WIRTSCHAFT

"Papa Oehm": Ein Mann, ein Wort

bv; 09.02.2021, 06:00 Uhr
Foto: Bernd Vorländer --- Die neuen ONI-Mitarbeiter freuten sich gemeinsam mit ihren Ausbildern, der Geschäftsleitung sowie Lindlars Bürgermeister Dr. Georg Ludwig über den Abschluss ihrer Prüfung.
WIRTSCHAFT

"Papa Oehm": Ein Mann, ein Wort

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bv; 09.02.2021, 06:00 Uhr
Lindlar - 2016 sorgte ONI-Chef Wolfgang Oehm dafür, dass zehn Flüchtlinge eine Ausbildung machen konnten - Jetzt haben alle ihre Abschlussprüfung erfolgreich abgeschlossen.

Von Bernd Vorländer


Seine sauerländische Herkunft kann und will Wolfgang Oehm nicht verbergen - auch wenn er schon lange im Rheinland zuhause ist. Ist der Chef des Energie-Optimierers ONI von einer Sache überzeugt, bringt man ihn nur äußerst schwer davon wieder ab. Und ganz besonders, wenn es um Menschen geht, ist Oehm geradezu ein "Dickkopf", immer sehr sicher, dass in allem, was zwei Beine hat, auch ein Schatz steckt, der nur gehoben werden muss. Schon vor etlichen Jahren engagierte sich der Lindlarer Unternehmer in der Flüchtlingshilfe, finanzierte 50 Menschen einen Sprachkurs. Doch das reichte Oehm nicht. Er informierte seine Mitarbeiter, die Handwerkskammer Köln und die regionalen politischen Entscheidungsträger, dass er gedenke, zu den üblichen 16 Ausbildungsplätzen zehn weitere für Flüchtlinge bereitzustellen, um diesen Menschen eine echte Chance zu geben. Mancher mag gedacht haben: Das schafft der nie!

 

Doch Oehm legte los - getrieben von seinem unerschütterlich positiven Menschenbild und dem Gedanken, es allen zeigen zu wollen. Zunächst sorgte er mit dafür, dass die  Flüchtlinge eine Bleibeperspektive erhielten. Es bedurfte auch in der Folgezeit etlicher Anstrengungen Beim Kontakt mit Behörden, bei Antragsverfahren, der persönlichen Begleitung von ONI-Mitarbeitern bei Terminen im Ausländeramt oder Konsultationen mit Ministerien, um ein ruhiges Lernen und Arbeiten zu ermöglichen. Innerbetrieblich wurde der Ausbildungsbereich auf das Dreifache vergrößert, für die intensive Ausbildung im Betrieb ein zusätzlicher Ausbilder eingestellt. Der Bildungsstand der jungen Menschen war zum Teil sehr niedrig, sodass "Lernen" an oberster Stelle stand - auch nach Feierabend und am Wochenende.

 

"Mir war wichtig, dass alle sofort gespürt haben, dass sie bei uns willkommen und wir ONIaner eine Familie sind", sagt Wolfgang Oehm. Er beließ es nicht bei der nachdrücklichen Förderung, sondern sorgte auch dafür, dass das Lebensumfeld bestmöglich ausgestattet war. Statt der Unterbringung in Unterkünften wurden Wohnungen angemietet, in denen dann höchstens zwei Personen lebten. Einen Hol- und Bringdienst richtete ONI ein, um zeitliche Abläufe im Unternehmen einhalten zu können. Auch die Integration im privaten Bereich gelang mit jedem Monat mehr. 1,4 Millionen Euro hat die zusätzliche Ausbildung der Flüchtlinge in den vergangenen Jahren gekostet. Für Oehm bestangelegtes Geld. "Wenn ich in die glücklichen Gesichter schaue, weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe."

 

Der größte Lohn kam jedoch im Januar, als feststand, dass alle zehn Auszubildenden aus insgesamt fünf Ländern ihre Prüfung bei der Handwerkskammer als Mechatroniker für Kältetechnik, Metalltechniker oder als Lagerist bestanden hatten. 100 Prozent Erfolgsquote - für Oehm der Beweis, dass alles möglich ist, wenn man es nur schaffen will. Und der Unternehmer ist glücklich mit seinen Nachwuchskräften, deshalb freute er sich am meisten, dass heute in seiner Vertretung ONI-Geschäftsführer Christoph Baum allen eine zusätzliche Prämie überreichen konnte. Auch Ausbildungsleiter Berthold Hock sowie die Ausbilder Anil Yegin und Torben Struth erhielten für ihre umfassende Arbeit mit den Flüchtlingen  eine Zuwendung. Ein Firmensprecher betonte auch das umfangreiche Engagement der Gemeinde Lindlar.

