SOZIALES

Hilfe, die ankommt

lw; 25.10.2019, 13:12 Uhr
Fotos: privat --- Gabriele Bergau beim Besuch einer kleinen Slumschule: Die Dankbarkeit der Kinder ist ihr eine große Motivation, sich weiter für das Projekt einzusetzen.
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Hilfe, die ankommt

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lw; 25.10.2019, 13:12 Uhr
Reichshof – Gabriele Bergau engagiert sich seit drei Jahren für das Projekt Aanchal, das Straßenkindern in Indien hilft – Neues Heim bald bezugsfertig.

Von Lars Weber

 

Das Hilfsprojekt Aanchal in Bhopal, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Madhya Pradesh, geht zurück auf die Ordensgemeinschaft Carmelites of Mary Immaculate (CMI). Dort Mitglied ist auch Pater Thomas, der in der Waldbröler Gemeinde Sankt Michael tätig ist. Vor drei Jahren, in einer für Gabriele Bergau schwierigen Zeit, erzählte Pater Thomas der heute 61-Jährigen von dem Projekt in seiner Heimat.

 

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Allen voran Pater Anil in Indien versucht dabei mit einer Gruppe aus Unterstützern, Kindern im indischen Slum zu unterstützen, ihnen lesen und schreiben beizubringen, sie zu ihren Familien zurückzubringen, falls dies möglich ist und ihnen ein Dach über den Kopf zu bieten. Die Kinder leben in den Slums in ärmsten Verhältnissen, haben kaum etwas zu essen und müssen arbeiten gehen. Das schwere Schicksal der Kinder berührt Gabriele Bergau. „Ich wollte einfach helfen“, erinnert sie sich. Seitdem sammelt sie unermüdlich Spenden, im Seelsorgebereich An Bröl und Wiehl, aber auch weit darüber hinaus.

 

[Das Heim ist noch im Bau. Bis Ende des Jahres soll es fertig sein und Platz für 40 Mädchen haben.]

 

Von Mitte September bis Anfang Oktober war Bergau zum zweiten Mal direkt vor Ort in Indien, unter anderem auch in Bhopal. Dabei überzeugte sie sich vor allem auch vom Baufortschritt bei dem neuen Heim für Mädchen. Vor einem Jahr war sie bei der Grundsteinlegung dabei, nun steht der erste Stock. Vom Orden wurde darauf eine Dachkonstruktion gesetzt. „Das Fundament ist für vier Stockwerke ausgelegt“, erklärt Bergau. Da der Bau aber rein durch Spenden finanziert werde, könnten die Etagen nur nach und nach erbaut werden. Die Dachkonstruktion ermöglicht, dass die erste Stufe bis Ende des Jahres fertiggestellt sein soll, sodass bis zu 40 Mädchen dort einziehen können. „Wenn genug weitere Spenden da sind, kann das nächste Stockwerk gebaut werden. Die Dachkonstruktion kann dann abgenommen und wieder draufgesetzt werden.“ Mädchen hätten es in Indien besonders schwer. Zudem gebe es in dem Bundesstaat bislang nur ein solches Heim für sie, erklärt Bergau, warum das Bauprojekt so wichtig ist.

 

[Der Bau ist auf vier Stockwerke angelegt. Diese werden aber erst nach und nach erbaut werden können.]

 

Wenn man die Reichshoferin fragt, warum sie sich so engagiert, antwortet sie häufig mit den Geschichten der Kinder. Sie erzählt von einer großen Gruppe Minderjähriger, die von einer Arbeitsstelle zur anderen mit dem Zug gebracht werden sollten, verwahrlost, hungernd, getrennt von ihren Familien. Sie erzählt davon, wie diese Kinder von Pater Anil aufgenommen wurden und er versuchte, die Familien ausfindig zu machen. Sie erzählt von Alpana. Das Mädchen sah sie einst in einem Film über das Hilfsprojekt und lernte es im vergangenen Jahr bereits kennen. Pater Anil half damals Alpana, nun hilft die junge Frau Pater Anil bei der Arbeit in den Slums. „Diese Geschichten zeigen mir: Ich muss einfach weitermachen“, sagt Bergau.

 

Auch ihre zweite Reise nach Indien habe sie bestärkt. Dabei zeigten vor allem die Kinder eine große Dankbarkeit. „Thank you, mam“, sagten sie immer, wenn Bergau ihnen vielleicht ein Bonbon zusteckte oder mit ihnen malte. „Das ist so herrlich, ich kann mir nichts schöneres vorstellen.“ Die Fröhlichkeit der Kinder, trotz ihrer schwierigen Situation, beeindrucke sie sehr. Zum Abschied schenkten ihr die Kinder einen selbstgebastelten Schmetterling. „Das war eine Überraschung und ein sehr emotionaler Moment“, sagt Bergau.

 

[Gabriele Bergau zusammen mit Pater Anil (links neben ihr), Pater Thomas (rechts neben ihr), Lehrerin Nisha und den Kindern der Slumschule]

 

Die nächsten Pläne, um für Unterstützung für Aanchal zu werben, stehen bereits, erzählt die 61-Jährige. Am 1. Februar wird es im Pfarrheim St. Michael in Waldbröl ein Krimi-Dinner geben. Es soll ein indischer Abend werden. Ihr Engagement im Denklinger Karneval soll ebenso weitergehen. Sämtliche Erlöse gingen dabei eins zu eins nach Indien, versichert sie. Und auch die nächste Indienreise in knapp einem Jahr ist schon gebucht und soll auch in der Gemeinde angeboten werden. Bergau hat ein klares Ziel: „Ich möchte nun sammeln für das nächste Stockwerk des Heims für Mädchen.“

 

Informationen über das Projekt Aanchal und die Möglichkeiten für Unterstützung, zum Beispiel auch die Übernahme von Patenschaften, gibt es auf der Homepage von Bergau.  

 

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