POLITIK

Waldbröl wählt die Heimat

pn; 14.09.2020, 16:50 Uhr
Foto: Sarah Calicchio ---- Larissa Weber feierte bei der gestrigen Kommunalwahl einen Erdrutschsieg.
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Waldbröl wählt die Heimat

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pn; 14.09.2020, 16:50 Uhr
Waldbröl – Larissa Weber ist neue Bürgermeisterin der Marktstadt – Patt-Situation im Waldbröler Rat soll kein Hindernis werden – Parteien zeigen sich gesprächsbereit.

Von Peter Notbohm

 

Das Votum der Waldbröler Bürger war eindeutig: Larissa Weber wurde mit 64,96 Prozent der Stimmen zur neuen Bürgermeisterin der Marktstadt und damit Nachfolgerin von Peter Koester gewählt. „Ich bin überwältigt und überglücklich“, sagte die parteilose Kandidatin, die von SPD, FDP und UWG im Wahlkampf unterstützt worden war, am Morgen nach der Wahl. Die 41-jährige Waldbrölerin gewann in jedem der 17 Wahlbezirke gegen ihren Kontrahenten, den ebenfalls parteilosen Achim Bursche. Mit einem solchen Erdrutschsieg habe sie niemals gerechnet, sagte Weber, die 2014 bereits angetreten war. „Ich habe im Vorfeld zwar viel positives Feedback bekommen, war aber trotzdem bis zuletzt skeptisch.“ Besonders die Frage, ob ihre direkte Art beim Wähler ankommen würde, habe die Leiterin des Reichshofer Ordnungsamtes durchaus zweifeln lassen, „denn ich neige nicht dazu, Dinge auszuschmücken und musste in meinem bisherigen Berufsleben auch nie Marketing in eigener Sache betreiben.“

 

Bereits früh zeichnete sich das Endergebnis ab, nach und nach wurden die Ergebnisse der einzelnen Wahlbezirke veröffentlicht, sodass sich Achim Bursche, der den Abend mit seiner Familie bei der CDU im Waldbröler Bürgerhaus verbracht hatte, bereits früh ins Rathaus begab, um seiner Gegenkandidatin zum Sieg zu gratulieren. „Wir sind alle natürlich sehr enttäuscht und stellen uns wirklich die Frage, was da passiert ist“, so Bursche. Während die CDU bei der Ratswahl 15 Direktmandate holte, fiel seine Kandidatur beim Wähler durch. „Es war wohl doch ein Unterschied, ob man aus Willich oder aus Waldbröl kommt. Scheinbar haben sich die Menschen nicht mit Inhalten beschäftigt“, sagte der 57-Jährige, der viel Herzblut in seine Kandidatur gesteckt hatte: „Mir ist die Stadt während des Wahlkampfs wirklich ans Herz gewachsen und ich hätte sie gerne nach vorne gebracht.“ Als möglichen Grund für seine Niederlage nannte er auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie. „Ich hatte nicht die Chance, mehr Menschen kennenzulernen, diejenigen, die ich kennengelernt habe, konnte ich überzeugen.“ Für die Marktstadt möchte er sich auch künftig engagieren, wenn er die Chance sieht, beruflich im Süden des Kreises Fuß zu fassen.

 

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Bei der Waldbröler CDU ist man angesichts der Ergebnisse zwiespältig. Besonders die neue Sitzverteilung im Stadtrat dürfte noch für spannende Wochen und Monate sorgen. Der von 34 auf 42 Sitze aufgeblähte neue Rat hat die Kräfteverhältnisse zu einem Patt verschoben. Die Bursche-Unterstützer CDU und Grüne kommen auf 21 Sitze, genauso wie SPD, FDP und UWG. „Für uns als Partei ist die Wahl gut verlaufen, wir haben 15 von 17 Direktmandaten geholt“, meinte der 1. Vorsitzende Jürgen Köppe trotz Verlusten von sieben Prozent. Mit der erdrutschmäßigen Niederlage bei der Bürgermeisterwahl habe man allerdings nicht gerechnet. „Das war in der Stadt nicht spürbar und ist, neben der geringen Wahlbeteiligung, auch ein Schlag ins Gesicht für die Arbeit im Rat.“ Man habe in den vergangenen Jahren viel bewegt, Straßen saniert und das Merkurhaus abgerissen. „Dass das vom Wähler so reflektiert wird, zeigt eine gewisse Interessenlosigkeit.“

 

