POLITIK

SPD-Wahlkampf-Start: Die Kanzler-Strategie als Vorlage

lw; 28.01.2022, 16:07 Uhr
Fotos: Lars Weber --- Wollen für die SPD und Oberberg in den Landtag: Thorben Peping (l.) und Tobias Schneider.
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SPD-Wahlkampf-Start: Die Kanzler-Strategie als Vorlage

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lw; 28.01.2022, 16:07 Uhr
Oberberg – Die Landtagswahlkandidaten der Sozialdemokraten Thorben Peping und Tobias Schneider stellten sich heute in Bergneustadt vor.

Von Lars Weber

 

Fast eineinhalb Jahre vor der eigentlichen Wahl wurde 2020 Olaf Scholz zum SPD-Kanzlerkandidaten gekürt – und dafür von nicht wenigen belächelt. Viel Chancen wurden ihm zu dieser Zeit nicht eingeräumt. Wie die Wahl ausgegangen ist, ist bekannt. An dieser Klarheit in der Ansage und dem Vorlauf in der Vorbereitung der programmatischen Themen orientieren sich nun auch die oberbergischen Sozialdemokraten. Schon im August bestimmten sie Thorben Peping für den Wahlkreis 23 und Tobias Schneider für den Wahlkreis 24 zu ihren Kandidaten für die Landtagswahl am 15. Mai. So konnten beide noch den Bundestagswahlkampf mit dafür nutzen, sich im Kreis bekannt(er) zu machen. Heute haben sich beide im Restaurant Feste Neustadt in Bergneustadt vorgestellt – und läuteten den Landtagswahlkampf als erste Partei im Kreis endgültig ein.

 

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Das Duo sorgt parteiintern für viel Euphorie. „So eine junge Kandidatur im Doppelpack hatten wir noch nie“, sagt das Urgestein Friedhelm Julius Beucher über den 23-jährigen Peping und den 39-jährigen Schneider. Die Hoffnung ist da, endlich wieder einen oberbergischen Sozialdemokraten nach Düsseldorf zu schicken. „Wir wollen den Aufwind durch die Bundestagswahl nutzen“, sagt auch Thorsten Konzelmann, Vorsitzender der SPD Oberberg. Er rechnet vor, dass es nur rund drei Monate seien, bis die ersten Wähler ihre Kreuze per Briefwahl machten. Da sei es ein guter Zeitpunkt, über inhaltliche Schwerpunkte zu sprechen.

 

Das Thema Verantwortung hat sich Schneider auf die Fahnen geschrieben. „Beispielsweise bei der Flutkatastrophe wurde Verantwortung einfach weggeschoben, es gibt Probleme mit den Zuständigkeiten.“ So sei die Bezirksregierung nicht in der Lage gewesen, Hilfskräfte aus dem Oberbergischen in die betroffenen Gebiete zu senden. Ein Grund, weshalb der Katastrophenschutz angesichts häufiger werdender extremer Wetterlagen neu ausgerichtet werden muss. Denn die Folge solchen politischen Handelns sei klar: Politik- und Politikerverdrossenheit. „Das Vertrauen ins System geht verloren“, so Schneider, was man auch an den Corona-Protesten sehe.

 

Zur Person: Thorben Peping

 

Der 23-jährige Lindlarer hat 2017 sein Abitur gemacht und studiert seit 2018 Politikwissenschaft und Soziologie. Für Politik interessiert er sich schon früh, mit 16 Jahren tritt er in die SPD ein. Seit 2020 ist er in seiner Heimat Ratsmitglied. Im selben Jahr übernimmt er den Vorsitz der oberbergischen Jusos. Ein Wahlkampf über die Ortsgrenzen hinweg ist für ihn nichts Neues, so hatte er im vergangenen Jahr die organisatorische Leitung des Bundestagswahlkampfs der Oberberger Sozialdemokraten inne.

 

Dieses Vertrauen möchten er und auch Peping wieder stärken, beispielsweise mit neuen Beteiligungsmöglichkeiten für die Bürger am politischen Prozess. „Wir müssen die Menschen direkt fragen, was sie möchten und erwarten“, so Peping. Und den Bürgern zudem auch manche Zusammenhänge besser erklären und näherbringen, zum Beispiel beim Thema Förderprogramme.

 

 

 „Für viele Bürger ist es unverständlich, warum jede Menge Fördergelder in große Projekte fließen, sie selbst aber viel Geld für den Straßenausbau vor ihrer Haustür in die Hand nehmen sollen.“ Ein gutes Stichwort: Denn das „Bürokratiemonster“ der Mischfinanzierung beim Thema Straßenausbaubeiträge würde die SPD gerne eliminieren, indem der Ausbau aus öffentlichen Kassen bezahlt und über die Steuern auf alle Bürger umgelegt wird. „Die Straßen werden ja auch von allen genutzt.“

 

Peping und Schneider fordern darüber hinaus die Abschaffung der Kita-Gebühren. „Die frühkindliche Entwicklung ist so entscheidend, dafür sollte man nicht zahlen müssen. Studiengebühren wurden schließlich auch wieder abgeschafft“, sagt Schneider. Wichtig sei zudem, dass die Kommunen bei ihren Finanzen wieder mehr Spielraum erlangten. Sie müssten vom Land finanziell besser ausgestattet werden, sodass die Kommunen nicht so extrem von Steuereinnahmen abhängig sind – und die Steuersätze senken können.

 

Zur Person: Tobias Schneider

 

Der 39-jährige Morsbacher ist verheiratet, hat einen Sohn und leitet zwei Wohnhäuser für schwerst-mehrfach Behinderte. Vor seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger war er dabei auf gänzlich anderen Pfaden unterwegs, als er nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker absolvierte und auch in der IG Metall aktiv war. Erst der Zivildienst brachte den Branchenwechsel. Zu dieser Zeit war er bereits politisch engagiert. Er trat mit 16 Jahren in die SPD ein, ist seit 2009 Ratsmitglied in Morsbach und seit 2014 Kreistagsmitglied. Seit 2020 ist er zweiter Stellvertreter des Landrats.

 

Weiter sollte die für Oberberg wichtige Industrie in ihrem Strukturwandel hin zu mehr Nachhaltigkeit unterstützt werden. Dazu gehöre es beispielsweise, die Voraussetzungen für den Nachwuchs zu schaffen, in der Industrie und in anderen Branchen. „Das bedeutet zeitgemäße Ausstattung und genügend Lehrer in den Berufsschulen“, sagt Schneider.  „Und zwar wohnortnah.“

 

Bildungspolitik, Klimawandel, Tourismus: Die Palette an Themen, die Peping und Schneider am heutigen Morgen auf dem Tisch ausbreiten, ist bunt. Und mit den Lösungen möchten sie auch die Gesellschaft in 20 Jahren im Blick haben, nicht nur die jetzige, betont Peping. Wie sie diese Themen an die potenziellen Wähler bringen, können sie nun zeigen.

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