SOZIALES
„Begegnungen schaffen und Brücken bauen“
Gummersbach – Die interkulturelle Woche unter dem Motto „Dafür! 2.0 – jeder Intoleranz und Ausgrenzung zum Trotz!“ wurde gestern im Lindengymnasium gestartet.
Von Astrid Deckers
Basierend auf den zahlreichen Anmeldungen zur Teilnahme findet die 17. interkulturelle Woche nicht nur an sieben Tagen, sondern vom 11. September bis zum 13. Oktober statt. Gestern wurde sie in der Aula Moltkestraße des Gummersbacher Lindengymnasiums eröffnet. "Waren es in den vergangenen Jahren um die 20 bis 25 Veranstaltungen, sind es nun erstmalig knapp 50 Aktionen und zahlreich neue Teilnehmer kamen zum Veranstalterfeld hinzu", berichtete Jamel Othmani von der Caritas-Integrationsagentur Oberberg. Allein neun Institutionen würden die Steuerungsgruppe bilden und die Caritas sei der Lenkungsausschuss. Ohne die Unterstützung der Sponsoren AggerEnergie, Sparkasse Gummersbach, Kulturverein Gummersbach und Integrationsagentur NRW sei ein solches Mammutprojekt nicht umsetzbar.
[Ingrid Dreher (li.) freute sich über die Resonanz ihrer Kampagne bei den Besuchern und Mitausstellern.]
Zum Start der Woche trafen sich Vertreter von Institutionen und Vereinen, um sich und ihre Arbeit der Öffentlichkeit vorzustellen, aber vor allem, um Netzwerke aufzubauen, Kontakte zu knüpfen und zu einer großen Gemeinschaft zu werden.
Panagiotis Tiriakidis, Pfarrer der griechisch-orthodoxen Gemeinschaft aus Siegen, Olpe und Gummersbach, ist von Anfang an dabei gewesen und würde sich mehr ökumenische Gottesdienste wünschen, um die Zusammenarbeit zwischen den Kulturen weiterhin offen und positiv zu gestalten. Diesen Wunsch teilten alle Anwesenden, unabhängig davon, ob sie erstmalig oder zum wiederholten Mal an der interkulturellen Woche teilnahmen. Ingrid Dreher von der Steuerungsgruppe Fairtrade Town Gummersbach nahm erstmalig teil und wünscht sich mehr Menschenwürde, mehr Gerechtigkeit und ein größeres Netzwerk, um möglichst viele Weggefährten zu gewinnen.
Mitarbeiter des AWO-Projekts „Wegweiser“ zeigten Möglichkeiten auf, wie Familien, Lehrer und das soziale Umfeld Jugendliche vor islamistischem Extremismus schützen können, oder auch, welche Wege es aus solch einer Radikalisierung, wenn sie denn erfolgt ist, gibt und wie Betroffene und ihr Umfeld agieren können. Claudia Jüch von der Caritas-Migrationsberatung für Erwachsene erklärte in zahlreichen Gesprächen, welche kostenfreien Beratungs- und Unterstützungsangebote sie und ihre Kollegen für Migranten ab dem 27. Lebensjahr anbieten, die im Besitz einer Aufenthaltsgenehmigung sind. „Dabei kann es sich um eine Einmalberatung, aber auch um einen Case-Management-Prozess über Jahre handeln“, sagte sie.
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[Künstlerin Ilona Banaszek von der VHS begeisterte die Kinder mit ihrem Angebot zur „Dripping-Technik“.]
Die Mitglieder der alevitischen Gemeinde sind nicht nur Aktive der Steuerungsgruppe, sondern hatten auch für das leibliche Wohl der Gäste und Teilnehmer gesorgt. Der islamische Verein An-Nusrat stellte sein vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Flucht und Integration des Landes NRW gefördertes Projekt „Femina“ vor. Im Rahmen einer digitalen Veranstaltungsreihe können sich dort Frauen mit Migrationshintergrund über Fördermittel, Öffentlichkeitsarbeit und Empowerment informieren, wenn sie sich sozial engagieren oder gar einen Verein gründen wollen. Der Vorsitzende von An-Nusrat NRW, Zeeshan Mahmood, war eigens nach Gummersbach angereist, um das Projekt zu unterstützen und gleichzeitig das Leitbild seines Vereins zu verkünden: „Wir müssen Begegnungen schaffen und Brücken bauen, unabhängig vom Geschlecht, der Herkunft oder der Glaubensrichtung.“
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[Gleiche Ziele verbinden, in diesem Fall die Mitarbeiterinnen der Caritas Oberberg und der „Omas gegen rechts“.]
Mit den „Omas gegen Rechts“ war erstmalig auch eine Gruppe am Start, die für den 2. Oktober eine große Aktion im Rahmen der interkulturellen Woche ankündigte. Um 13:30 Uhr in der Hindenburgstraße möchten die Omas mit möglichst vielen Oberbergern eine Herz-Menschenkette bilden, die für eine offene Gesellschaft und Vielfalt steht.
Organisator Jamel Othmani freut sich über die zahlreichen neuen Gruppierungen, die an der interkulturellen Woche teilnehmen und sieht in der aktuellen politischen Entwicklung, bewiesen durch die Wahlen im Osten des Landes, den Indikator für die zunehmende Bereitschaft zur Kooperation und zum Netzwerk bilden bei allen beteiligten Organisationen. „Wir sind viele kleine Gruppierungen und wollen Netzwerke bilden, die groß und stark sind, um uns gegen den Rechtsextremismus aufzustellen“, hieß es von einem Teilnehmer, der gestern vielen Gleichgesinnte aus der Seele sprach.