SOZIALES

Ein Anruf gegen den Kältetod

ks; 18.11.2021, 19:20 Uhr
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SOZIALES

Ein Anruf gegen den Kältetod

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ks; 18.11.2021, 19:20 Uhr
Oberberg – Die Wohnhilfen Oberberg rufen die Bevölkerung in den kommenden Wintermonaten zur Mithilfe auf.

Auch wenn die Obdachlosigkeit in Großstädten wie Köln viel offensichtlicher ist als in ländlichen Regionen: auch im Oberbergischen leben zahlreiche Menschen in prekären Verhältnissen oder gar auf der Straße. Manche harren in unbeheizten Wohnungen oder Gartenhäuschen aus, andere suchen in Autos, Zelten oder Hochsitzen Schutz vor der Kälte. Doch mit den sinkenden Temperaturen steigt für die Obdachlosen in den Wintermonaten das Risiko eines Kältetods. „Unser oberstes Ziel ist, dass die Menschen nicht erfrieren“, macht Wilfried Fenner von den Wohnhilfen Oberberg der Diakonie Michaelshoven deutlich. Umso wichtiger sei die Mithilfe der Bevölkerung.

 

„Wenn ein Mensch draußen schläft, dann ist er entweder nicht gut informiert oder hat sich freiwillig dazu entschieden“, erklärt Fenner, der das Regionalteam Mitte der Wohnhilfen Oberberg leitet. In der aktuellen Wohnungslosenstatistik des Landes Nordrhein-Westfalen wurden für den Oberbergischen Kreis insgesamt 355 Personen erfasst, von denen 199 ordnungsrechtlich untergebracht seien. „Wir haben nicht die Masse an Menschen, die draußen leben“, fasst Fenner zusammen und ergänzt, dass in Großstädten bekannte Angebote wie ein Kältebus nicht benötigt würden: „Hier kann jeder untergebracht werden.“

 

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In der Kreisstadt, die im Oberbergischen die meisten Einwohner zählt, komme es bei den Wohnungslosen zu einer gewissen Häufung – doch Betroffene seien in jeder Kommune, sogar in kleinen Ortschaften und Tälern zu finden. Dabei handelt es sich laut Hartwig Zehl hauptsächlich um Einzelpersonen jeden Alters; zwei Drittel der Wohnungslosen seien Männer. Zehl leitet das Projekt „Aufsuchende Arbeit in Wohnungsnot“, welches in Kooperation von den Wohnhilfen Oberberg, der Diakonie Michaelshoven und der in Gummersbach angesiedelten VSB gGmbH durchgeführt wird. Auffällig sei, dass die Zahl an ordnungsrechtlich untergebrachten Frauen zuletzt gestiegen sei.

 

Um Oberbergern in den kommenden Wintermonaten notwendige Hilfen zukommen lassen zu können, sind die Streetworker auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Dabei müssten die Bürger mögliche Betroffene nicht selbst ansprechen. Aber Fenner hofft, dass die Menschen „solidarisch durch den Sozialraum gehen“ und die Mitarbeiter der Wohnhilfen in den Beratungsbüros in Wipperfürth, Waldbröl oder Gummersbach kontaktieren würden. „Dabei ruft man lieber einmal zu viel an“, sagt Zehl – die Mitarbeiter seien für jeden Hinweis dankbar.

 

Winternotprogramm der Wohnhilfen Oberberg

 

Um in den Wintermonaten Menschenleben retten und erhalten zu können, bitten die Mitarbeiter der Wohnhilfen Oberberg um Hinweise an folgende Rufnummern:

 

Nordkreis mit den Kommunen Radevormwald, Wipperfürth, Hückeswagen und Lindlar: 02267/65 57 750.

 

Kreismitte mit den Kommunen Gummersbach, Bergneustadt, Marienheide und Engelkirchen: 02261/96 90 60.

 

Kreissüden mit den Kommunen Waldbröl, Nümbrecht, Wiehl, Morsbach und Reichshof: 02291/80 85 00.

 

Mails können an wohnhilfen-oberberg@diakonie-michaelshoven.de gerichtet werden.

 

Außerhalb der Geschäftszeiten sei die nächste Polizeidienststelle unter der 110 zu informieren. Diese kümmern sich mit dem zuständigen Ordnungsamt um eine kurzfristige Unterkunft in einer sogenannten Notunterkunft. Bei akuter gesundheitlicher Gefährdung ist der Rettungsdienst unter der 112 zu alarmieren.

 

„Man erkennt wohnungslose Menschen häufig daran, dass sie mehrere Taschen, Rucksäcke oder einen Schlafsack mit sich führen. Auch auf Menschen, die an Hauseingängen, am Bahnhof oder an Bushaltestellen schlafen, sollte man aufmerksam werden“, erklärt Fenner. Das Gleiche gelte auch für Personen, die man draußen regelmäßig antrifft, die immer wieder im Freien sitzen und sich den ganzen Tag dort aufhalten. Nach einem Hinweis könnten die Mitarbeiter reagieren, die Betroffenen aufsuchen und einen ersten Kontakt herstellen. Ganz zentral sei dabei, mit der Zeit Vertrauen aufzubauen und den Menschen immer wieder mögliche Hilfe anzubieten. „Das ist insbesondere an kalten Tagen und frostigen Nächten sehr wichtig. Es gibt eine Verpflichtung der Unterbringung, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht“, so Fenner.

 

Spendenaufruf

 

Menschen, die sich dazu entscheiden, in keiner Notunterkunft zu übernachten, erhalten durch das Team der Wohnhilfen Oberberg wintertaugliche Ausrüstung, unter anderem einen Schlafsack, Isomatte und Winterkleidung. Hierfür ist das Team auf Geldspenden angewiesen.

 

Spenden sind über den Förderverein der Freunde der Wohnhilfen Oberberg möglich:

IBAN: DE 73 3705 0299 0342 0027 66
Verwendungszweck: Winternothilfe Oberberg.

 

Außerdem können Bürger:innen guterhaltene Smartphones und Tablets  in den Geschäftsstellen der Wohnhilfen Oberberg abgeben oder per Post zusenden. Diese werden für das Projekt „Digitale Teilhabe für wohnungslose Menschen“ genutzt.

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