WIRTSCHAFT

Viele Unsicherheiten und ein paar Lichtblicke

lw; 28.01.2021, 15:39 Uhr
WIRTSCHAFT

Viele Unsicherheiten und ein paar Lichtblicke

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lw; 28.01.2021, 15:39 Uhr
Oberberg – IHK-Konjunkturbericht für den Winter vorgestellt – Zweigeteilte Wirtschaft – Industrie recht stabil, für andere Branchen wird es eng.

Von Lars Weber

 

Die oberbergischen Unternehmen blicken wieder etwas positiver in die Zukunft. Das ist ein Trend des Konjunkturberichts der IHK. Die Umfragewerte in Sachen Ausblick, Investitionen oder auch Personal bei den Unternehmen sind aber weiterhin unter dem Durchschnitt. Insgesamt nahmen aus der IHK-Region Köln 716 Betriebe teil, davon 115 aus Oberberg. Michael Sallmann, Geschäftsstellenleiter Oberberg, machte bei der digitalen Präsentation heute deshalb zugleich klar.  „Wir sind in einer schweren Wirtschaftskrise, wir sind in einer Rezession.“ Bei der Präsentation mit dabei waren auch die IHK-Vizepräsidenten aus der Region, Hendrik Pilatzki und Sven Gebhard, die die ehrenamtlichen Position seit einem Jahr bekleiden.

 

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Die Ergebnisse im Oberbergischen fielen etwas positiver aus als in anderen Regionen. „Wir haben hier eine starke Industrieprägung, das ist gerade ein Glücksfall.“ Denn was den Umgang mit der Pandemie angeht, ist die Wirtschaft zweigeteilt. Dabei sind es gerade Teile der Industrie, die zwar auch mit Erlösrückgängen oder angespannten Geschäftslagen umgehen müssten, generell aber stabil sind. Vier von zehn Oberbergern arbeiten in der Industrie, so IHK-Vize Sven Gebhard. „Auch sie sind Helden der Krise, weil sie für die Stabilität der Wirtschaft in der Region sorgen.“

 

So ist die Stimmung

 

Im Konjunkturbericht zeigt sich, dass im Oberbergischen Kreis der Lageindikator deutlich zugelegt hat, aber im negativen Bereich bleibt. 29,8 Prozent der Unternehmen (Vorumfrage: 17,5 Prozent) melden eine gute und 34,2 Prozent (Vorumfrage: 38,9 Prozent) eine schlechte Lage.  Hinsichtlich der Erwartungen glauben nun fast ein Drittel der Unternehmen an eine bessere Geschäftsentwicklung als im Herbst (Vorumfrage: 21,6 Prozent) und 21,9 Prozent an eine schlechtere (Vorumfrage: 32,8 Prozent). Der Erwartungsindikator steigt damit in den positiven Bereich. Bei den Beschäftigungsplänen sind die Unternehmen etwas weniger zurückhaltend als zuletzt: 18,4 Prozent (Vorumfrage: 11,3 Prozent) der Unternehmen planen mit mehr Mitarbeitern. 28,1 Prozent der Unternehmen planen jedoch mit weniger Personal als zuvor (Vorumfrage: 37,9 Prozent). Damit überwiegen weiterhin die Unternehmen, die Personal abbauen wollen.

 

[Archivfoto: Lars Weber --- Geschäftsstellenleiter der IHK Köln in Oberberg]

 

Stark betroffene Branchen wie Hotel- und Gaststättengewerbe (96 Prozent der Unternehmen melden eine schlechte Lage), Messe, Einzelhandel (Jedes dritte Unternehmen meldet eine schlechte Geschäftslage) oder Kultur gibt es natürlich auch im Oberbergischen, sind aber beispielsweise in Köln stärker vertreten. „In diesen Branchen wächst die Gefahr, aufgrund der Krise in die Knie zu gehen, mit jeder Woche an“, sagt Sallmann. „Deshalb ist es wichtig, dass die angekündigten Hilfen schnell und unkompliziert ankommen.“ Hilfsangebote dürften aber nicht stoppen, wenn die Geschäfte wieder aufgenommen werden können. „Bis wieder Gewinne eingefahren werden, kann es Monate dauern“, so Sallmann.

