REICHSHOF
„Wüstenberg“ lässt Wacken beben
Oberberg – Frontsänger aus Reichshof schafft es mit seiner Band auf das WOA – Folk Rock auf der "Wackinger Stage".
Von Josephine Tscheliesnigg
Anderthalb Jahre nach ihrer Gründung kann die Band „Wüstenberg“ bereits einen Erfolg feiern, von dem viele Gruppen nur träumen können. Am Donnerstag, 30. Juli, haben sie ihren ersten Auftritt auf dem Wacken Open Air. Das Festival ist eines der größten Heavy-Metal-Festivals der Welt. Eine große Chance, um ihr Genre, den Folk Rock, zu präsentieren. Der Auftritt findet auf der Wackinger Stage statt – eine mittelalterlich geprägte Themenbühne.
Die siebenköpfige Band hat nicht nur viele Mitglieder, sondern auch viele Instrumente zu bieten. Neben Akustik- und E-Gitarren kommen unter anderem Violinen, Fiddles und Banjos zum Einsatz. „Wir sind viel. Unsere Musik hat zahlreiche Ebenen und wenn wir unterwegs sind, ist sogar ein Neunsitzer-Bus zu klein“, erzählt Frontsänger Franz Wüstenberg. Viele Mitglieder, viele Instrumente, viel Leidenschaft.
Wüstenberg ist Gründer der gleichnamigen Band. Schon von klein auf hat ihn das Musikmachen begeistert. Aufgewachsen ist er auf der Insel Usedom. Vor vier Jahren zog er schließlich nach Reichshof-Dreschhausen. Erste Erfahrungen sammelte er mit seiner damaligen Gruppe „The O'Reillys and the Paddyhats“. Die Neugründung „Wüstenberg“ startete Ende 2024 daher bereits mit Lichtgeschwindigkeit. Im Januar waren sie als Support der „Fiddler’s Green“ mit auf Tour. Bei 17 Konzerten standen sie in Deutschland und Österreich auf der Bühne. Kaum ein halbes Jahr später treten sie nun auf dem Wacken Open Air auf. Im Gepäck: Ihr Debütalbum „The King’s Gambit“.
Auf die besondere Atmosphäre des Festivals freuen sich alle Mitglieder sehr. Für den Banjo-Spieler gehe sogar ein Lebenstraum in Erfüllung, so Wüstenberg. „Für diejenigen, die noch nicht da waren, ist das ein ‚Once-in-a-Lifetime-Ding'“, erläutert er. Der Frontsänger ist mit seiner damaligen Band bereits dreimal auf dem WOA aufgetreten. Das erste Mal im Jahr 2017. Nichtsdestotrotz bleibt es etwas Außergewöhnliches für ihn: „Wenn die Kraft und Energie, die man abgibt zu einem zurückkommt, dann ist das was ganz Besonderes. Wo das im Alltag geht, wüsste ich nicht.“
[Foto: Johannes Toster --- Die Mitglieder der Band "Wüstenberg".]
Nach und nach fanden sich die Musikliebhaber zusammen, manche von ihnen kannte Wüstenberg bereits von früher. Oft habe er bei der Auswahl der Mitglieder auf sein Bauchgefühl gehört. „Unser Booker hat mir damals einen Tipp gegeben: Gründe eine kleine Band“, erzählt der Frontsänger. Geklappt hat dies zwar nicht, dafür haben sie nun aber eine Menge Instrumente an Bord. Trotz teils größeren Altersunterschieden verbindet aber alle eins: Die Liebe zur Musik. Ein großer Pluspunkt sei zudem, dass es kaum einem Mitglied an Vorerfahrung fehle, denn viele waren bereits Teil einer Band. „Unsere Motivation war von Anfang an klar: Wir haben alle Lust darauf.“
Eine Besonderheit der Band ist vor allem ihre Vielseitigkeit. „Wir sind eine Allzweckwaffe, quasi das Schweizer Taschenmesser der Festivalszene“, merkt der Frontsänger an. Für das WOA haben sie sich aber für die rockigsten Tracks entschieden – die Tracks, die „mehr nach vorne gehen und schieben“. In ihrer 45-minütigen Performance freut sich die Band am meisten auf die Zuhörer. „Entgegen der dunklen, lauten Musik trifft man auf ein sensibles und tolerantes Publikum. Die haben Bock und das macht Spaß!“, freut sich der Gründer.
Damit auch genug zur Mittagszeit erscheinen, mache die Band am Abend vorher schonmal auf sich aufmerksam. Mit Karaoke-Box, Dosenbier und Bollerwagen bewaffnet, gehen sie eine Runde über den Zeltplatz, damit der Wecker der Camper auf 11:30 Uhr gestellt wird. Denn um 12 Uhr heißt es „Bühne frei für Wüstenberg“.
Erfüllt mit freudiger Aufregung, fiebern sie nun dem großen Tag entgegen. „Es wird ein spannender Gig und ist für jeden etwas anderes“, merkt Wüstenberg an. Für ihn bedeutet es auf jeden Fall Freiheit: „Die Aufgabe ist loszulassen. Es gibt selten Momente, wo es einfach fließt. Ich mag das Gefühl im Moment zu sein. Man kann nichts doppelt machen, denn es ist das, was es ist – mit allen Fehlern.“
Im Anschluss an den Gig kann die Band das Festival genießen. Da alle Mitglieder unterschiedliche Genres favorisieren, werden sie neben Judas Priest auch Europe und Airbourne einen Besuch abstatten. „Wir wollen viele Bands einfach mal erleben“, so der Frontsänger.
„Nach anderthalb Jahren auf so einem Festival spielen zu dürfen, ist ein Türöffner“, weiß Wüstenberg. Denn auf dem WOA aufzutreten, gebe die Chance herauszustechen. Vor allem im Hinblick auf ihre kommende Tour kann dies gerade jetzt sehr hilfreich sein. Wer die Band abseits des Festivals live erleben möchte, der kann sich für den 25. September in Siegen hier Tickets sichern.