REICHSHOF
Pläne für neuen Discounter in Hunsheim
Reichshof – Am Ortsrand von Hunsheim will ein Investor ein neues Gebäude errichten – Die Gemeinde erhofft sich damit endlich eine Lösung für ein jahrelanges Problem gefunden zu haben: die zunehmend schlechtere Versorgungslage.
Von Peter Notbohm
Der Lebensmitteleinzelhandel gerät im ländlichen Raum zunehmend unter Druck. Auch im Reichshofer Westen ist es in den vergangenen Jahren für Bürger im Versorgungsbereich rund um die Ortschaft Hunsheim und seine Nachbarorte zunehmend schwieriger geworden, die Geschäfte des täglichen Bedarfs möglichst ortsnah zu erledigen. Lange Wege zum Einkaufen könnten für die rund 3.000 Bürger, die dort leben, demnächst aber der Vergangenheit angehören. Ein Investor hat Interesse angemeldet, am Ortsrand von Hunsheim einen kleinflächigen Discounter mit einer Fläche von etwa 800 Quadratmetern zu bauen.
Mit dieser Meldung überraschte Sarah Schmidt, Allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters, vergangene Woche Reichshof Politik. Wenn die Gespräche mit allen beteiligten Akteuren positiv verlaufen, könnte der Antrag auf Einleitung des Verfahrens noch in diesem Jahr der Politik vorgelegt werden. Man habe bewusst mit der Verkündung gewartet, um keine falschen Hoffnungen zu wecken, sagte Bürgermeister Jan Gutowski (parteilos). Schmidt reagierte mit ihrer Ankündigung auf einen CDU-Antrag, der die Verwaltung aufforderte, die Nahversorgung im Bereich Hunsheim/Berghausen zu analysieren, nach potenziellen Betreibern und Kooperationspartner zu suchen und ein Versorgungskonzept zu erarbeiten.
Laut Benjamin Häcke (CDU) habe sich die Situation rund um Hunsheim in den vergangenen Jahren zunehmend verschärft. Viele Versorgungsangebote wie eine Bank, eine Post, eine Kneipe und ein kleiner Lebensmittelladen seien längst verschwunden. „Die Bäckerei in Mittelagger wurde bereits geschlossen, die Bäckerei in Marienhagen wird im Sommer ebenfalls schließen. Damit fällt ein weiterer wichtiger Versorgungspunkt weg“, sagte er. Das Thema ist für ihn kein parteipolitisches: „Am Ende geht es um mehr als die reine Versorgung. Es geht um Lebensqualität, um Zusammenhalt und um die Zukunftsfähigkeit unserer Ortschaften.“
Im Rathaus habe man sich schon seit über zehn Jahren mit der Thematik beschäftigt, hieß es von Sarah Schmidt. Das Thema Nahversorgung sei schon dem ehemaligen Bürgermeister Rüdiger Gennies ein besonderes Anliegen gewesen. Ein bereits 2017 der Gemeindepolitik vorgelegtes Nahversorgungskonzept sei im Wesentlichen an fehlenden Investoren und der schwierigen Grundstückssituation mit teuren Erschließungen gescheitert.
Noch im vergangenen Jahr habe die Gemeinde Reichshof mit der Gemeinde Morsbach gemeinsame Gespräche mit der Smart-Store-Kette „Tante Enso“ aus Bremen geführt. Während in der Nachbargemeinde in Lichtenberg ein Mini-Supermarkt entstehen wird, scheiterten die Pläne für die hybride Lösung in Reichshof. Das habe vor allem daran gelegen, dass man die Bedingungen für eine Tante Enso-Filiale nicht erfüllen konnte, erklärte Schmidt. Tante Enso verlange, dass es überhaupt keine Versorgung in der Umgebung gebe, da keine Konkurrenzsituation geschaffen werden soll. Dem stehe der Nahkauf in Marienhagen entgegen. Zudem baue die Kette keine eigenen Filialen, sondern ziehe nur in fertige Immobilien ein – ein weiteres Hemmnis.
Parallel zu diesen Gesprächen habe sich zudem ein Investor mit seinen Plänen für einen Discounter aufgetan. „Das würde deutlich mehr liefern als ein kleiner hybrider Tante-Emma-Laden“, befand Schmidt. Erste Gespräche mit der Bezirksregierung über eine notwendige Änderung des Flächennutzungsplans habe es schon im Frühjahr 2025 gegeben. Das Grundstück gehöre dem Investor bereits, man müsse allerdings noch Gespräche mit dem Aggerverband wegen eines dortigen Bachlaufs führen. Man sehe insgesamt aber „eine gute Flamme der Hoffnung“, sagte Schmidt.
Sollten die Pläne wider Erwarten doch noch scheitern, wolle man erneut den CDU-Antrag aufgreifen; dieser wurde einstimmig angenommen.
KOMMENTARE
Jeder Nutzer dieser Kommentar-Funktion darf seine Meinung frei äußern, solange er niemanden beleidigt oder beschimpft. Sachlichkeit ist das Gebot. Wenn Sie auf Meinungen treffen, die Ihren Ansichten nicht entsprechen, sehen Sie von persönlichen Angriffen ab. Die Einstellung folgender Inhalte ist nicht zulässig: Inhalte, die vorsätzlich unsachlich oder unwahr sind, Urheberrechte oder sonstige Rechte Dritter verletzen oder verletzen könnten, pornographische, sittenwidrige oder sonstige anstößige Elemente sowie Beschimpfungen, Beleidigungen, die illegale und ethisch-moralisch problematische Inhalte enthalten, Jugendliche gefährden, beeinträchtigen oder nachhaltig schädigen könnten, strafbarer oder verleumderischer Art sind, verfassungsfeindlich oder extremistisch sind oder von verbotenen Gruppierungen stammen.Links zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.