In eine erste Detailanalyse werde man am Dienstagabend gehen, die kleineren Parteien dürfen aus seiner Sicht angesichts guter Ergebnisse zurecht euphorisch sein. „Ich hoffe, es werden keine schwierigen Gespräche, aber einfach wird es vermutlich auch nicht. Wir machen hier aber keine Weltpolitik, sondern haben alle ein Ziel und das ist die Weiterentwicklung der Stadt Waldbröl.“ Bei der Waldbröler SPD blickt man ebenfalls spannenden Gesprächen entgegen. „Zunächst einmal haben wir mit Larissa Weber ein traumhaftes Ergebnis geholt“, sagte der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion Bernd Kronenberg. Zur ganzen Wahrheit gehöre aber auch, dass man als Partei vier Prozent verloren habe. Kronenberg hat aber die Hoffnung, die gemeinsame Arbeit innerhalb des Rates fortzusetzen. „Man kennt sich gut und die Sachthemen wurden in den vergangenen Jahren sehr differenziert bearbeitetet. Ich sehe die neuen Kräfteverhältnisse sehr konstruktiv“, erwartet er immer wieder wechselnde Mehrheiten.

 

Eine ähnliche Meinung wird bei der FDP vertreten. „Die CDU hat den Vorteil, sich mit allen auseinandersetzen zu können, aber das Beste für Waldbröl wäre es, themenbasiert zu arbeiten“, meinte FDP-Pressesprecher Sebastian Diener, dessen Partei überraschend fünf Ratssitze holte. Er begrüßt den vergrößerten Rat: „Es sind mehrere Menschen unter 30 Jahren vertreten und ich habe echte Vorfreude, dass die Politik nun jugendlicher wird.“ Claudia Hein, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Waldbröl, möchte angesichts der Patt-Situation im Rat eine Vermittlerrolle einnehmen: „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit allen Parteien und haben auch gegenüber der neuen Bürgermeisterin überhaupt keine Vorbehalte.“ Auch bei der UWG will man sich gesprächsbereit zeigen. „Wir sind nicht festgefahren und die Zusammenarbeit ist immer eine Sache von Themen“, sagt die 1. Vorsitzende Martina Kretschmer. Als drittstärkste Fraktion könne ihre Partei gestärkt in die Gespräche gehen.

 

Die neue Bürgermeisterin Larissa Weber, die am 1. November ihr Amt antreten wird, will die kommenden Wochen zunächst dazu nutzen, alle Ratsmitglieder intensiv kennenzulernen und sich auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten. „Die anderthalb Monate bis dahin werden schnell vorrübergehen.“ Sie hofft auf einen breiten Konsens aller Beteiligten und will mit Argumenten und harter Arbeit überzeugen: „Es wird nicht leicht werden, aber wenn die Ratsmitglieder merken, dass es mir vor allem um die Stadt geht, werden wir es zusammenschaffen.“

KOMMENTARE

1

Schlechte Verlierer HAhHAhAHA . Was hat die CDU denn gebracht außer Chaos in der Stadt ???? Für die Jugendlichen die vor drei Jahren noch in der Schule und beim "grillen und chillen" mit DEM Bürgermeister dabei waren und Anregungen zur Verbesserung IHRER Situation und Identiviezierung mit Waldbröl vorgebracht haben , IST rein gar nix geworden, die wurden gar nicht ernst genommen .
Stattdessen wurde Ihre Situation noch schlimmer . Vergessen wurde scheinbar nur das diese jetzt wählen dürfen.
ich habe damals auch geschrieben das sich unser Herr Bürgermeister ein Beispiel an Wiehl nehmen sollte da klappt das mit den Jugendlichen besser. Er hätte besser Leserbriefe gelesen.

Glückwunsch Frau Weber viel Erfolg und Feingefühl auf Ihren Weg.

Bettinger Rappes, 14.09.2020, 18:12 Uhr
2

Den Wählern in Waldbröl "Nichtbeschäftigung mit Inhalten" und "Interessenlosigkeit" vorzuwerfen ist eine Unverschämtheit, die persönlich trifft. Sollen die Wähler entgegen dem Wahlrecht ihr Votum rechtfertigen? Vielleicht sollte man sich eher mit der Frage beschäftigen, warum Waldbröl die miserabelste Wahlbeteiligung im gesamten Kreis hatte.

