SOZIALES

Gesucht: Besondere Eltern für besondere Kinder

ks; 13.03.2026, 20:30 Uhr
Foto: Katharina Schmitz --- (v. l.) Pflegemutter Kerstin Becker, Fachberaterin Heidrun Popien, Anne Lange, Teamleiterin der Erziehungsstellen der Diakonie Düsseldorf, Boris Wellssow, Leiter der Abteilung Zentrum Pflegekinderhilfe der Diakonie Düsseldorf, und Fachberaterin Pia Brand.
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Gesucht: Besondere Eltern für besondere Kinder

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ks; 13.03.2026, 20:30 Uhr
Gummersbach – Die Zahl der Pflegefamilien nimmt seit Jahren ab – Der Kinderpflegedienst der Diakonie Düsseldorf sucht nach Pflegeeltern für Kinder mit besonderem Bedarfe.

In einer intakten und liebevollen Familie aufzuwachsen, ist nicht jedem Kind vergönnt. Manche Kinder und Jugendliche werden vernachlässigt, einige erleben körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt, manchmal sind Eltern schlichtweg überfordert, suchtkrank, erkranken oder werden inhaftiert, und manche Kinder und Jugendliche sind sogar damit konfrontiert, dass ihre Mama, ihr Papa oder gar beide Elternteile verstorben sind. Gründe, warum Säuglinge, Kleinkinder oder auch Schulkinder in Pflegefamilien ein neues Zuhause finden, gibt es viele.

 

Auch im Oberbergischen müssen immer wieder Kinder aufgrund schwieriger familiärer Situationen in Obhut genommen werden. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Pflegefamilien seit Jahren ab. Groß ist auch der Mangel an sogenannten Erziehungsstellen – also Pflegefamilien, die bereit und qualifiziert sind, besonders belastete Kinder aufzunehmen und ihnen ein stabiles Zuhause zu bieten. Ein großer Träger ist die Diakonie Düsseldorf, die auch überregional mit Außenstellen wie der in Gummersbach Pflegeeltern vermittelt und begleitet. Der Kinderpflegedienst der Diakonie liegt in Dieringhausen.

 

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Bei einem Pressetermin wurde dort heute darüber gesprochen, was Menschen mitbringen sollten, die diese besonderen Kinder bei sich aufnehmen möchten und welche Unterstützung sie dabei erhalten. „Die sogenannten Erziehungsstellen kommen zum Einsatz bei Kindern, die in ihrem kurzen Leben schon viel durchgemacht haben“, sagte Anne Lange, Teamleiterin der Erziehungsstellen der Diakonie Düsseldorf. „Diese Kinder zeigen oft Verhaltensweisen, die schwer zu verstehen sind – und sie profitieren von Pflegeeltern, die mit diesen Verhaltensweisen umzugehen wissen.“

 

Im Bereich Erziehungsstellen werden bei der Diakonie Düsseldorf derzeit insgesamt 500 Kinder in 300 Familien betreut. Die Außenstelle in Gummersbach unterstützt aktuell 26 Pflegekinder im Alter zwischen zwei und 21 Jahren in 18 Erziehungsstellen. Die Zahl der Kinder, die in Obhut genommen werden, ist nach wie vor hoch. „Es zeichnet sich eine eher steigende Tendenz ab. Die Kluft zwischen Bedarf und Angebot wird zunehmend größer. Plätze zur Unterbringung werden dringend gesucht“, sagte Boris Wellssow, der seit zehn Jahren das Zentrum Pflegekinderhilfe der Diakonie Düsseldorf leitet. „Das System ist am Rande der Belastungsgrenze – oder darüber hinaus. Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die diese anspruchsvolle Aufgabe übernehmen.“

 

Eine davon ist Kerstin Becker. Nachdem sie und ihr Mann zwei Kinder bekommen haben, hatten sie auch den Wunsch, noch ein Pflegekind in der Familie aufzunehmen. „Eigentlich wartet man so lange, wie eine Schwangerschaft dauert“, erzählte sie. „Aber ich hatte eine Frühgeburt.“ Nach sieben Monaten kam Elias aus dem Schwarzwald zu der Familie. Das ist jetzt zwölf Jahre her; heute ist er 15 Jahre alt. Dabei sind die Pflegeeltern nicht auf sich allein gestellt. Begleitet werden sie von den drei Fachberaterinnen der Diakonie, die ihre Räumlichkeiten in Dieringhausen haben. Ob Hausbesuche, Fragen oder auch Unterstützung in Krisensituationen: „Jede Familie hat eine von uns an der Seite“, sagte Heidrun Popien von der Fachstelle.

 

Wichtig ist, dass die Kinder immer wieder Sicherheit und Verlässlichkeit erfahren und das Gefühl: Hier bist du sicher, ich sorge mich um dich. „Und das ist etwas, dass ich nicht mit Sprache transportiere. Das müssen die Kinder spüren“, sagte Becker. Sie werde oft gefragt, ob es zwischen den leiblichen Kindern und dem Pflegekind einen Unterschied gibt. Das verneint die 58-Jährige ganz deutlich. „Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sondern auch eine Entscheidung. Meinen Sohn habe ich genauso lieb wie meine beiden Töchter. Aufgeben war bei uns keine Option“, betonte sie. Auch wenn es viele Schwierigkeiten gebe, gebe es aber auch viele Erfolgserlebnisse. „Und einer der schönsten Momente war, als Elias zum ersten Mal ‚Mama‘ zu mir gesagt hat“, erzählte Kerstin Becker.

 

Bei den Erziehungsstellen handelt es sich um professionelle Pflegefamilien, erklärte Lange. Als Erziehungsstelle haben die Pflegeeltern oder ein Elternteil in der Regel eine pädagogische Ausbildung, langjährige pädagogische Erfahrung oder sie sind bereit, sich entsprechend zu qualifizieren. Wer sich dafür interessiert, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen, sollte ein offenes Herz haben, sagte Anne Lange, sowie Geduld und Lust, mit Menschen zusammen zu sein. Nötig ist auch, den Pflegekindern Struktur bieten zu können. Außerdem müssen die potentiellen Pflegeeltern Gesundheitszeugnisse und Führungszeugnisse vorlegen; stark lebensverkürzende oder ansteckende Krankheiten gelten als Ausschlusskriterium. „So bunt wie unsere Welt ist, so bunt dürfen auch die Bewerber sein“, sagte Fachberaterin Pia Brand. Bewerben können sich auch Alleinstehende oder gleichgeschlechtliche Paare.

 

Interessierte, die mehr über die Tätigkeit als Erziehungsstelle wissen möchten, können einen Termin zu einem persönlichen Gespräch vereinbaren per Mail an anne.lange@diakonie-duesseldorf.de oder unter Tel.: 0162/2 63 98 82. Am Dienstag, 24. März, richtet die Dienststelle Oberbergischer Kreis zudem einen Infoabend aus. Los geht es um 19 Uhr. Anmeldungen sind per Mail möglich an heidrun.popien@diakonie-duesseldorf.de. Einen ersten Einblick in die Arbeit der Erziehungsstellen können Interessierte in diesem Film bekommen: https://youtu.be/Gfx-XIuS-iQ. Dort kommt auch Erziehungsstellen-Mutter Kerstin Becker zu Wort.

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