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„Westend“: Eine ausverkaufte theatralische Lesung mit Volker Kutscher

krj; 28.11.2025, 10:59 Uhr
Fotos: Martin Szepat --- Bestsellerautor Volker Kutscher stellte sein neues Buch „Westend“ vor.
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„Westend“: Eine ausverkaufte theatralische Lesung mit Volker Kutscher

krj; 28.11.2025, 10:59 Uhr
Wipperfürth – Der in Lindlar geborene Autor stellte zusammen mit der Illustratorin Kat Menschik den nächsten Roman um den Ermittler Gereon Rath in der Alten Drahtzieherei vor.

Von Kathrin Roloff-Jamin

 

In einer Kombination aus Text, Bild, Klang und Spiel fand am Donnerstagabend in der Alten Drahtzieherei in Wipperfürth eine besondere Lesung statt. Der bekannte Autor Volker Kutscher präsentierte zusammen mit der Illustratorin Kat Menschik den neuen Band „Westend“ aus dem Kosmos des Kriminalkommissars Gereon Rath. Der Lektor und Dozent Olaf Petersen führte durch den Abend. „Wir feiern heute den Abschluss der Lesereise. Es wird eine Lesung mit theatralischen Erlebnissen und Überraschungen wie einer Inszenierung“, kündigte Petersen die Veranstaltung an.

 

Kutscher und Menschik wurden mit großem Beifall vom Publikum empfangen. „Es ist schön hier zu sein, vor so vielen Menschen, ein wunderbares Geschenk“, sagte Kutscher. Der Romanautor ist ein Kind des Oberbergischen. Kutscher wurde in Lindlar geboren. In Wipperfürth wuchs er auf. Nach dem Studium arbeitete er als lokaler Redakteur. Kat Menschik ist in Luckenwalde geboren und in Ost-Berlin aufgewachsen. Sie studierte an der Hochschule für Künste und arbeitet seitdem als Illustratorin. „Ich bin ein Rath-Fan der ersten Stunde“, outete sich Menschik.

 

[Hans Springer (Samuel Horn) löcherte den alten Rath (Martin Wuttke) mit Fragen über dessen mögliche Verstrickung in der NS-Vergangenheit.]

 

Nach „Moabit“ und „Mitte“ ist „Westend“ der dritte und letzte Teil der Band-Reihe um Gereon Rath, die für Kat Menschik geschrieben und von ihr illustriert wurde. In Wipperfürth sprachen sie über ihre erste Begegnung. „Ich sprach Volker auf einer Buchmesse an, mit den Worten: ‚Guten Tag, Herr Kutscher. Ich bin Fan und finde ihre Bücher großartig‘“, erzählte die Buchgestalterin. Kutscher entgegnete damals: „Ich mag ihre Illustrationen auch sehr.“ Sie trafen sich später noch mehrmals und besiegelten ihre Zusammenarbeit mit drei Büchern. In Braun-, Orange- und Blautönen gehalten, zeigen die Bilder, Szenen, Hauptfiguren und Personen die Liebe der Illustratorin zu Kutschers Werken.

 

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Das erste Buch „Moabit“ soll sich besonders als Einstieg in die Romanreihe eignen und erzählt die Geschichte von Charlotte Ritter, der späteren Frau von Gereon Rath. „Mitte“ ist eine Brieferzählung und knüpft an den Kutscher-Krimi „Olympia“ an. In „Westend“ lebt der 74-jährige Gereon Rath im Altenheim. Er wird von Hans Singer über die Arbeit der Polizei und dessen Rolle im Wechsel der politischen Systeme interviewt. „Ich kenne Rath inzwischen ganz gut. Er ist ein verbitterter alter Mann, der es nie überwunden hat, dass Charlotte ihm nicht in die USA folgte, ein unglücklicher Mann“, beschrieb Kutscher den alten Rath in „Westend“.

 

[Kat Menschik illustrierte „Westend“ als besondere Atmosphäre.]

 

Die Schauspieler Martin Wuttke als Gereon Rath und Samuel Horn als Privatdozent Hans Singer inszenierten zwei Interviewsituationen aus dem Buch. Wuttke spielte den alternden Kriminalkommissar und dessen spürbares Unbehagen, ob der vielen Fragen, grandios. Horn alias Springer löcherte Rath mit Fragen über den Polizistenmord am Bülowplatz 1931, dessen Ex-Frau Charlotte und warum er nach Amerika wollte. Es ging dabei um Rache, Spionage und Lügen. Springers Tonband zeichnete alles auf. Die Inszenierung lebte von den Emotionen des Schauspielers Martin Wuttke als Rath und der Abgeklärtheit des Interviewers Springer, gespielt von Horn.

 

Die passenden Illustrationen von Kat Menschik wurden an die Leinwand projiziert. „Wir kennen die Geschichte erst, wenn sie aufgeschrieben ist. Diese Rückschau fand ich genial. Ich konnte so viele Sachen, wie Schuld und Geschichte abarbeiten. Für Raths Zimmer im Altenheim stellte ich mir sofort braune Vorhänge, Kaffee und den Geruch von Zigaretten vor. Diese besondere Atmosphäre habe ich gezeichnet“, erzählte Menschik.

 

Musikalisch begleitet wurde die Lesung von den Jazz-Brüdern Julian und Roman Wasserfuhr aus Hückeswagen sowie dem Cellisten Jörg Brinkmann. Eigens für den Abend komponierten sie sogar ein Stück. Die drei Bände sind auch als eBook im Galiani Verlag erschienen. „Westend“ ist der 20. Band in der Reihe von Kat Menschiks illustrierten Lieblingsbüchern. Wie es mit Gereon Rath weitergeht? Das ließ Volker Kutscher am Donnerstag offen. Aber er verriet, dass man ja zu Rath noch etwas schreiben müsse, dass seine Zeit in den USA beleuchtet.

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