TENNIS
Tennis: TC 80 Gummersbach startet ins Abenteuer Bundesliga
Gummersbach – Mit einem Auswärtsmatch in Hamburg beginnt am Samstag für die Herren 30 die Mission Klassenerhalt.
Von Peter Notbohm
Den Spielern des TC 80 Gummersbach kribbelt es bereits in den Fingern. Am Samstag, 11 Uhr, startet der Club mit dem Auswärtsspiel beim Uhlenhorster HC Hamburg in die Saison der Tennis-Bundesliga Nord bei den Herren 30. Es ist eine echte Premiere: Noch nie gelang einem oberbergischen Tennisclub der Sprung in die höchste Klasse Deutschlands.
Schon in den vergangenen Jahren ging es für die Herren 30 des TC 80 sportlich steil bergauf. Vor fünf Jahren startete das Team und hielt sich in keiner Liga lange auf. Trotz des Durchmarschs war der Aufstieg in die Bundesliga vergangene Saison nicht geplant und fast schon ein Zufallsprodukt, wie sich Team-Kapitän Mario Kremann (Foto) im Gespräch mit Oberberg-Aktuell erinnert.
Durch Rückzüge und Nichtmeldungen standen in der Regionalliga nur vier Spiele auf dem Programm. „Nach den ersten beiden Siegen kam bei uns der Gedanke auf, dass in dieser Saison was gehen könnte“, sagt Kremann. Nachdem dann auch noch die Konkurrenz für das Gummersbacher Team spielte, lag der Aufstieg am letzten Spieltag auf dem Silbertablett bereit. Der TC 80 griff zu und gewann auch sein letztes Match mit 7:2.
Wichtig ist den Gummersbachern, dass man sich organisch entwickelt hat und die Philosophie, auf Spieler aus der Region zu setzen, auch fortsetzt: „Wir haben das mit unseren Mitteln realisiert und kein zusätzliches Geld ausgegeben“, spricht Kremann von einem verdienten Aufstieg. Gleichzeitig ergänzt er: „Es wird auch ein Jahr nach einem Abstieg geben. Dann wollen wir nicht auseinanderbrechen. Die Zuschauer kommen auch, weil unsere Spieler alle aus dem Umkreis kommen.“
In der neuen Klasse sehen sich die Kreisstädter nun aber als klarer Underdog. Mehr als der Klassenerhalt wird mit den vergleichsweise bescheidenen TC-Mitteln nicht möglich sein. Das weiß auch Kremann: „Wenn man sieht, was für Möglichkeiten Bredeney und Dorsten haben, muss man einfach sagen, dass da eine große Lücke klafft.“ Besonders beim amtierenden Meister aus Bredeney spiele „ein Sammelsurium an ehemaligen Weltklassespielern“.
[Mario Kremann äußert sich im Video-Interview zur neuen Saison.]
Wo die Reise hingehen kann, weiß man in Gummersbach wahrscheinlich schon nach den ersten beiden Spieltagen. Die Auswärtsspiele in Hamburg und Gütersloh werden mehr als nur einen Fingerzeig geben. Neben den Hanseaten wurden in der 8er-Liga, aus der zwei Mannschaften absteigen müssen, noch Blau-Weiss Köln und der TUS St.Hubert als potenzielle Konkurrenten identifiziert. „In der Liga steht und fällt alles mit den Kadern. Wer kann wann auf welche Spieler zurückgreifen. Die Teams, die um den Klassenerhalt spielen, werden den TC 80 als Aufsteiger auch als Pflichtaufgabe ansehen“, sagt Kremann.
Mit vier Neuverpflichtungen werden das Team von Trainer Patrik Reither in die Mission Klassenerhalt starten. Kapitän Kremann spricht von zwei Königstransfers. Zum einen Jonas König: Der ehemalige Profi aus Bergisch Gladbach ist fest als Stammspieler eingeplant, stand in der ATP-Weltrangliste auf Position 1.070 und duellierte sich auch schon mit dem damals noch 17-jährigen Alexander Zverev. „Seine 1:0-Bilanz kann ihm keiner mehr nehmen“, sagt Kremann lachend.
Die zweite Topverpflichtung ist Henri Laaksonen, ein Schweizer mit finnischen Wurzeln, der es bis auf Platz 80 in der Weltrangliste schaffte und schon an der Seite von Tennislegende Roger Federer im Doppel im Davis Cup spielte. Als Trainer des Schweizer Talents Mika Brunold sind seine Einsätze aber von dessen Turnieren abhängig. Auch Clement Geens, ein ehemaliger Tennisprofi aus Belgien, wird nicht immer zur Verfügung stehen, weil er parallel als Padel-Profi unterwegs ist. Kremann spricht in diesem Zusammenhang von Kompromissen, die man eingehen müsse. Noch spät zum Kader stieß außerdem Yannick Assion hinzu, der von BW Köln zu den Oberbergern gewechselt ist.
Mit dem Aufstieg in die Bundesliga sind aber auch neben dem Platz zahlreiche Aufgaben auf den TC 80 Gummersbach dazugekommen. Vom DTB gab es einen Katalog mit 25 Mindestanforderungen. Dazu zählen Schiedsrichterstühle, getrennte Umkleiden, das Stellen eines Trainingsplatzes für Gegner, die bereits am Vorabend anreisen, die Verpflegung der Gäste oder einen Besaiter für Schläger.
Etwa die Hälfte der „Must-Haves“ war in Gummersbach bereits vorhanden, der Rest musste organisiert werden. Schon im Dezember konnte das Orga-Team grünes Licht geben. Auch das Budget wächst: Allein die Schiedsrichterkosten steigen von 200 auf 1.700 Euro. Zwar sei die Bereitschaft der Sponsoren sofort da gewesen, trotzdem wäre das Abenteuer Bundesliga ohne Unterstützung von Freunden und Familien nicht umsetzbar, betont Kremann.
Für Tennis-Fans verspricht er bei den Heimspielen auf der Anlage im Stadtteil Rospe einen echten Eventcharakter. Auf Platz 1 soll mit Ballkindern das Flair von Profiturnieren entstehen. Neben einer kleinen Tribüne will der Vereine auch ein buntes Umfeld anbieten. Geplant sind neben einer Hüpfburg für Kinder und Ständen, an denen sich die Sponsoren präsentieren können, auch mehrere gastronomische Angebote und sogar Fan-Artikel im TC 80-Design. Das erste Heimspiel findet am Schützenfest-Wochenende, 30. Mai, 11 Uhr, gegen Bredeney statt. Beim TC 80 hofft man auf bis zu 200 Zuschauer – für Tennis-Verhältnisse ein starker Wert. Bei schlechtem Wetter wird in die Halle in Ründeroth ausgewichen.
Im Verein fiebern nun alle dem Saisonstart entgegen. Teile des Teams haben nach Ostern ein kleines Trainingslager auf Mallorca absolviert. „Es kann losgehen. Wir haben nichts zu verlieren“, freut sich Kremann auf das Wochenende in Hamburg.
Kader TC 80 Gummersbach
Oscar Jose Guiterrez, Henri Laaksonen, Romain Barbosa, Clement Geens, Simon Stevens, Jannick Lupescu, Marshall Tutu, Nikolas Beaufort, Jonas König, Niklas Terhorst, Marc Kellershohn, Dennis Jaekel, Mario Kremann, Daniel Claus, Niklas Twardy, Yannick Assion, Benedikt Heintze, Vincent Jülich, Andreas Teschke, Marcel Brosius
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