BLAULICHT
„Die Feuerwehr ist alles, nur kein Spielplatz für Männer“
Gummersbach - Nicht nur Gummersbachs Wehrführung wehrt sich im Rahmen der Jahresdienstbesprechung gegen eine Aussage der Grünen - Mitglieder- und Einsatzzahlen stabil - Löschraketen sorgen für viel Freude in Gummersbachs Feuerwehr.
Von Peter Notbohm
Die Feuerwehr sei „ein großer Spielplatz für Männer“. Die Aussage des Gummersbacher Grünen-Fraktionschef Konrad Gerards im Gummersbacher Hauptausschuss hatte zuletzt hohe Wellen geschlagen – besonders bei der Feuerwehr. Schon aus Reihen der Politik hatte es anschließend reichlich Gegenwind für Konrads gegeben. Nun hat sich auch Gummersbachs Feuerwehrchef Frank Raupach öffentlich geäußert und die Aussage aufs Schärfste zurückgewiesen.
[Kein Verständnis hatte Gummersbachs Feuerwehrchef Frank Raupach für die Aussagen von Konrad Gerards.]
„Die Feuerwehr ist alles, nur kein Spielplatz für Männer“, sagte er am Sonntag im Rahmen der diesjährigen Jahresdienstbesprechung der Feuerwehr Gummersbach in der Aula Moltkestraße. „Wir sind kein kostspieliger Dorfverein, der sich teure Feuerwehrhäuser bauen lässt und mit teuren Autos nur durch die Gegend fährt.“ Vielmehr verwies er auf den Ehrenkodex, den jede Feuerwehrfrau und jeder Feuerwehrmann beim Eintritt unterschreiben müsse, wonach jedes Mitglied seine Aufgaben uneigennützig, nach bestem Gewissen und mit Respekt wahrnehme. „Wir sehen dies als Verpflichtung und das wird auch so gelebt“, betonte Raupach.
Nicht unerwähnt ließ der Wehrführer zudem, dass von den Grünen, dem BSW, der AfD und der Linken kein Vertreter bei der Jahresdienstbesprechung zugegen war. Sie fehlten allesamt unentschuldigt, was Raupach bedauerte. Er lud alle Fraktionen ein, sich sachkundig über die Arbeit vor Ort zu informieren, denn „unsinnige Äußerungen in der Öffentlichkeit zu tätigen, darf nicht zum Standard werden“. Auch Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit (CDU) sendete im Rahmen seines Grußworts eine Spitze in Richtung Konrads. Die Feuerwehr dürfe sich sicher sein, dass Rat und Verwaltung weiter an der Maxime festhalten werden, dass trotz schwieriger finanzieller Lage, an der der Feuerwehr weiter nicht gespart werde: „Jeder Cent ist hier sehr gut angelegt. Spielzeug ist da nicht dabei.“
Gerards bezog sich laut einem Medienbericht auf eine Position im städtischen Haushalt. Dort sind 380.000 Euro für den Ausbau des Parkplatzes am Feuerwehrgerätehaus Dieringhausen veranschlagt. Konrads setzte die Kosten demnach mit denen eines Einfamilienhauses gleich und kritisierte den Nutzen. Zwar ruderte der Fraktionschef noch im Ausschuss zurück und wollte seine Aussagen missverstanden wissen, den Unmut von Politik und Bürgermeister hatte er sich da aber bereits zugezogen. Auch Kreisbrandmeister Julian Seeger (Foto) sagte in seinem Grußwort, dass er sich „einen Seitenhieb“ erlauben dürfe: „Wenn man sich die Zusammenhänge von Feuerwehreinsätzen und posttraumatischen Folge ansieht, hat das gar nichts mit Spielplatz zu tun!“
Eins der wichtigsten Themen der kommenden Jahre ist aus Sicht von Raupach und Seeger der Zivilschutz, der nach 35 Jahren Abstinenz aufgrund der angespannten weltpolitischen Lage derzeit eine Renaissance erlebe. Die Gesellschaft müsse resilienter werden. Für Raupach stehen dabei vor allem die Weiterentwicklung von vorhandenen Strukturen und die neue strategische Ausrichtung im Fokus. Seeger sprach von zunehmend „komplexer werdenden Krisen“ neben Extremwetterereignissen und der Störung von kritischer Infrastruktur. „Die Feuerwehr ist immer ein Stabilitätsanker in einer Kommune und damit wichtiger Botschafter im Bevölkerungsschutz“, so der Kreisbrandmeister.
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[686 Mitglieder umfasst die größte oberbergische Feuerwehr.]
Damit das so bleibt, will man in Gummersbach auch weiter investieren. Unter anderem soll die Schutzausrüstung der Kameraden in den kommenden drei Jahren erneuert werden. Auch den Neubau von Feuerwehrgerätehäusern werde man weiter vorantreiben. So soll in diesem Jahr die neue Unterkunft der Einheit Homert in Betrieb gehen. Die nächsten Projekte stehen in Bernberg, Rebbelroth und Derschlag an. Die neue Drehleiter verspätet sich hingegen wegen der Lieferzeiten auf 2027 und wird zudem mit 1,1 Millionen Euro noch einmal 100.000 Euro teurer als ursprünglich veranschlagt. „Bei der Beschaffung lassen wir nicht nach“, versprach der Bürgermeister.
