SOZIALES

Mit dem Smartphone zu mehr Teilhabe

lw; 01.12.2020, 15:19 Uhr
Archivfotos: Lars Weber.
SOZIALES

Mit dem Smartphone zu mehr Teilhabe

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lw; 01.12.2020, 15:19 Uhr
Oberberg – Wohnhilfen Oberberg starten Digitalprojekt – Wohnungslose Menschen sollen Zugang zum Internet bekommen – Alte Geräte willkommen.

Von Lars Weber

 

Die Digitalisierung der Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren immer weiter vorangeschritten. Egal ob Geschäftliches oder Privates, vieles erledigen die Menschen heute online. Die Pandemie hat diese Entwicklung noch einmal beschleunigt. Verwaltungen, Ärzte oder zum Beispiel auch das Jobcenter sind teils nur telefonisch oder digital zu erreichen. Für wohnungslose beziehungsweise von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen bedeutet das eine Ausgrenzung. Ihnen fehlen häufig Endgeräte und der Zugang zum Internet. Ein Projekt der Wohnhilfen Oberberg möchte nun Abhilfe schaffen.

 

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Das Thema beschäftigt das Team der Wohnhilfen bereits seit eineinhalb Jahren, sagt Geschäftsbereichsleiterin Susanne Hahmann. Als dann im Frühjahr die Stiftung Wohlfahrt ein entsprechendes Projekt ausschrieb, bewarb man sich sofort – und erhielt den Zuschlag über eine Fördersumme von rund 86.500 Euro auf ein Jahr. Das Ziel: Wohnungslose beziehungsweise von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen mit Smartphones und Tablets auszustatten, über WLAN an sämtlichen Wohnhilfe-Standorten Zugang zum Netz zu gewährleisten und sie in dieser für viele neuen Welt zu begleiten. Zugleich möchten die Wohnhilfen auch ihre eigenen Angebote im Netz ausweiten, unter anderem durch digitale Beratungsangebote.

 

Anfang November fiel der Startschuss für das Programm „Zugänge erhalten, Digitalisierung stärken“. Seitdem hat die Gruppe um Koordinatorin Daniela Olah das Konzept erstellt, ausformuliert und einen fachkundigen – aktuell selbst betroffenen wohnungslosen – Mitarbeiter angestellt. Dieser soll vor allem alte Endgeräte wieder flott machen zur Weiternutzung. Bei der Beschaffung der Elektronik kommt der Förderverein der Wohnhilfen ins Spiel, der die Menschen dazu aufruft, einmal ihre Schubladen nach alten, funktionierenden Smartphones und Tablets zu durchforsten. „Ich selbst habe vier gefunden“, sagt Markus Bornemann, Vorsitzender des Fördervereins. Er hofft, dass die Aktion ebenso erfolgreich wird wie eine vergangene Fahrrad-Spende-Aktion (Info: So wird gespendet).

 

[Susanne Hahmann, Geschäftsbereichsleiterin der Wohnhilfen Oberberg.]

 

1.600 Fälle betreuen die Wohnhilfen Oberberg der Diakonie Michaelshoven mit ihren 70 Mitarbeitern jedes Jahr. Neben den Fachberatungsstellen gibt es auch Angebote für ambulant betreutes Wohnen und insgesamt 81 Plätze im Stationären Wohnen. „Der Bedarf für das Projekt ist auf jeden Fall da“, sagt Hahmann. Wie groß er tatsächlich ist, wird sich in der Umsetzungsphase zeigen, die zunächst bis 31. Oktober 2021 geht und auch wissenschaftlich von der Gesellschaft für innovative Sozialforschung Bremen begleitet wird. „Bis dahin wollen wir möglichst viele Menschen erreicht haben und ihnen diese Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.“ Ob das Projekt dann verlängert wird, sei erst einmal zweitrangig. „Die Kompetenzen, die wir in diesem Jahr aufbauen, werden auf jeden Fall bleiben“, so Projektkoordinatorin Olah.

 

Informationen zu den Wohnhilfen gibt es hier.

 

So wird gespendet

 

Smartphones oder Tablets sollten frei von groben Beschädigungen sein. Kleinere Beschädigungen können aufgearbeitet werden. Vor der Spende sollten Daten gelöscht und die SIM-Karte entfernt werden. Das Gerät, im besten Fall mit Ladekabel und Stecker, kann in einer Tüte bei den Wohnhilfen abgegeben oder zugesandt werden.

 

Die Wohnhilfen Oberberg sind an folgenden Standorten zu erreichen:

 

Wohnhilfen Oberberg Mitte, Karlstr. 1, 51643 Gummersbach, werktags von 8 bis 12 Uhr, Tel.: 02261/9 18 00

 

Wohnhilfen Oberberg Nord, Hochstr. 14, 51688 Wipperfürth, montags von 8 bis 12 Uhr, donnerstags von 8 bis 11 Uhr, Tel.: 02267/6 55 77 50

 

Wohnhilfen Oberberg Süd, Brölbahnstraße 1-5, 51545 Waldbröl, mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr, Tel.: 02291/80 85 80

 

Radevormwald Caritashaus, Hohenfuhrstr. 16, dienstags von 8:30 bis 10:30 Uhr, freitags von 10:30 bis 12 Uhr, Tel.: 0173/9 05 97 16

 

Postanschrift:

Diakonie Michaelshoven, Haus Segenborn, Pulvermühle 1, 51545 Waldbröl

 

Auch Geldspenden (auf Wunsch mit Spendenquittung) für das Projekt, zum Beispiel für Ersatzteile oder SIM-Karten, sind möglich: Förderverein Freunde der Wohnhilfen Oberberg, Stichwort: Projekt Digitalisierung, Kreissparkasse Waldbröl, IBAN: DE73 3705 0299 0342 0027 66

 

KOMMENTARE

1

"Mehr Teilhabe per Smartphone", oh, das klingt richtig toll!

Wohl tausendmal mehr wirft das aber die Frage auf, was betreffend "die Teilhabe" bisher schiefgelaufen ist.

Völlig ungeklärt ist die Frage, was die tolle "Teilhabe" denn überhaupt so alles ist.

Johann Tanamo, 01.12.2020, 21:16 Uhr
2

An sich ist es ein gutes Projekt. Nur plagt mich dir Frage, ob man die Obdachlosen auch mit mobilen Steckdosen zum Auflagen von Smartphones austattet.

Rita, 02.12.2020, 11:03 Uhr
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