SPORTMIX

Auf der Jagd nach dem letzten Prozent

pn; 28.12.2020, 15:23 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung.
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Auf der Jagd nach dem letzten Prozent

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pn; 28.12.2020, 15:23 Uhr
Bergneustadt – Benedikt Duda gehört zu den besten Tischtennisspielern Deutschlands - Mit OA hat er über seine bisherige Karriere und seine Ziele gesprochen.

Von Peter Notbohm

 

Ein Tisch, bespannt mit einem knapp 15 Zentimeter hohen Netz, ein von beiden Seiten mit Belag versehener Schläger und ein kleiner Plastikball von gerade einmal 40 Millimeter Durchmesser sind seine Welt. Wer weiß, was aus Benedikt Duda geworden wäre, wenn er im Kindesalter nicht die Lust an seiner Fußballmannschaft verloren und sich mit zehn Jahren vollständig der Leidenschaft zum Tischtennis verschrieben hätte. Doch die kleine Kugel faszinierte den mittlerweile 26-Jährigen dann doch mehr als das runde Leder: Heute gehört er zu den fünf besten Tischtennisspielern Deutschlands, sorgt mit dem TTC Schwalbe Bergneustadt auch diese Saison für Furore in der Bundesliga und ist mit seinem Heimatverein zum Ende der Hinrunde ein heißer Kandidat auf die diesjährigen Playoffs.

 

Eigentlich war der Ausnahmesportler kurz vor Weihnachten mit Oberberg-Aktuell für ein Treffen in der Bergneustädter Sporthalle verabredet, in Zeiten der Corona-Pandemie ist aber vieles anders. Statt einem Abstecher in die oberbergische Heimat musste Duda unmittelbar nach dem Auswärtserfolg beim TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell doch wieder in die „Corona-Bubble“ im Leistungszentrum in Düsseldorf zurückkehren – hier fiel am 18. Dezember der Startschuss für die Champions League der Männer, in der Trainingsgruppe der Nationalmannschaft durfte er aufgrund der Hygieneregeln nicht fehlen. Zeit für ein ausführliches Telefoninterview hat er sich zwischen zwei Trainingseinheiten aber dennoch genommen.

 

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Zwar stammt Benedikt Duda aus einer Tischtennis-verrückten Familie, als Ausnahmetalent sieht er sich dennoch nicht. „Da steckt viel harte Arbeit drin“, beschreibt sich der in Gummersbach geborene Profisportler als ehrgeizigen Arbeiter. Als Vorbilder, die ihn prägen, nennt er im Gespräch mit Michael Jordan und Kobe Bryant zwei Basketball-Legenden, auf der offiziellen Seite der TTBL gibt er zudem mit Rafael Nadal und Roger Federer zwei Tennis-Ikonen an. „Ich habe immer die bewundert, die alles gewinnen wollten und über einen langen Zeitraum Titel geholt haben.“ Dieser unbändige Wille habe sich auch schon früh in den Duellen mit seinem zweieinhalb Jahre jüngeren Bruder manifestiert, denn eigentlich sei Frederik das größere Talent gewesen, erzählt Duda.

 

 

Auch von seinen vielen Trainern habe er immer etwas mitgenommen: „Jeder hat seinen Anteil an meiner Karriere.“ Seine Eltern seien anfangs auch nicht unbedingt begeistert gewesen, als er ihnen offenbarte, mit Tischtennis seinen Lebensunterhalt verdienen zu wollen – trotz aller Erfolge, die der junge Duda bereits als Nachwuchsspieler sammelte. Erst mit der Silbermedaille bei der Jugendeuropameisterschaft im tschechischen Hodonin und dem Erreichen des Viertelfinales bei der Jugendweltmeisterschaft im indischen Hyderabad folgte das endgültige 'Ok'.

 

Seine schulische Laufbahn habe unter diesem Traum durchaus leiden müssen, gibt der 26-Jährige, der letztlich aber das Fachabitur absolvierte, unumwunden zu. Der Gesamtschule Marienheide ist er durchaus dankbar, denn hier wurden ihm - neben den ersten Talenten der Handballakademie des VfL Gummersbach - drei zusätzliche Stunden Training jede Woche ermöglicht. Eine willkommene Ergänzung zu seinem ohnehin schon hohen Pensum. Aus dem schmächtigen eher unscheinbaren Jungen wurde mit den Jahren ein durchtrainierter Athlet. Auch heute ist sein Tagesablauf vor allem vom eisenharten Training geprägt, immer auf der Jagd nach den letzten Prozenten, die es aus dem Körper herauszukitzeln gilt.

 

 

In der Regel beginnt der Tag des Linkshänders gegen 6:30 Uhr. Einer ersten Individualeinheit beim Balleimer-Training folgt das Gruppentraining bis zum Mittagessen. Am Nachmittag folgt eine weitere Einheit, zwischendurch wird auch Kraft- und Ausdauertraining eingestreut. „Tischtennis wird immer körperbetonter. Dadurch, dass der Ball runder wird, benötigt man heute viel mehr Athletik“, sagt er. Abschalten kann er mit Meditationsgeschichten, Wellness, Schwimmen, einem guten Film und seiner Freundin. Anders als im Lockdown im Frühjahr - damals zog es ihn ins Elternhaus, wo ihn sein Bruder enorm beim Training unterstützte - habe sich sein Tagesablauf seit dem Sommer kaum verändert, nur die sozialen Kontakte sind weniger geworden. Und natürlich fehlen ihm die internationalen Turniere mit den Duellen auf allerhöchstem Niveau.

 

Auch auf einen Mentaltrainer setzt er schon seit Längerem, außerdem ist er Teil einer Gruppe, die unter wissenschaftlicher Leitung die Schnelligkeit der Koordination von Auge, Hand und Beinen trainiert. Das Ergebnis: Weniger Stress am Tisch und eine verbesserte Reaktionsgeschwindigkeit. Spielerisch sieht er sich gut ausgebildet, inzwischen gehe es vor allem darum, Techniken zu verfeinern und leichtfertige Fehler abzustellen. Seine große Stärke - den unbändigen Ehrgeiz - bezeichnet er parallel aber auch durchaus als seine größte Schwäche. „Manchmal habe ich meine Emotionen nicht im Griff. Das kostet mich auch ab und zu mal Spiele“, so Duda, den Niederlagen gleichzeitig aber anspornen: „Ich will danach sofort wieder in die Halle, um weiter dranzubleiben.“

 

 

Wie seine Zukunft aussehen wird? Da hat der Linkshänder vor allem sportlich konkrete Ziele: Zunächst einmal natürlich die Playoffs bei der Deutschen Meisterschaft, dann Olympia 2021 in Tokio und die verlegte Mannschafts-Weltmeisterschaft, wo er zum deutschen Kader gehören will. „Der größte Traum ist aber eine Olympiamedaille“, erklärt Duda, der weiß, dass er privilegiert ist, seinen Sport auch in Corona-Zeiten weiter ausüben zu dürfen. „Da ist der Sport auch ein Zeichen der Hoffnung, dass wir uns nicht unterkriegen lassen von einem Virus, das in naher Zukunft hoffentlich erfolgreich bekämpft ist.“ Und nach der Karriere? Darüber hat er mit 26 Jahren noch nicht viele Gedanken verloren, eins ist aber sicher, er will dem Tischtennis verbunden bleiben. „Ein Lizenz als A-Trainer ist sicherlich eine Möglichkeit“, meint er. Doch bevor er aus anderen die letzten Prozente herauskitzelt, will er zunächst einmal das Maximum aus sich herausholen.

 

 

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