen am Bergischen Hof nicht ausreichen“. Im Hinblick auf die Parksituation an der Gummersbacher Straße ergänzte er, dass die Politik entscheiden müsse, was einen höheren Wert habe: Umwelt, Sicherheit oder doch Parkflächen.
Zudem erinnerte er daran, dass der ADFC vor zwei Jahren im Rahmen der Regionale 25 als einziger Kreisverband Europas einen zweitägigen Workshop durchgeführt habe. Dabei habe man im Rahmen von Stadtbegehungen in Wermelskirchen und Radevormwald eine Philosophie entworfen, die nicht nur einzelne Strecken, sondern Verkehrsbeziehungen in Gänze betrachte. Der ADFC wolle keine autofeindliche Politik, aber sichere Verhältnisse für Rad- und Fußgängerverkehr schaffen.
Was sagt die Politik?
Der Ausschussvorsitzende Bastian Frölich (CDU) sprach davon, dass man die Zahlen realistisch einschätzen müsse. Es gebe zwar Schätzungen, wonach Pendler im vierstelligen Bereich möglich sein könnten, „aber da müssen wir auch ehrlich sein. Wir haben in Gummersbach die Topografie und das Wetter. Da müssen wir mit Augenmaß und realistischen Schätzungen arbeiten.“ Der Ausschuss beauftragte anschließend mehrheitlich, (drei Gegenstimmen der AfD) die Verwaltung, mit einer Detailprüfung für die aus ihrer Sicht umsetzbaren Punkte aus dem Bürgerbegehren.
KOMMENTARE
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Das Statement zur Situation an der Gummersbacher Straße ist nicht nachvollziehbar. Öffentlicher Straßenraum kann nicht wie selbstverständlich als Kundenparkplatz oder Privatparkplatz reklamiert werden. Die meisten in Niederseßmar ansässigen Unternehmen haben auch eigene, nicht vollständig ausgelastete Parkplätze. Mitunter parken Kunden (vermutlich aus Bequemlichkeit) am Straßenrand, obwohl firmeneigene Parkplätze frei sind. Siehe Klotz. Die Bequemlichkeit von Autofahrenden sollte aber nicht über dem Leben der Radfahrenden stehen. Eigentlich ein No Brainer.
Chris, 03.07.2026, 00:42 Uhr2
Bin ich als einzelner Mensch nichts wert?
Ich fahre täglich mit dem Rad von meinem Arbeitsplatz in der Praxis Dr. Puschmann über die Gummersbacher Straße nach Hause an die Aggertalsperre und begebe mich damit bisher immer in Lebensgefahr, weil zwischen parkenden PKWs und durchfahrenden LKWs zu wenig Platz ist.
Viele Gummersbacher, die ich gesprochen habe, trauen sich nicht diese Strecke mit dem Fahrrad zu fahren.
Dabei besteht die Möglichkeit, dass die PKWs auf den Grundstücken parken und es nicht so, wie von der Verhaltung behauptet wird, dass 100 PKWs „weggesperrt“ werden müssten.
Ich fühle mich als Mensch ignoriert. Offensichtlich soll ich als Fahrradfahrende „weggesperrt“ werden / wo anders hinziehen, wo man mit dem Fahrrad fahren kann - weg von Gummersbach.
Maria Weyland
3
Die Antwort aus dem Gummersbacher Rathaus war nicht anders zu erwarten. Gummersbach ist und bleibt ein radfahrerunfreundlicher Ort.
Peter, 03.07.2026, 10:24 Uhr4
Dass Stadt Gummersbach Vorschläge ablehnt, war zu erwarten. Leider kommen von der Stadtverwaltung aktiv keine Vorschläge, um den Radfahrsektor zu verbessern.
Peter, 03.07.2026, 15:41 Uhr5
War zu erwarten. Deutschland ist ein Autoland und bleibt es auch - vorerst zumindest.
Jan, 03.07.2026, 19:14 Uhr6
Liebe Leute, mir das von Anfang an klar das die ganze Aktion in die Hose geht. In Gummersbach ist der Autofahrer 1000 fach höher gestellt als der Radfahrer und der Fußgänger. Die Herrschaften haben ja nur ihre Sorge im Kopf den Autofahrern könnte sein Privileg verloren gehen. Das ist so Typisch Oberberg. Ich komme aus ein Großstadt und kann nur sagen die tun wenigstens etwas. Und ich fahre seit meiner Jugend Rennrad und habe noch nie so unfreundliche Autofahrer erlebt wie hier. Es ist zwar Vorschrift einen Abstand von 1.5 m bei überholen einzuhalten, aber hier kehrt sich kaum ein Autofahrer darum. Darum bleibt den Fahrradfahrern nichts anderes übrig als sich sozusagen zu verstecken und immer mit Angst zu fahren. Ich persönlich lass mir das aber nicht gefallen.
Günter Schmitt, 04.07.2026, 14:41 UhrLinks zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.