SPORTMIX

Motocross: Deutsche Meisterschaft zum 75-jährigen Bestehen des MSC

mg; 03.08.2026, 08:40 Uhr
Fotos: Michael Gauger  --- Harte Fights um die besten Positionen gab es in allen Klassen an diesem Tag.
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Motocross: Deutsche Meisterschaft zum 75-jährigen Bestehen des MSC

mg; 03.08.2026, 08:40 Uhr
Wiehl – Sechs Wertungsläufe für drei Klassen zur Deutschen Meisterschaft versprachen spannende Rennen auf dem Bielsteiner Waldkurs.

Von Michael Gauger

 

Ausgerechnet zum 75-jährigen Bestehen des MSC Drabenderhöhe-Bielstein hatte der ADAC den Lauf der MX Masters-Serie in diesem Jahr aus seinem Rennkalender gestrichen und eine andere Veranstaltung favorisiert. Als Ersatz gab es am Sonntag zumindest einen Renntag mit nicht weniger spannenden Läufen zur Deutschen Meisterschaft (DMX) in den Klassen 250 Kubikzentimeter, Open (bis 450 Kubikzentimeter) und Frauen. Nach den freien Trainings- und den Zeitläufen am Vormittag sollte es nach der Mittagspause und Aufbereitung der Strecke mit je zwei Wertungsläufen im Wechsel ordentlich zur Sache gehen.

 

[Larissa Papenmeier drehte bei den Mädels mächtig am Gasdrehgriff und holte zweimal den Laufsieg.]

 

Am Vormittag standen zunächst die freien Trainingsläufe und Qualifyings der drei Klassen auf dem Programm. Frei nach dem Motto „Ladies First“, machten sich Frauen aus acht Nationen, angeführt von der Meisterschaftsersten Larissa „Lare“ Papenmeier (#423) mit ihrer Honda, am frühen Morgen als Erste auf, um gute Zeiten für die Startaufstellung zu erkämpfen, gefolgt von rund 50 Startern der Klasse bis 250 Kubikzentimeter, die einen der begehrten 40 Plätze für die zwei Wertungsläufe am Nachmittag ergattern wollten.

 

[Mit Linus Greiner (li.) und Tom Koch waren die zwei Topkandidaten in ihren Klassen am Start.]

Hier war die gesamte „Top Five“ der jungen Wilden am Start, um den Führenden Linus und Fritz Greiner einen Strich durch die Rechnung zu machen. In der Klasse „Open“, bei der Maschinen bis 450 Kubikzentimeter ans Startgatter gehen, lag das Hauptaugenmerk auf Tom Koch, der auch bei den ADAC MX-Masters an den Start geht. Aus dem Oberbergischen rollten an diesem Tag bei den Damen Jona Grosch (#124) und Kim Irmgartz (#55) an den Start, bei den Herren Jaden Wendeler (#991), der sich bei seinem Heimrennen gute Chancen auf eine Top-10-Platzierung ausgerechnet hatte. Fynn Röter (#194) und Max Diehl (#335) haben ebenfalls im Uelpetal das Crossfahren gelernt und sollten nun ihr Debüt geben.

 

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Ein Rückblick in die Anfänge des MSC Drabenderhöhe-Bielstein

 

Angestachelt von ersten Motocross-Rennen der britischen Besatzungsarmee in Düsseldorf im April 1951, erfasste der benzingetränkte Bazillus auch die motorsportbegeisterte Jugend in Bielstein. Nur wenig später, am 15. November 1951, gründeten elf Enthusiasten den Motorsportclub Drabenderhöhe-Bielstein. Fast jeden Abend traf sich die besagte Dorfjugend, montierte die Schalldämpfer ihrer Maschinen ab und heizte mit Begeisterung durch das Uelpetal. Als die Idee für ein eigenes Motocross-Rennen aufkam, packten sich alle Spitzhacken und Schaufeln und gemeinsam wurde der „Bielsteiner Waldkurs“ gebaut, der später von vielen Experten und weltberühmten Fahrern immer wieder als die schönste Motocross-Strecke der Welt bezeichnet wurde.

 

1952 sollte das erste offizielle Motocross-Rennen starten. Doch die damaligen Initiatoren wussten noch nichts von den vorgeschriebenen Veranstaltungsbedingungen, folglich gab es keine Startgenehmigung. Das Rennen wurde kurzerhand in ein „Geschicklichkeitsrennen mit Wippe und Dosengasse“ umgetauft und es konnte losgehen. 50 Fahrer wühlten sich seinerzeit durch die verschlammte Strecke, da es am Renntag regnete. 1.500 zahlende Zuschauer erlebten den Kurs und seinen fliegenden Dreck „spürbar und hautnah“. Das Rennen war überaus rentabel und die Entwicklung des MSC schritt danach unaufhaltsam voran.

 

[Ein Blick ins elterliche Fotoalbum: Am 18. Juli 1965 verfolgten die begeisterten Besucher die Rennen noch aus "nächster" Nähe.]