[Bürgermeister Halding-Hoppenheit erneuerte das Versprechen, dass man auch in Zukunft nicht an der Feuerwehr sparen werde.]
Aus Sicht der Gummersbacher Feuerwehr sei es aber auch ohne Spielplatz-Diskussionen ein ereignisreiches Jahr gewesen, sagte Raupach. Auch, wenn die reinen Einsatzzahlen von „einem eher normalen Jahr“ sprechen. Doch besonders der einzige Großbrand in 2025 sei allen Beteiligten in besonderer Erinnerung geblieben. Im September verlor eine 61-Jährige bei einem Wohnhausbrand in Gummeroth ihr Leben (OA berichtete). Die Feuerwehr hatte damals mehrere Stunden gegen die Flammen im Dachstuhl kämpfen und einen Rettungsversuch der Frau wegen der gefährlichen Lage abbrechen müssen. Raupach warb in diesem Zusammenhang für Rauchmelder, weil sich das Feuer auch wegen der späten Branderkennung derart habe ausbreiten können.
Insgesamt musste die Feuerwehr zu 641 Einsätzen im vergangenen Jahr ausrücken, 22 mehr als im Vorjahr. Insgesamt 99-mal brannte es im Stadtgebiet, dazu kamen 268 Verkehrsunfällen, Sturmschäden, Ölspuren oder überfluteten Kellern für die Feuerwehr. Dabei retteten die Einsatzkräfte 14 Menschen, eine junge Frau konnte nur noch tot geborgen werden. Ein Ärgernis bleiben weiterhin die hohe Zahl der Fehlalarme, die im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 197 (-9) zurückgingen. Vor allem falsch anschlagende Brandmeldeanlagen beschäftigen die Feuerwehr auf demselben Niveau. 93-mal (+1) mussten die Einsatzkräfte deshalb ausrücken.
[Der Landtagsabgeordnete Christian Berger (CDU) lobte in seinem Grußwort die Arbeit der Feuerwehr. Diese sei keine Selbstverständlichkeit, weshalb man als Kommune und Land alles dafür tun müsse, um sie zu unterstützen.]
Dass die Bürger in Gummersbach ruhig schlafen können, dafür sorgen derzeit 396 Einsatzkräfte (-4), darunter 26 Frauen (+1). Weiter zurückgegangen ist die Zahl der Atemschutzträger auf nun 167 (-13). Insgesamt zählt die Feuerwehr zum Stichtag am 31. Dezember 686 Mitglieder (+15). Sie verteilen sich auf Feuerwehrbeamte der Feuerwache und Mitarbeiter im Ressort 3.4 (31), Feuerwehrmänner und -frauen (396), Jugendliche in der Jugendfeuerwehr (63), Kinder in der Kinderfeuerwehr (18) sowie die Unterstützungsabteilung (24). Dem Musikzug gehören 13 Aktive an, die Ehrenabteilung zählt 141 Mitglieder.
Viel Freude bereiten der Gummersbacher Feuerwehr seit dem Spätsommer ihre Löschraketen, die neue Kinderfeuerwehr. Seit Ende August treffen sich inzwischen 20 Kinder alle 14 Tage und erleben mit einem von der Sparkasse gesponsorten Rollwagen kindgerechte Brandschutzerziehung. Die Kleinsten durften sich am Sonntag in einem eigenen Videobeitrag vorstellen. Raupach sprach von „leuchtenden Kinderaugen, das Schönste, was man nur haben kann“. Stadtkinderfeuerwehrwartin Carmen Buschmann blickte in ihrem Bericht auf anstrengende erste Monate zurück, die Arbeit erfülle sie und ihr Team aber mit großer Freude.
Für Sascha Vogel war es seine letzte Rede als Stadtjugendfeuerwehrwart. Er übergibt das Amt an seinen bisherigen Stellvertreter Sascha Seiler. Neu ins Team rücken Frank Micheel und Arne Wäschenbach. Vogel sprach von einem lang geplanten Wechsel und blickte mit viel Freude auf die vergangenen Jahre zurück: „Es war nicht immer leicht, aber wir haben konstruktiv an Lösungen gearbeitet und sie auch gefunden.“ Die Mitgliederzahlen der Jugendfeuerwehr sind weiterhin stabil. Derzeit umfasst sie 63 Mitglieder, darunter 18 Mädchen. 2025 gab es elf Neuanmeldungen, in 2026 bereits sechs.
Im Anschluss nahm die Feuerwehr mehrere Ehrungen (60), Ernennungen bzw. Entlassungen (37), Überstellungen (17) und Beförderungen (48) vor. Auf 70 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr kann Jürgen von Montigny zurückblicken. Seit 60 Jahren verrichten Erhard Diehl, Peter Florkowski, Gunter Franken, Friedhelm Köster und Walter Krieger ihren Dienst für die Feuerwehr. Für 50 Jahre wurden Jürgen Bauer, Thomas Gerlach, Rainer Gräfer, Lutz Nöckel, Edgar Reichling, Michael Schwendt und Steffen Steinhauer geehrt.