SOZIALES

Weil „Inklusion mit uns allen etwas zu tun hat“

ks; 05.05.2026, 16:35 Uhr
Foto: Katharina Schmitz --- NINO-Akteure mit der „Bank gegen Ausgrenzung“ des Projektes „Wiehl enthindert“.
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Weil „Inklusion mit uns allen etwas zu tun hat“

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ks; 05.05.2026, 16:35 Uhr
Gummersbach – Das Netzwerk Inklusion in Oberberg (NINO) war am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auf dem Lindenplatz aktiv.

Auf welche Probleme und Herausforderungen Menschen mit Behinderung in ihrem Leben stoßen, ist vielen nicht bewusst – und dass, obwohl es jeden treffen kann. Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung hat das Netzwerk Inklusion in Oberberg (NINO) heute in der Gummersbacher Innenstadt ein deutliches Zeichen gesetzt – für mehr Barrierefreiheit, Teilhabe und gesellschaftliche Vielfalt im Oberbergischen. Der Protesttag wird alljährlich am 5. Mai begangen. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“. Das Netzwerk NINO hat diesen Tag heute erstmals zum Anlass genommen, um mit einem Aktionsstand auf dem Lindenplatz präsent zu sein. 

 

„Wir möchten, dass auch ganz normale Leute verstehen, dass Inklusion mit uns allen etwas zu tun hat“, sagte Dorothee Nohn. Zusammen mit Kerstin Krögis arbeitet sie für Serv In, eine Servicestelle für außerschulische Inklusion mit Sitz in Lindlar. 2017 wurde Serv In ins Leben gerufen. 2019 folgte die Gründung des „Runden Tischs für Inklusion im Oberbergischen Kreis“, aus dem zwei Jahre später das Netzwerk NINO entstanden ist. „Wir wollen, dass alle einen Platz haben in unserer Gesellschaft, und dass niemand ausgeschlossen oder benachteiligt wird – zum Beispiel aufgrund einer Behinderung oder einer Migrationsgeschichte“, erklärte Nohn.

 

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Ein Schwerpunkt lag heute auf der Aktion „Bank gegen Ausgrenzung“, die von Akteuren des Projektes „Wiehl enthindert“ auf den Lindenplatz gestellt worden ist. Die Bank, bei der bewusst ein Sitzplatz fehlt, soll symbolisch auf Barrieren im Alltag aufmerksam machen und zum Nachdenken und zum Austausch über Ausgrenzungserfahrungen anregen. „Von dieser Bank gibt es zwei“, sagte Dorothee Nohn. „Eine steht fest vor dem Büro von ‚Wiehl enthindert‘ in der Wiehler Innenstadt; die andere wandert seit 2025 durch den Oberbergischen Kreis.“

 

Das Netzwerk NINO war heute von 10 bis 16 Uhr mit einem Stand und einigen Mitmachaktionen für Groß und Klein auf dem Lindenplatz präsent. Angeboten wurden beispielsweise Kinderschminken, Bastelaktionen und das Gestalten eines Tic-Tac-Toe-Spiels, das auch mit nach Hause genommen werden durfte. „Das ist eine niedrigschwellige Aktion, bei der die Kinder die Spielsteinchen anmalen. Da kann jeder mitmachen“, sagte Dorothee Nohn. Außerdem gab es einen Hand-Sensorik-Parcours und ein Hör-Riech-Memory, an denen die eigenen Sinne zum Einsatz kamen.

 

Für Dorothee Nohn ist die Inklusion ein Herzensthema. „Das bedeutet für mich, dass keiner diskriminiert wird und dass alle respektvoll, rücksichtsvoll und hilfsbereit miteinander umgehen.“ Doch die Realität der Betroffenen sehe oft anders aus. Nohn erzählte von Erwachsenen mit Behinderung, deren Chancen darauf, eine Wohnung, einen Ausbildungsplatz oder einen Job zu bekommen, geringer seien. Sie erzählte von Familien mit Kindern mit Behinderung, denen oft der Anschluss zu Familien fehle, in denen es kein Kind mit Behinderung gibt. Und sie sprach auch über eine tagtägliche Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund ihrer Behinderung von Gleichaltrigen abgelehnt werden.

 

Auf die Frage, was sie sich mit Blick auf die Inklusion wünschen würde, sprach Dorothee Nohn zunächst über das Mobilitätsproblem in einem ländlichen Kreis wie dem Oberbergischen. Auch wenn es Angebote gibt, sei es für viele Menschen unmöglich, sie wahrzunehmen. „Fehlende Mobilität ist eine Barriere“, sagte sie. Außerdem bräuchte es mehr barrierefreie Räume, von denen beispielsweise auch ältere Menschen profitieren würden, die auf einen Rollator oder Gehstock angewiesen sind. Und ein weiterer Punkt sei das Nutzen der Einfachen Sprache. „Das nützt auch vielen – zum Beispiel Kindern, Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, oder auch Menschen, die einen Schlaganfall hatten. Das ist nicht nur etwas für Menschen mit Behinderung.“

 

Das Netzwerk Inklusion in Oberberg (NINO) versteht Inklusion als Menschenrecht und setzt sich gemeinsam mit zahlreichen Akteuren für den Abbau von Barrieren und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ein. Ziel ist es, Teilhabe für alle Menschen selbstverständlich zu machen und bestehende Hindernisse sichtbar zu überwinden. Der nächste Runde Tisch findet am Mittwoch, 20. Mai, in Radevormwald statt. Teilnehmen können daran auch Privatpersonen – mit und ohne Beeinträchtigung. Weitere Informationen zum Netzwerk NINO und dem Runden Tisch für Inklusion sind unter www.nino-oberberg.de zu finden.

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