POLITIK
MVZ Oberberg: Räume fertig, Arzt fehlt
Oberberg – Kreis weiterhin auf intensiver Suche, um das hausärztliche Angebot zu starten und die Versorgung im Planbereich zu verbessern – Vier Behandlungsräume, ein Labor und ein EKG-Raum.
Von Lars Weber
Große Hoffnungen haben Verwaltung und Kreistag mit dem neuen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Waldbröl, angesiedelt in einem Gebäude am dortigen Kreiskrankenhaus, verbunden. Das MVZ Oberberg soll die Lücke bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zumindest ein wenig füllen. Dies gilt besonders für den Planungsbereich Waldbröl der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Zu dem Bereich gehören neben der Marktstadt auch Nümbrecht und Morsbach. Er gehört zu den Gebieten mit der schlechtesten Versorgungsquote in ganz Nordrhein-Westfalen. Aktuell liegt sie bei 78 Prozent, wie Gesundheitsamtsleiterin Kaija Elvermann bei der Sitzung des Kreisgesundheitsausschusses erklärte. Bei unter 75 Prozent spricht man von Unterversorgung, ab 100 Prozent gilt ein Bereich als „bedarfsgerecht“ versorgt. Doch wann das MVZ Oberberg an den Start gehen kann, bleibt weiter unklar. Nachdem das eigentliche Ziel, im Oktober 2025 zu öffnen, nicht gehalten werden konnte, ist der Kreis nun vorsichtig geworden, einen Termin im Kalender rot einzukringeln. Die Suche nach Ärzten geht weiter.
„Die intensive Akquise läuft“, so Elvermann auf Nachfrage der Ausschussmitglieder. Positiv: Da das Angebot des Medizinstipendiums gut angenommen werde – der Kreis unterstützt hier aktuell 14 angehende Mediziner – werde das MVZ mittelfristig von dieser Entwicklung profitieren. Zum Start aber brauchen sie jemanden mit Weiterbildungsbefugnis. „Der Prozess ist wirklich schwierig, der Markt ist nicht üppig“, so Elvermann. Über Kontakte am zuständigen Lehrstuhl an der Universität werde versucht, Interessenten noch zielgerechter anzusprechen. Der persönliche Kontakt soll also bei der Überzeugungsarbeit helfen. Einen Zieltermin, wann der Kreis eine Ärztin oder einen Arzt präsentieren möchte, nannte Elvermann nicht.
Dafür sind die Räumlichkeiten des hausärztlichen Medizinischen Versorgungszentrums auf dem Gelände des Krankenhauses so gut wie fertig. Das MVZ wird über vier moderne Büro- beziehungsweise Behandlungsräume sowie ein Labor und einen EKG-Raum verfügen. Durch die räumliche Nähe zum Kreiskrankenhaus können die im MVZ tätigen Ärztinnen und Ärzte weitere spezialisierte Diagnostik mit den Kolleginnen und Kollegen der Kliniken abstimmen, so der Plan.
Das Nest ist also gemacht. Die Situation erinnert aktuell an die Versuche der Gemeinde Nümbrecht, ein kommunales medizinischen Versorgungszentrum zu starten. Potenzielle Räume waren vorhanden, aber die Mediziner wollten auch nach langer Suche nicht anbeißen (OA berichtete), weshalb die zugehörige GmbH inzwischen ruht.
Allerdings ist das MVZ Oberberg eine Tochtergesellschaft von Klinikum Oberberg und des Oberbergischen Kreises, der Hintergrund also schon ein anderer als in Nümbrecht. Die Verwaltung setzt zudem darauf, dass die Verzahnung mit dem Stipendienprogramm und auch mit Oberberg FAIRsorgt (siehe Kasten) attraktiv ist. Weitere Informationen zum MVZ Oberberg und die Stellenanzeige gibt es auch hier.
„Keine Empfehlung“ für Oberberg FAIRsorgt
Nach dem schwierigen Start mitten in der Pandemie hat das Innovationsprojekt Oberberg FAIRsorgt nicht nur etliche Preise gewonnen, es wurde nach Ablauf der ersten Förderphase auch durch den Kreis weitergeführt. Die gesamte geschaffene Struktur ist inzwischen in den Stellenplan des Oberbergischen Kreises aufgenommen worden. Die 3,5 Care- und Case-Managerinnen-Stellen konnten dabei über den Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst finanziert werden, der jedoch voraussichtlich am 31. Dezember 2026 ausläuft. Ziel von Oberberg FAIRsorgt ist es, Medizin und Pflege so zu vernetzen, dass Patientinnen und Patienten mehr Lebensqualität empfinden und möglichst lange zuhause leben können.
Vom Gemeinsamen Bundesausschuss gab es nun „keine Empfehlung“ für die Überführung in die Regelversorgung. Eine Entscheidung, die der Kreis so erwartet hatte. Unter anderem, weil die statistischen Daten, die gesammelt werden konnten, zu wenig signifikant waren. Hier spielte mit hinein, dass in der ersten Förderphase nur eine Krankenkasse am Projekt beteiligt war und auch die Zahl der teilnehmenden Patienten aufgrund der Pandemie reduziert werden musste. Großes Lob gab es aber trotzdem vom GBA. Die einzelnen Teilleistungen konnten sowohl die zu Versorgenden als auch die an der Versorgung Beteiligten überzeugen, heißt es.
Gesundheitsdezernent Ralf Schmallenbach zeigte seine Unzufriedenheit mit der Entscheidung. „Dass es für uns keine Empfehlung gibt, sagt viel über das deutsche Gesundheitssystem aus.“ Dort zählten vor allem Cents und Euros. „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.“ Auf sie zielen Mehrleistungen wie Telemedizin oder die Fallmanager als „Kümmerer“ ab. „Es gibt tausende Menschen, die nicht wissen, wie sie aus der Tür kommen. Wir wollen uns kümmern.“ Schmallenbach stellte die Frage, ob nicht an falscher Stelle gespart werde.
Weitere Informationen zum Projekt Oberberg FAIRsorgt gibt es hier.
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