POLITIK
Wasser Welt, Eishalle, Freibad: Erhöhung der Eintrittspreise beschlossen
Wiehl – FSW argumentiert mit steigenden Bewirtschaftungs- und Personalkosten - Einige Veränderungen in der Tarifstruktur – Freibad feiert 90-jähriges Bestehen, auch die Eishalle hat ein Jubiläum.
Von Lars Weber
Eigentlich sollen dieses Jahr bei der FSW, den Freizeit- und Sportstätten Wiehl, die Korken knallen. Die Wiehler Wasser Welt wird zehn Jahre alt, die Eishalle gibt es seit 50 Jahren, den Wildpark seit 60 und das Bielsteiner Freibad darf sogar den 90. Geburtstag feiern. Unter anderem steht im Freibad vom 10. bis 12. Juli ein dreitägiges Programm an mit dem Wiehler Sommer, einem Kölschen Abend und einem Festakt. Dass diese langjährigen Freizeitangebote aber im wahrsten Sinne ihren Preis haben, ist bei der Sitzung des Wiehler Stadtrats am Dienstagabend im Rathaus deutlich geworden. Dort wurden die Preise für beide Schwimmbäder und auch für die Eishalle angehoben. Der Entscheidung waren schon bei den ersten Beratungen im Sportausschuss Diskussionen vorausgegangen, die im Rat weitergingen. Aus Sicht der Verwaltung war die Erhöhung – zuletzt wurden die Preise vor drei Jahren angepackt - nicht zu verhindern.
Das Ticket für den Sporttarif über 90 Minuten (der Rat entschied sich gegen eine Reduzierung der Zeit auf 70 Minuten) steigt ab dem 1. Juni beispielsweise für Erwachsene von 5,50 auf 6 Euro (ermäßigt von 3 auf 3,50 Euro), der Preis für vier Stunden von 7,50 auf 8 Euro (ermäßigt 4,20 auf 4,50 Euro) . Im Freibad steigen in der neuen Saison die Tagespreise um 50 Cent (Erwachsene: 5,50 Euro, erm. 3,50 Euro). Neu ist ein Abendtarif (Erwachsene: 4 Euro, erm. 2,50 Euro) ab 17 Uhr, auch die Öffnungszeiten wurden verändert, sodass die Gäste im Hochsommer länger im Bad bleiben können (siehe Kasten). Ähnliche Sprünge macht die Preisstruktur bei der Eishalle. 1,5 Stunden auf dem Eis kosten ab der nächsten Saison 26/27 dann 6 statt 5,50 Euro (erm. 3,50 statt 3 Euro).
Eine bessere Stellung von Familien hat die CDU mit einem Antrag erwirkt, der einstimmig beschlossen wurde. So gilt die Saisonkarte für eine Familie im Freibad Bielstein nun unabhängig von der Anzahl der in der Familie lebenden Kinder. Bei mehr als zwei Kindern entfallen die dafür vorgesehenen zusätzlichen Kosten über 20 Euro je Kind. So kostet der Saisonpass nun stabil 170 Euro (2025: 150 Euro), mit Familienpass 136 Euro (2025: 120 Euro). Ähnlich sieht es in der Wiehler Wasser Welt aus, allerdings nur für Wiehler mit Familienpass. Auch hier entfällt nun der zusätzliche Preis pro Kind, wenn das Bad mit einer Gruppenkarte besucht wird und eine Familie mehr als zwei Kinder hat. „Wiehl ist eine familienfreundliche Stadt, diese Änderung steht uns gut zu Gesicht“, sagte Moritz Müller (CDU).
„Wir müssen uns darüber bewusst sein, dass wir über eine hervorragende Infrastruktur verfügen“, sagte Bürgermeister Ulrich Stücker. „Deren Finanzierung aber wird eine Daueraufgabe bleiben“, machte er klar. Grund für die nötige Erhöhung der Preise sei laut FSW zum einen der Anstieg der Bewirtschaftungskosten, Handwerker oder Dienstleiter kosteten mehr. So haben sich die Ausgaben für Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen bei der FSW von 2022 auf 2024 fast verdoppelt, von rund 136.000 Euro auf rund 230.000 Euro. Zum anderen klettern auch die Personalkosten bei der FSW nach oben. In den vergangenen drei Jahren stiegen diese von 1,16 Millionen Euro auf 1,37 Millionen Euro an. Angestiegen sind auch die Kosten für Gas, Strom und Wasser. Allerdings ist es dort gelungen, den Aufwärtstrend zu stoppen. Von 2023 auf 2024 gab die FSW rund 200.000 Euro weniger dafür aus. Später setzte sich Thomas Noss (CDU) dafür ein, das ehrenamtliche Engagement und den finanziellen Beitrag des Fördervereins des Freibads stärker hervorzuheben.