, 14.09.2020, 18:47 Uhr
3

Trotz der niedrigen Wahlbeteiligung ist Waldbröl für mich dieses Jahr DIE Überraschung der Kommunalwahl.Die Enttäuschung der CDU ist verständlich.Dennoch gibt der Artikel Anlass für Hoffnung, dass der Rat seiner Arbeit in der kommenden Legislatur gerecht wird.42 Ratsmitglieder auf 5 Parteien verteilt inklusive einer hoch motivierten neu gewählten Bürgermeisterin, die alle nur Waldbröl und seine Bürger im Blick haben.Das lässt hoffen.Zumal so ein Rat auch keine "Alternative" benötigt.Weiter so Waldbröl grüße aus Engelskirchen.

, 14.09.2020, 21:45 Uhr
4

Wenn man sich die Wahlbeteiligung im Detail ansieht, wird man feststellen, dass im Wahlbezirk 040 - Isengarten nur satte 152 von 787 Wahlberechtigten zur Wahl gegangen sind (19,31 % Wahlbeteiligung). Wenn man den Wahlbezirk kennt, weiß man dass sich somit eine bestimmte Bevölkerungsgruppe entweder kollektiv der Wahl enthält oder kollektiv die AfD wählt (wie bei der Bundestagswahl 2017 als 45,99 % im Wahlbezirk 040 diese Partei wählten). Vielleicht sollte man mal mit dem christlichen Obervorturner ins Gespräch gehen und hinterfragen ob es das Verständnis von Integration ist a) sich gar nicht an demokratischen Prozessen zu beteiligen oder b) als selbst Geflüchteter und hier Aufgenommener Parteien zu wählen, die gegen Geflüchtete hetzen. Nur so als Denkanstoß für die christlichen Brüder...

Judas, 15.09.2020, 10:37 Uhr
5

Es war wohl doch ein Unterschied, ob man aus Willich oder aus Waldbröl kommt. Scheinbar haben sich die Menschen nicht mit Inhalten beschäftigt“
Das ist Unverschämt. Er wurde zurecht nicht gewählt. Sollen wir mal die Leistungen der CDU beurteilen? Was ist denn mit der Verschuldung z. B.? Oder mit den Abwassergebühren? Dem Grund-/Gewerbesteuersatz? Hauptsache ein neues Rathaus!
Weiter gehts:
„Das war in der Stadt nicht spürbar und ist, neben der geringen Wahlbeteiligung, auch ein Schlag ins Gesicht für die Arbeit im Rat.“ Man habe in den vergangenen Jahren viel bewegt, Straßen saniert und das Merkurhaus abgerissen. „Dass das vom Wähler so reflektiert wird, zeigt eine gewisse Interessenlosigkeit.“
Die Problematik wird völlig verkannt. Ihr habt noch viel zu viele Stimmen bekommen!

Waldbröler, 15.09.2020, 11:14 Uhr
6

Wir sollten mit der CDU in Waldbröl und ihren Bewertungskommentaren alle etwas nachsichtig sein. Nach so einer "Bürgermeister" Wahlschlappe schmerzt es doch sehr, den Medien hier Rede und Antwort zu stehen. Da kommen oftmals Begründungen zum Haare raufen zustande. Vor allem wenn man die CDU Brille nicht von der Nase nimmt. Höchst unanständig und beleidigend ist es allerdings, die Wählerinnen und Wähler als "interessenlos" zu bezeichnen. Möglicherweise spiegelt das Wahlergebnis ja auch, ganz im Gegenteil, ein sehr hohes Interesse an den Abläufen in der Stadt Waldbröl wieder. Diese Schlussfolgerung verbietet sich aber sicherlich innerhalb der CDU. Darüber nachzudenken lohnt sich evl. trotzdem.

Bielefelder, 15.09.2020, 14:19 Uhr
7

Ich vermisse einen Kommentar von Herrn Vorländer! Was Herrn Bursches Äußerungen angeht, kann man nun wirklich von Überheblichkeit sprechen - und viel mehr! Z.B. Unverschämtheit, Beleidigung [...]

Cornelia Lang, 15.09.2020, 15:56 Uhr
8

Es ist richtig, dass man bei der bewertung der kommentare kurz nach der wahl nachsichtig sein sollte. Aber Herr Vorländer misst da mit zweierlei maß: Achim Bursche darf unvorsichtig sein, aber Tülay Durdu nicht? Spielt da das geschlecht eine rolle? Oder doch die herkunft? Oder beides?

Esther Kupka, 16.09.2020, 08:47 Uhr
0 von 800 Zeichen
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