POLITIK
Schuleingangsuntersuchungen: Kinder mit viel Medienkonsum sind verhaltensauffälliger
Oberberg – Das Gesundheitsamt informierte über Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen für den Einschuljahrgang 2025/2026 – Mehr als 3.000 Kinder im Kreis stellten sich vor.
Von Lars Weber
Viel Schatten, aber auch ein paar kleine Lichtblicke. Dies ist das Fazit, dass man aus den Ergebnissen der Schuleingangsuntersuchungen für den Einschuljahrgang 2025/2026 schließen könnte. Im Ausschuss für Gesundheit und Notfallvorsorge des Oberbergischen Kreises sind die Ergebnisse nun von Natalia Jörg und Sarah Leisner vom Kreisgesundheitsamt vorgestellt worden. Im Rahmen der Untersuchungen wurden insgesamt 3.037 Kinder von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes unter die Lupe genommen.
Einen Fokus legte das Gesundheitsamt auf den Medienkonsum der Kinder. Demnach würden 51 Prozent der Kinder weniger als eine Stunde am Tag Medien wie Handy oder Fernsehen nutzen. 35 Prozent nutzten Medien länger als eine Stunde und 9 Prozent mehr als zwei Stunden am Tag. Jörg und Leisner wiesen hier allerdings auch darauf hin, dass es sich um freiwillige Angaben der Eltern handelt. Ein Zusammenhang mit einem speziellen Sozialraum ließe sich hier – im Gegensatz zu Indikatoren wie Schwimmfähigkeit, Gewicht, Körperkoordination oder Sportvereinsmitgliedschaft – aber nicht feststellen.
Wohl aber stellten sie einen deutlichen Zusammenhang zwischen erhöhtem Medienkonsum und einer verminderten Körperkoordination und Kindern mit Adipositas fest. So seien Kinder mit einem Mediennutzungsverhalten über zwei Stunden täglich nur zu 39 Prozent im Sportverein angebunden. Wer unter einer Stunde vor Bildschirmen verbringt, sei dagegen zu 63 Prozent im Sportverein. „Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten haben eine längere Mediennutzungsdauer.“ Eine mediale Aufklärung der Eltern sei zwingend notwendig. „Vielen Eltern ist nicht bewusst, was für enorme Auswirkungen der Medienkonsum auf ihre Kinder hat“, so Leisner.
Untersucht wurde zudem unter anderem die sprachliche Entwicklung der Kinder. Demnach seien 18 Prozent der Vorschulkinder wegen einer Auffälligkeit in ihrer Sprachentwicklung behandelt worden. Zusätzlich sei bei weiteren neun Prozent eine medizinisch-therapeutische Abklärung empfohlen worden. Im Oberbergischen Kreis stagnierten die Zahlen auf diesem Niveau, sagte Natalia Jörg. Im Vergleich zu den Zahlen im Land seien die Ergebnisse im Kreis sogar etwas besser. Nach Angaben der Eltern sei mit 22 Prozent der Kinder in den ersten vier Lebensjahren überwiegend eine andere Sprache als Deutsch gesprochen worden. Von diesen Kindern hatten laut Kreisverwaltung 39 Prozent keine ausreichenden Deutschkenntnisse, 27 Prozent sprachen flüssig Deutsch, aber mit erheblichen Fehlern, und 34 Prozent sprachen mit nur leichten Fehlern oder fehlerfrei Deutsch.
Bezüglich des Körpergewichtes hat es im Oberbergischen seit 2019 keine signifikante Zunahme der Adipositas gegeben. Dennoch seien im Untersuchungszeitraum vier Prozent der untersuchten Kinder adipös gewesen, fünf Prozent galten als übergewichtig. Laut Natalia Jörg seien etwas mehr Mädchen als Jungen übergewichtig. Ein Trend, den man beobachten müsse. 24 Prozent der untersuchten Kinder konnten nach Elternangaben schwimmen (Seepferdchen-Abzeichen), während der Großteil (76 Prozent) noch nicht schwimmen konnte. 58 Prozent der untersuchten Vorschulkinder waren nach Angaben der Eltern Mitglied im Sportverein. Bei diesen Zahlen erinnerte Jörg auch daran, wo sie herkommen. „Bei den Nichtschwimmern waren wir auch schon bei unter 20 Prozent.“ 2021 seien zudem nur knapp 50 Prozent der untersuchten Kinder in einem Verein gewesen. Die Tendenz gehe also in die richtige Richtung.
Untersucht wurde auch die Körperkoordination der Kinder, die nicht zuletzt mit einer körperlichen Aktivität, der motorischen Leistung, kognitiven Fähigkeiten und der psychosozialen Entwicklung in Verbindung stehe. Der Anteil der gut entwickelten Körperkoordination sei zwar stabil geblieben – dieser liegt bei 78 Prozent. Allerdings: Der Anteil therapiebedürftiger Koordinationsstörungen habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Acht Prozent der Kinder zeigten sich auffällig (deutlich mehr Jungen als Mädchen), 14 Prozent grenzwertig.
Die Visuomotorik umfasst als „Hand-Auge-Koordination“ das Erkennen und Zeichnen von vorgegebenen Formen. Sie ist wichtig für das Erlernen von Lesen und Schreiben. Es bleibe das Sorgenkind des Kreises bei den Schuleingangsuntersuchungen. Gerade seit Corona habe es eine stetige Verschlechterung gegeben. Im Einschuljahrgang 2024/2025 seien nur knapp über 60 Prozent der Kinder unauffällig gewesen. Nun gebe es zwar wieder leichte Verbesserungen. Allerdings gebe es weiter bei 33 Prozent auffällige Werte in der Visuomotorik (grenzwertig: 16 Prozent, auffällig: 17 Prozent). Bei den Jungen (22 Prozent auffällig) sei die Verschlechterung in der Hand-Auge-Koordination noch stärker zu beobachten als bei den Mädchen (12 Prozent auffällig).
Förderlich für bessere Ergebnisse zum Beispiel in Sachen Visuomotorik, Deutschkenntnisse oder die altersgerechte Sprachentwicklung sei die Kitabesuchsdauer. Die Kinder, die mehr als drei Jahre so betreut wurden, seien fast zu 85 Prozent altersgerecht entwickelt. Jene Kinder, die weniger als zwei Jahre eine Kita besuchten, seien dagegen weniger als 50 Prozent altersgerecht entwickelt. Der Kreis weist aber auch darauf hin, dass es nicht nur auf die Quantität, sondern auch auf die Qualität in den Kitas ankomme.
Weitere Untersuchungen des Gesundheitsamtes wurden bei 170 Kindern durchgeführt, die aus dem Ausland zugezogen sind (sogenannte „Seiteneinsteigeruntersuchungen“). Darüber hinaus seien 99 weitere Gutachten nach dem Schulgesetz NRW erstellt worden sowie 169 nach dem AOSF-Verfahren (Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung).
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