Im Mai 1953 startete das erste regionale Motocross-Rennen, im Juli 1958 dann die erste Europameisterschaft. Immer weiter verbesserten die Männer um Willy Roitzheim und Paul Fischbach das Streckenprofil mit den heute noch so klangvollen Abschnitten wie „Aspikurve“, ,,Fuchsröhre“ oder „Bierquelle“, so dass nach regionalen Meisterschaften im Juni 1959 der erste Weltmeisterschaftslauf der 500-Kubikzentimeter-Klasse stattfinden konnte.

 

Danach wurden noch weitere 25 Weltmeisterschaftsläufe auf dem Waldkurs ausgetragen. Zum MSC selbst gehörten stets auch viele klangvolle Namen erfolgreicher Rennteams. Den Anfang machten Max Deubel/Emil Hörner als vierfache Gespann-Weltmeister in den Jahren 1961 bis 1964. Danach kam Rolf Steinhausen mit Sepp Huber als zweifache Gespann-Weltmeister in den Jahren 1975 und 1976.

 

In die Fußstapfen seines Vaters trat der langjährige 1. Vorsitzende Jörg Steinhausen, Europameister 1998, Vizeweltmeister 2002 und sechsfacher Deutscher Meister. Die Erfolge beim Motocross sprechen ebenso für sich: Herbert Simon hielt von 1970 bis 1974 die Deutsche Meisterschaft im Seitenwagen fest im Griff. 1970 mit Klaus Jörgens als „Schmiermaxe“ und von 1972 bis 1974 mit Hans Georg „Peppi“ Peppinghaus. Unvergessen blieben auch Edgar und Reinhold Noß, die unter anderem 1969, 1971, 1972 und 1975 Deutsche Gespannmeister im Gelände wurden.

 

Der Ruf als „schönste Strecke der Welt“ war damals längst weit verbreitet: Tausende Zuschauer verfolgten im Jahr 1981 live am Streckenrand die spannenden Rennen, als die Amerikaner mit Donnie Hansen, Danny Laporte, Johnny O’Mara und Chuck Sun erstmals das Motocross der Nationen gewannen und eine 13-jährige Sieges-Ära der USA starteten.

 

 

[Bei den  Frauen waren die Lokalmatadorinnmen Jona Grosch (li.) und Kim Irmgartz am Start.]

Das Wetter war optimal, die Strecke wie immer bestens präpariert. Ab den frühen Mittagsstunden säumten mehr und mehr Zuschauer den Waldkurs. Nach den Qualifyings bestätigten sich die Vermutungen: Die Topkandidaten fuhren die schnellsten Zeiten und setzten direkt ein Zeichen gegenüber den Mitstreitern. Beste Voraussetzungen für die jeweils zwei Rennläufe, die am Nachmittag folgten. Je 20 Minuten und zwei Runden bei den "Ladies", für die Herren standen jeweils 25 Minuten und zwei Runden auf dem Aufgabenzettel.

 

[Jaden Wendeler schloss mit einem guten Ergebnis ab.]

Papenmeier konnte am Nachmittag nach Siegen in beiden Läufen die volle Punktzahl für die Meisterschaftstabelle verbuchen, führt dort nach sieben von acht Veranstaltungen mit 306 Punkten. Zweite in der Tageswertung wurde die KTM-Fahrerin Alexandra Massury (#775). Tagesdritte die Östereicherin Elena Kapsamer, ebenfalls auf KTM. Irmgartz beendete den Tag als Fünfte und schrammte knapp am Treppchen vorbei, die 18-jährige Grosch wurde 26. von 31 Starterinnen.

 

Bei den „jungen Wilden“ in der 250er-Klasse zeichnete sich schon nach den Vormittagsläufen ab, dass an dem Westerwälder Linus Jung vom KTM Sarholz-Team mit der Startnummer 3 kaum ein Weg vorbeiführt. Mit zwei Laufsiegen holte er die volle Punktzahl, womit er in der Gesamtwertung nun auf 293 Zähler kommt. Fritz Greiner bleibt ihm aber auf den Fersen. Zweimal Platz Zwei beschert ihm 44 Punkte, was in der Tabelle nun 286 Zähler bedeutet. Tagesdritter wurde Jannik Blume, der sich so aus dem Mittelfeld etwas nach oben schieben konnte. Mit einem guten sechsten Platz und 29 Punkten beendete Lokalmatador Jaden Wendeler den Raceday. Die Zielsetzung, auf dem Heimkurs unter die Top Ten zu fahren, hatte er damit erfüllt.

 

Klare Fakten auch bei den „Big Boys“: Tom Koch (#226), dem der Kurs auch bei den Masters-Teilnahmen sehr zu liegen scheint, und Noah Ludwig (#300), beide auf KTM unterwegs, schenkten sich nichts und fuhren jeweils auf Platz eins und zwei an der Zielflagge vorbei. Dritter auf dem Podest wurde Suzuki-Pilot Max Thunecke (#410), der weiterhin die Gesamttabelle mit 244 Punkten anführt.

 

Mit einer großen Gesamtsiegerehrung für alle Klassen endete ein weiterer Meisterschaftstag auf der „schönsten Cross-Strecke der Welt“.

 

Zu den Ergebnissen

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