WIRTSCHAFT

"Stellenabbau ist das letzte Mittel"

lw; 09.10.2019, 14:12 Uhr
Foto: Lars Weber --- Michael Sallmann, IHK-Geschäftsstellenleiter Oberberg, stellte den Konjunkturbericht vor.
WIRTSCHAFT

"Stellenabbau ist das letzte Mittel"

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lw; 09.10.2019, 14:12 Uhr
Oberberg – Die Unternehmen in der Region blicken pessimistisch in die Zukunft - IHK stellt Konjunkturbericht für das Oberbergische vor.

Von Lars Weber

 

Erst am Dienstag verkündete die Firma Kind & Co. aus Wiehl, dass 60 Mitarbeiter ihren Job verlieren werden (OA berichtete). Eine Entwicklung, die durchaus einher geht mit den Zahlen des Konjunkturberichts der Industrie- und Handelskammer (IHK): Denn die Stimmung bei den Unternehmen, gerade auch in der Industrieregion Oberberg, hat sich gegenüber den Vorjahren verschlechtert, wie Michael Sallmann, Leiter der Geschäftsstelle Oberberg, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz sagte. „Die vergangenen zwei bis drei Jahre war die Stimmung schlechter als die Lage. Damit ist es nun vorbei.“

 

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Von den Unternehmen im Oberbergischen rechnen nur noch etwa fünf Prozent mit einer Verbesserung ihrer Lage in den kommenden zwölf Monaten. Im Frühjahr waren es noch 12,6 Prozent gewesen. Rund zwei Fünftel gehen sogar von einer Verschlechterung aus. 21 Prozent melden der IHK eine schlechte Lage (Frühjahr: neun Prozent). Immerhin: 26 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Lage als gut. Die international profilierten Industriebetriebe im Oberbergischen seien eine große Stärke der Region. Doch nun leiden sie aufgrund ihrer Internationalität wie die Gesamtwirtschaft unter dem weltweiten Abschwung. Besonders der Brexit mit seinem ungewissen Ausgang, aber auch Sanktionen, Handelsbarrieren oder Protektionismus, wie gerade im Handelsstreit zwischen den USA und China zu beobachten, sorgen für den Abschwung und die schlechte Stimmung. Die Hauptrisiken für die oberbergischen Unternehmen seien laut IHK auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Auslandsnachfrage, ein Rückgang der Inlandsnachfrage und der Fachkräftemangel.

 

Der Trend im Oberbergischen zeigt nach unten. Besonders davon betroffen sind neben den Erwartungen die Investitionsabsichten und die Beschäftigungsaussichten. Dabei, so Sallmann, sollten Unternehmen, um ihre Position langfristig zu festigen oder ausbauen zu können, ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung nicht stoppen. „Auch wenn dies den Unternehmen oft am leichtesten fällt, weil sie schnell etwas einsparen können“, so Sallmann. Um dies zu verhindern, sollten Investitionen in diesem Bereich in Zeiten des Abschwungs steuerlich begünstigt werden. Weitere Entlastung könnte das neue Bürokratieentlastungsgesetz bringen. „Es braucht aber weitere Erleichterungen bei Bürokratie und Steuern, um dem Abschwung entgegenzuwirken“, sagt Sallmann.

 

Der Trend bei den Beschäftigungsaussichten ist deutlich ins Minus gerutscht (-21,4 Prozent). Die Arbeitslosenquote im Kreis ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, aber mit rund fünf Prozent im regionalen Vergleich niedrig. Sallmann glaubt auch nicht, dass es eine große Entlassungswelle geben wird. „Die Unternehmen werden alles daransetzen, ihre Fachkräfte zu halten. Irgendwann zieht die Konjunktur wieder an, dann brauchen sie diese. Stellenabbau ist das letzte Mittel“, so Sallmann. Die Betriebe sollten den Abschwung nutzen, um Beschäftigte weiterzubilden, zum Beispiel in Sachen Digitalisierung. Auch Förderprogramme für Nicht-Beschäftigte und Gering-Beschäftigte könnten in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit in dieser Zeit des Abschwungs helfen. So könnten die Menschen mit besseren Chancen auf den Arbeitsmarkt zurückkehren.

 

Die schlechte Stimmung, besonders aufgrund der äußeren Faktoren wie Brexit und Handelsstreitereien, ist im gesamten IHK-Bezirk zu Köln greifbar. Die Konjunktur habe nach vielen Jahren des Aufschwungs an Kraft verloren.  Nur wenige Branchen, wie etwa der Dienstleistungssektor, seien von der Entwicklung weniger betroffen. Der Konjunkturklima-Indikator ist laut Sallmann von 116,1 auf 99 Punkte gesunken. „Das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren.“ Trotzdem mahnt Sallmann zur Ruhe. „Der Konjunkturverlauf ist normal.“ Wie die sich weiter entwickelt, wird auch von dem weiteren Verlauf von Brexit und Co. abhängen.

KOMMENTARE

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Sehr geehrter Herr Sallmann ,
die Wirtschaftslage in Deutschland war in den vergangenen Jahren sehr positiv .
Das konnten Unternehmen , Kommunen , Arbeitnehmer , Familien und die Gesellschaft positiv spüren .
Das schlechtere Zeiten kommen würden , war sicherlich zu erwarten !
In dieser schwierigen Zeit baut die IHK in Köln für sicherlich über 50 Millionen Euro ein neues Domizil ! Das soll man verstehen .
Mit gutem Beispiel geht die IHK nicht voran .
Muss sie ja auch nicht! Denn das nötige Kleingeld kommt von den Unternehmen welchen das Wasser teilweise bis zum Hals steht .

Haselbach , Jörg, 11.10.2019, 09:39 Uhr
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