Besucherzahlen und Besonderheiten Preisstruktur
Wiehler Wasser Welt
Besucher 2022 bis 2025: 105.947, 108.984, 101.833, 105.655
Neu bei den Tarifen ist der Frühschwimmer (90 Minuten, 5,50 Euro, Erm. 3 Euro), außerdem wird es einen 2,5 Stunden-Tarif geben (7 Euro, Erm. 4 Euro). Hier gibt es einen Überblick, in den die Veränderungen durch den CDU-Antrag nicht eingearbeitet sind. Den 70-Minuten-Tarif lehnte der Stadtrat ab.
Eishalle
Besucher 2022 bis 2025: 47.497, 55.739, 54.036, 57.120
Neben den preislichen Veränderungen gibt es auch neue Tarifformen bei den Gruppen. Hier sind sie einzusehen.
Freibad Bielstein
Besucher 2022 bis 2025: 42.546, 29.267, 34.416, 35.086
Im Hochsommer wird das Bad nun zwischen 4. Juli und 1. September zwischen 10:30 und 19:30 Uhr geöffnet sein. Alle weiteren Änderungen gibt es hier. Der CDU-Antrag ist hier noch nicht eingearbeitet.
Begeistert von den Erhöhungen „ausgerechnet im Jubiläumsjahr“ zeigten sich die Stadtverordneten zwar nicht, sie trugen aber außer Die Linke-Fraktion (Teile der Grünen enthielten sich) die Entscheidungen mit. SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Kötter hätte es „als Signal“ empfunden, in diesem Jahr nicht über Preissteigerungen diskutieren zu müssen. CDU-Fraktionschefin Larissa Gebser sagte, sie seien verpflichtet, die Lebensqualität in Wiehl zu erhalten und den Betrieb der Angebote langfristig zu sichern. Herausforderung bleibe, die Balance zwischen sozialer Ausgewogenheit und Wirtschaftlichkeit zu wahren, damit der Besuch für Familien und Kinder erschwinglich bleibe.
Ronja Heukelbach (Grüne) und auch Michael Schmalbrock (Linke) erinnerten daran, dass eine Gewerbesteuererhöhung im Rahmen der Haushaltsberatungen noch verhindert worden war. Wenn diese Erhöhung durchgegangen wäre, würde die Erhöhung der Eintrittsgelder den Grünen leichter fallen, so Heukelbach. Schmalbrock sprach über Wiehl von „einer Steueroase für Unternehmen“. Für den Vergleich gab es Kritik aus der FDP und der CDU. Grünen-Fraktionschef Jürgen Körber verteidigte den Vergleich. Man müsse aufpassen, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinandergehe. „Es sind Stellschrauben, die für gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen.“ Lars Andre Lang (CDU) erinnerte daran, dass die niedrige Gewerbesteuer auch dafür sorge, dass sich Unternehmen in Wiehl ansiedeln möchten – auch durch diese Einnahmen sei es überhaupt möglich, sich die Freizeitangebote zu leisten.
FDP-Fraktionsvorsitzender Dominik Seitz erinnerte den Stadtrat, dass die Erhöhungen „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“ seien. Das Defizit der FSW werde dadurch lange nicht ausgeglichen. Um dies über die Eintrittspreise zu schaffen, hatte die FSW zu Anschauungszwecken ausgerechnet, dass 2024 beispielsweise in der Eishalle ein Eintritt über 19,26 Euro nötig gewesen wären, in der Wasser Welt wären 18,77 Euro fällig gewesen und im Freibad immer noch 14,67 Euro. Die AfD um Fraktionschef Daniel Seinsche sprach sich dafür aus, die Wiehler Bürgerinnen und Bürger noch stärker zu bevorteilen bei den Eintrittspreisen und den Familienpass gegebenenfalls in einen Wiehl-Pass umzuwandeln. Die Verwaltung solle diesen Vorschlag prüfen.
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