SPORTMIX

Nach dem Tor für die Ewigkeit stand das Handy nicht mehr still

pn; 21.03.2026, 06:00 Uhr
Foto: Ralf Kuckuck/DBS ---- Mit seinem Tor zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung hat sich Jano Bußmann (li.) einen Eintrag in den deutschen Sportgeschichtsbüchern der Paralympics gesichert.
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Nach dem Tor für die Ewigkeit stand das Handy nicht mehr still

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pn; 21.03.2026, 06:00 Uhr
Bergneustadt – Mit Platz sechs im Gepäck kehrt Jano Bußmann von Paralympics aus Italien zurück – Warum er damit nicht ganz zufrieden ist, was ihm sein Tor bedeutet und wie das Leben im paralympischen Dorf war, erzählt der 19-Jährige im Gespräch mit OA.

Von Peter Notbohm

 

Wenn Jano Bußmann sich an den 10. März zurückerinnert, bekommt der Bergneustädter noch heute eine Gänsehaut. Nur einen Tag nach seinem 19. Geburtstag erzielte der Para-Eishockey-Nationalspieler ein historisches Tor bei den Winter-Paralympics in Italien. Die zwischenzeitliche 1:0-Führung im dritten Gruppenspiel gegen Gastgeber Italien war das erste deutsche Tor in einem Paralympics-Spiel seit 2006.

 

Es habe ein wenig gedauert, bis er das realisiert habe, sagt Bußmann im Gespräch mit Oberberg-Aktuell. Von den rund 5.000 Zuschauern habe er in diesem Moment kaum etwas mitbekommen. Er habe „diesen coolen Moment“ einfach nur genossen, erzählt er: „Wenn man so eine Chance hat, kriegt man das Drumherum kaum mit.“ Seine Teamkollegen rissen den 19-Jährigen nach seinem Lupfer über den italienischen Goalie jubelnd zu Boden. An das Tor kann er sich noch sehr genau erinnern: „Es war ein recht weiter Weg vom eigenen Tor. Mir ging viel durch den Kopf. Ich musste erst einmal meinen Fokus sammeln, um den Puck zu kontrollieren.“

 

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Dass das Spiel anschließend mit 1:2 verloren wurde, sei zwar schade gewesen, an diesen einen Moment wird sich Bußmann aber wohl sein Leben lang erinnern. Sein Handy stand im Anschluss jedenfalls nicht mehr still. Hunderte von Nachrichten mit Glückwünschen prasselten auf ihn über Instagram, WhatsApp oder per Anruf ein. „Das zu realisieren, war schon krass. Es ist einfach eine große Ehre, dieses Tor erzielt zu haben“, sagt er. Für ihn ist das Tor sein persönlicher Paralympics-Moment, dicht gefolgt vom Sieg gegen die Slowakei in den Platzierungsspielen.

 

Bußmann wurde mit Spina bifida geboren, einer Spaltung der Wirbelsäule. In einem Bein hat er keine Muskulatur, auch seine Hüfte ist um acht Zentimeter auf der linken Seite verschoben. Im deutschen Para-Eishockey-Team ist der 19-Jährige das Küken und trotzdem fast schon ein alter Hase. Marcel Malchin, sein Teamkollege vom TuS Wiehl, ist mit 27 Jahren der nächstältere Spieler im deutschen Aufgebot. Nationalspieler ist Bußmann bereits seit fünf Jahren und hat sich seinen Platz in der Mannschaft längst erarbeitet.

 

Mit Platz sechs bei den Paralympics ist der Bergneustädter nur bedingt zufrieden. Das sei zwar grundsätzlich eine gute Platzierung, „Platz fünf wäre aber noch schöner gewesen“, meint er. Nach dem Sieg 4:3-Overtime-Sieg gegen die Slowakei in der Platzierungsrunde traf das deutsche Team erneut auf Gastgeber Italien, dem man in der Mailänder Arena trotz zweimaliger Führung mit 2:5 unterlag.

 

Von mehr hatte man im deutschen Team ohnehin nicht geträumt. Der Grund: Bußmann und seine Teamkollegen gehören zu den vielen Amateuren bei den Paralympics. Reich werden, kann man mit dem Para-Sport kaum. Die in der Ukraine geborene US-Amerikanerin Oksana Masters - viermal Paralympics-Siegerin im Sommer und fünfmal im Winter – ist aufgrund ihrer einmaligen Geschichte eine der wenigen Ausnahmen. Gold ging im Para-Eishockey an die USA, Silber an Kanada und Bronze an China vor Tschechien.

 

Der Unterschied: In diesen vier Team spielten zahlreiche Profisportler, die keinen echten „Hauptjob“ neben den Sport ausüben müssen. Bußmann hofft, dass seine Sportart durch die Paralympics auch in Deutschland einen Schub bekommen kann. Immerhin: Neben den Livestreams im Internet wurden der Sieg gegen die Slowakei und das Platzierungsspiel gegen Italien auch von ARD und ZDF übertragen.

 

Ein paralympisches Dorfleben wie man es von den Olympischen Spielen kennt, erlebte Bußmann während der drei Wochen kaum. Dafür waren die Sportarten zu stark verteilt. Er sei nur auf die anderen Para-Eishockey-Teams getroffen, berichtet der Bergneustädter, der Zusammenhalt in den Hotels sei aber sehr gut gewesen. Am letzten Tag gab es eine kleine Feier mit den Slowaken. „Auch in unserem Team sind wir noch einmal sehr gut zusammengewachsen“, sagt der 19-Jährige, der sich sein Hotelzimmer mit Marcel Malchin teilte. Die Zeit neben dem täglichen Training auf dem Eis oder im Fitnessstudio verbrachte Bußmann mit vielen Gesprächen oder in einer extra eingerichteten Lounge mit Computern, Kickern und Air Hockey. Angesagt bei den Nationalspielern war auch die Corona Bar, in der es unter anderem alkoholfreie Getränke der bekannte Biermarke gab.

 

Urlaub nehmen musste Bußmann für die Paralympics nicht. Nach seinem bestandenen Abitur am Wüllenweber Gymnasium im vergangenen Jahr hat er die freie Zeit bewusst zur Vorbereitung auf die Paralympics genutzt. Im kommenden Herbst will er ein Geografie-Studium aufnehmen. Bis dahin gilt es sich weiter fit zu halten: Im September geht der Ligabetrieb in Wiehl und in Tschechien, wo er für Sparta Prag spielt, wieder los. „Das hat auch viel mit Selbstdisziplin zu tun“, sagt der 19-Jährige über sein mehrstündiges Training jede Woche.

 

Kommende Woche steht aber zunächst ein Demospiel in Neuwied auf dem Programm, um weiter Werbung für seine Sportart zu machen. „Ich hoffe, dass wir die Reichweite der Paralympics mitnehmen und die Popularität dieser tollen Sportart ausbauen können“, so Bußmann.

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