POLITIK

Zur Lage der Demokratie in Deutschland, Europa und der Welt

us; 18.01.2026, 18:20 Uhr
Fotos: Oliver Müller --- Die Gastgeber und der prominente Gast: Hans Peter Scheurer (Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Lindlar, v.li.), Christian Wulff, Klaus Grootens, Christian Berger, Werner Sülzer, Sven Engelmann und Dr. Carsten Brodesser.
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Zur Lage der Demokratie in Deutschland, Europa und der Welt

us; 18.01.2026, 18:20 Uhr
Lindlar - Als Gast des Neujahrsempfangs der CDU Lindlar warb Bundespräsident a.D. Christian Wulff für die Stärkung der Demokratie und eine positive Haltung gegenüber den politischen Herausforderungen der Gegenwart.

Von Ute Sommer

 

Über eine Rekord-Besucherresonanz von rund 250 Gästen freute sich der CDU-Gemeindeverband Lindlar, der heute zum traditionellen Neujahrsempfang in die Lang Academy geladen hatte. Neben Parteimitgliedern, Vertretern aller Fraktionen aus Gemeinderat und Kreistag, aus Wirtschaft, Industrie, Kirchen, Banken, Vereinen und Dorfgemeinschaften hieß Moderator Werner Sülzer besonders Bürgermeister Sven Engelmann, MdB Dr. Carsten Brodesser, MdL Christian Berger, Landrat Klaus Grootens sowie den ehemaligen NRW-Finanzminister Peter Biesenbach willkommen.

 

[Mit einem fundierten Plädoyer „pro Demokratie“ sorgte Ehrengast Christian Wulff für ein „positives Mindset“ bei den Gästen.] 

 

Als Ehrengast des Neujahrsempfangs referierte der ehemals jüngste Ministerpräsident in Deutschland und Bundespräsident a.D. Christian Wulff über die aktuelle Lage der deutschen Demokratie und den Zusammenhalt in Europa. Als ehemaliges Staatsoberhaupt vertritt der Rechtsanwalt und Vorsitzende des Stiftungsrates der Deutschlandstiftung Integration die Bundesrepublik auf internationaler Ebene, engagiert sich ehrenamtlich in zahlreichen Kuratorien und Beiräten. „Ich möchte heute Optimismus transportieren, denn jede Krise ist auch eine Chance“, stellte der prominente Politiker an den Anfang seines flammenden Plädoyers für die Demokratie, welches er in einen 100-jährigen zeitgeschichtlichen Zusammenhang einordnete. Nach Ende des zweiten Weltkrieges ab 1946 sei die fundamentale Überzeugung des „Nie wieder“ Grundlage des politischen Handelns und Antrieb zur Verabschiedung des Grundgesetzes, zur Gründung des Europarates und der UNO gewesen.

 

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Politiker wie der zutiefst christliche geprägte Konrad Adenauer und der sozialdemokratische Pro-Europäer Carlo Schmidt hätten aus einer demütigen und versöhnungsbereiten Haltung heraus maßgebliche Weichen für den bis heute 80 Jahre andauernden Frieden in Deutschland gestellt. Dieser allerdings sei zunehmend bedroht, weil sich Demut sukzessive in Gleichmut verwandele und sich das Recht des Stärkeren über das regelbasierte Zusammenleben erhebe. Spätestens mit dem Fall des eiserenen Vorhangs seien die Europäer dem Trugschluss erlegen, dass die Demokratie ein Selbstläufer wäre, doch sind von derzeit 84 Millionen Deutschen lediglich eine Million Mitglied in einer der demokratischen Parteien.

 

Auch der Blick auf die politische Weltlage belege eine Ausweitung von Machtdiktaturen in denen sich Freiheit, Gleichheit, Gewaltenteilung und Menschenrechte auf dem Rückzug befänden. Als Grund für dem weltweiten Rückschritt von Demokratie zeigte Christian Wulff drei Kontexte auf. So verringerten sich im Zuge des demografischen Wandels Produktionspotenzial und Wirtschaftswachstum von Volkswirtschaften, was eine automatische Verschiebung politischer Prioritäten nach sich ziehe.  Als ehemalige „Werkbank der Welt“ habe sich die Volksrepublik China zum wichtigsten globalen Produktionsstandort entwickelt, doch stehe dem Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt gegenüber. Nicht zuletzt lasse eine zunehmend vergiftete Kommunikation innerhalb der sozialen Netzwerke den Konsens überdemokratische Werte entgleisen.

 

[Mit der Verteilung von Mistelzweigen auf dem Lindlarer Weihnachtsmarkt erwirtschaftete der CDU-Gemeindeverband insgesamt 2.200 Euro für den guten Zweck.]

 

„Unsere Art zu leben, ist in Gefahr, aber die Demokratie muss offensiv verteidigt werden“ appellierte der Politier mit Verweis auf die NRW-Koalitionsregierung, die positive Perspektiven entwerfe. „Wir leben in einer der besten Welten, die es jemals gegeben hat“, rief er dazu auf, „das Mindset“ positiv Richtung Zukunft auszurichten. Noch immer sei Deutschland ein europäisches Zentrum für Wissenschaft und Forschung, man verfüge darüber hinaus über ein vorbildliches Gesundheits- und Bildungssystem und leistungsfähige Wirtschaftsbrachen, wie am Beispiel der „Hidden Champions“ der oberbergischen Region deutlich werde. Mit dem Hölderlin Zitat „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ schloss Wulff einen Vortag, den das Auditorium mit Standing Ovations honorierte.

 

Im Rahmen des Empfangs überreichte der CDU-Gemeindeverband Lindlar jeweils 1.100 Euro aus den Einnahmen vom Lindlarer Weihnachtsmarkt an die Kleiderbörse der Caritas im Severinushaus und für die Ferienfreizeit „Ameland“ der Katholischen Kirchengemeinde Lindlar. 

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