RECHTECK

Unzulässiger Verweis auf günstigeren Reparaturbetrieb

Red; 23.08.2014, 10:00 Uhr
RECHTECK

Unzulässiger Verweis auf günstigeren Reparaturbetrieb

  • 0
Red; 23.08.2014, 10:00 Uhr
Oberberg - Oberberg-Aktuell informiert in dieser Rubrik über Rechtsfragen - Der Service wird präsentiert von Fincke Rechtsanwälte Bergneustadt - Heute geht es Schadensersatzansprüche beim Autounfall.

Wer schon einmal unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt war und in der Folgezeit versuchte, seine Schadensersatzansprüche selbst durchzusetzen, der wird beim Öffnen der Post von der Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners zum Teil böse Überraschungen erlebt haben. Viele Versicherungen sind dazu übergangen, die geltend gemachten Reparaturkosten rigoros zu kürzen. Die Erforderlichkeit einzelner Reparaturmaßnahmen wird in Abrede gestellt, die Kosten für Ersatzteile werden gekürzt und die der Reparaturkostenkalkulation zugrunde liegenden Stundenlöhne der Werkstatt nicht akzeptiert. Oft bewegen sich die Versicherungen dabei in rechtlichen Grauzonen; viele Kürzungen widersprechen eindeutig höchstrichterlicher Rechtsprechung.

 

Ein Beispielsfall aus der Praxis von Fincke Rechtsanwälte:

Unser Mandant war im Juni dieses Jahres unverschuldet mit seinem fünf Jahre alten Auto einer Ingolstädter Premiummarke in einen Verkehrsunfall verwickelt. Danach machte er zunächst das, wozu jedem Unfallgeschädigten dringend zu raten ist: Er beauftragte selbst einen Kfz-Sachverständigen seines Vertrauens mit der Begutachtung und Ermittlung des Schadens. Hierzu ist jeder Unfallgeschädigte ab einer voraussichtlichen Schadenshöhe von derzeit 750 € berechtigt; die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners muss die Kosten für das Gutachten ersetzen. Anderslautende Informationen der Versicherungen sind schlicht falsch. In unserem Fall ermittelte der Sachverständige Reparaturkosten in Höhe von netto 4.397,12 €. Seiner Kalkulation legte er die Stundenlöhne einer ortsansässigen und markengebundenen Vertragswerkstatt zugrunde.

 

Unser Mandant entschied sich dazu, den Schaden auf der Grundlage des Gutachtens und ohne Vorlage einer Reparaturkostenrechnung abzurechnen – eine rechtlich zulässige Art der Abrechnung. Nun kommt die gegnerische Versicherung ins Spiel: Von dem Schaden in Höhe von 4.397,12 € zahlte diese nur einen Betrag in Höhe von 3.266.23 €. Zur Begründung verwies die Versicherung auf die günstigeren Stundenlöhne einer freien Hinterhof-Werkstatt. Wegen dieser satten Kürzung um mehr als 25 % wurden wir mandatiert. Im ersten Gespräch mit dem Mandanten stellte sich nun heraus, dass das Unfallfahrzeug in der Zeit vor dem Unfall regelmäßig in einer markengebundenen Vertragswerkstatt gewartet und repariert worden war. Der Mandant konnte dies auch durch entsprechende Stempel und Eintragungen in seinem Service-Heft belegen. Es ist seit vielen Jahren ständige Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, dass in diesen Fällen der Verweis auf die günstigeren Stundenlöhne einer freien Werkstatt unzulässig ist. Die Versicherung hatte also zu Unrecht gekürzt.

 

Nun mussten nur noch die Kopien aus dem Service-Heft unseres Mandanten an die Versicherung des Unfallgegners geschickt werden. Die Nachzahlung in Höhe von 1.130,89 € erfolgte widerstandslos und kurzfristig.

  

WERBUNG

KOMMENTARE

0 von 800 Zeichen
Jeder Nutzer dieser Kommentar-Funktion darf seine Meinung frei äußern, solange er niemanden beleidigt oder beschimpft. Sachlichkeit ist das Gebot. Wenn Sie auf Meinungen treffen, die Ihren Ansichten nicht entsprechen, sehen Sie von persönlichen Angriffen ab. Die Einstellung folgender Inhalte ist nicht zulässig: Inhalte, die vorsätzlich unsachlich oder unwahr sind, Urheberrechte oder sonstige Rechte Dritter verletzen oder verletzen könnten, pornographische, sittenwidrige oder sonstige anstößige Elemente sowie Beschimpfungen, Beleidigungen, die illegale und ethisch-moralisch problematische Inhalte enthalten, Jugendliche gefährden, beeinträchtigen oder nachhaltig schädigen könnten, strafbarer oder verleumderischer Art sind, verfassungsfeindlich oder extremistisch sind oder von verbotenen Gruppierungen stammen.
Links zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge, die gegen oben genannte Punkte verstoßen, nicht zu veröffentlichen.