 

Wie groß die Anerkennung der zehn Flüchtlinge für den Firmenchef ist, betonte Ismael Fernandez. "Wir können uns nur tausendmal bedanken. Papa Oehm hat uns allen den Weg gewiesen. Er hat an uns geglaubt." Die Flüchtlinge hatten für Wolfgang Oehm eine entsprechende Urkunde erstellt. "Diese Männer waren vor vier Jahren alle unterstützungsbedürftig. Heute nehmen sie aktiv am Arbeitsleben teil und zahlen Steuern", unterstreicht der ONI-Chef. Und wie geht es jetzt weiter? Es sei doch selbstverständlich, dass alle nun in ein reguläres und unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen würden, schüttelt Oehm ob dieser Frage etwas unverständlich den Kopf. Der sauerländische Dickkopf hat es erneut allen gezeigt.   

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KOMMENTARE

1

"Papa Oehm", sagt wirklich schon alles. Das hört sich richtig gut an und einen herzlichen Glückwunsch an alle Absolventen. Integration bedeutet immer ein Wille auf beiden Seiten ;), denn Eingliederung, Ausbildung und Perspektive müssen geschaffen werden. Ich ziehe meinen imaginären Hut.

Herr F., 09.02.2021, 08:23 Uhr
2

Hut ab, Herr Oehm.
Das ist Unternehmertum par excellence und ein sehr positives Beispiel für eine funktionierende Integrationsarbeit.

Rüdiger Berndt, 09.02.2021, 08:59 Uhr
3

Schön das es noch menschen wie Herr Oehm gibt!
Hut ab vor der leistung der Auszubildenen, ich wünsche allen einen guten start in ihren neuen Lebensabschnitt.

F.P, 09.02.2021, 09:20 Uhr
4

Chapeau Herr Oehm

Joachim Schiefelbein , 09.02.2021, 11:58 Uhr
5

Respekt!
Danke Herr Oehm, das Sie bedürftigen Menschen glauben, vertrauen geschenkt haben.
Ich hoffe das Sie jetzt die Früchte ernten.
Viele Unternehmer sollten Sie als Vorbild nehmen, das es funktionieren kann, wenn man es möchte!
Keine Vorurteile, gib jeden eine Chance! Hut ab.

Akc, 09.02.2021, 13:22 Uhr
6

Respekt..... schön, dass Sie an das Gute im Menschen glauben....
Und mit viel Vertrauen, Zuversicht, Kraft und Weitsicht ihre Visionen wahr werden lassen.....
Ein Vorbild für uns alle!
P.-M. P

, 10.02.2021, 09:01 Uhr
7

Danke auch von winli willkommen in Lindlar, fluechtllingsinititive. Alle waren zuerst bei uns im sprachlos.. einer unserer ehrenamtler hat dann in der Firma Nachhilfe gegeben. Ein schöner gemeinsamer Erfolg. Herzlichen Glückwunsch an die Flüchtlinge.

Siegfried charlier,1.vorsitzender von winli, 10.02.2021, 13:34 Uhr
8

Wolfgang Oehm hat das Bundesverdienstkreuz. Sollte man bei Herrn Oehm nicht über weitere Stufen der Ehrung nachdenken. Einsatz für die hilfsbedürftigen unserer Gesellschaft über einen langen Zeitraum. Anstand, Menschlichkeit, Demut und
Einsatz für die Gesellschaft. Alles schöne Worte. Auf Herrn Oehm treffen sie ohne Zweifel zu. Meine Hochachtung!

Peter Herrmann, 15.02.2021, 15:23 Uhr
9

Man sollte hier auch die Integrationsbereitschaft und den Einsatz der Azubis anerkennen.
Eine deutsche Prüfung ist bestimmt kein Zuckerschlecken. Großen Respekt an alle Parteien.
Nur so geht es !

B.v.Ameln, 28.02.2021, 08:50 Uhr
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