 

Noch völlig unklar sei, wie sich die Insolvenzaussetzung auswirken wird. „Da möchte ich keine Prognose wagen“, sagt Sallmann. Klar ist aber: Je länger die Krise anhält und manche Betriebe nicht arbeiten dürfen, umso größer wird die Gefahr einer Insolvenz. IHK-Vize Hendrik Pilatzki ergänzt, dass durch die Pandemie viele Unternehmen an das Eigenkapital gehen müssen. „Das greift die Gesundheit der Firmen an.“ Er glaubt, dass sich nicht direkt im April zum Ende der Insolvenzaussetzung zeigen wird, wie die Betriebe durch die Pandemie gekommen sind, sondern sich diese Phase länger ziehen wird.

 

Blitzumfrage

 

Nachdem der Oberbergische Kreis die Corona-Maßnahmen am 11. Januar verschärft hatte, fragte die IHK 100 Unternehmen nach ihrer Einschätzung. 72 Firmen beteiligten sich, 54 beantworteten alle Fragen. Dabei sagten 54 Prozent, dass das verschärfte Versammlungsverbot am ehesten einen positiven Effekt auf die Eindämmung des Infektionsgeschehens habe und damit auch das Unternehmen schütze. Die Kontaktbeschränkungen wurden von 33 Prozent als sinnvoll eingeschätzt. Die Ausgangssperre und die 15-Kilometer-Leine schätzten nur 18 beziehunsgweise 15 Prozent als hilfreich ein.

 

Die Umfrage der IHK zum Konjunkturbericht ging von Ende November bis zum 7. Januar. Sallmann geht davon aus, dass durch die schwierige Impfsituation die Umfrage heute etwas negativer ausfallen würde. Ein „normales“ Wirtschaftsleben werde erst mit einer Durchimpfung erwartet. Die Unsicherheiten sind dementsprechend groß und vielfältig. Neben dem Impffortschritt sind das die neuen Mutationen, aber auch die Entwicklung der Volkswirtschaften in den USA oder im Rest von Europa, die von den Unternehmen kritisch beobachtet würden. Eines scheint klar: „Wir erwarten ein Jahr mit großen Herausforderungen.“

 

Einschätzung der IHK-Vizepräsidenten

 

Vor rund einem Jahr wurden Hendrik Pilatzki und Sven Gebhard zu Vize-Präsidenten der IHK-Köln gewählt. Pilatzki leitet die Firma August Jaeger, zu der neben Tankstellen und Großhandel auch einige Hit-Märkte gehören. Während es im Lebensmittelbereich auch dank vieler Investitionen in die Umsetzung von Hygienekonzepten läuft, merke man beim Absatz von Kraftstoff (minus 20 bis 30 Prozent) die Abnahme der Mobilität. Die hohen Investitionen in den Schutz von Mitarbeitern und Kunden bezeichnet er als „Lebensversicherung“.

 

Ähnlich sieht es Sven Gebhard, Geschäftsführer von GC-heat. „Schilder aufhängen allein reicht nicht! Konsequenz ist das Gebot der Stunde.“ In seinem Betrieb gehe es zuvorderst um die Gesundheit der Belegschaft, dann um die Selbsterhaltungstrieb. Deshalb gab es schon im Frühjahr Maßnahmen wie Sektorentrennung, Schließung von Pausenräumen oder Home-Office. „Vielen war das erst lästig, inzwischen ist das alles akzeptiert.“ Beide wollen die IHK und mit ihr die Region Oberberg nach vorne bringen, gerade in Sachen Digitalisierung.

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