POLITIK

Mehr Raum für den Mittelstand

pn; 20.07.2026, 15:07 Uhr
Symbolfoto: Peter Notbohm ---- Reichshofs Verwaltung soll den tatsächlichen Bedarf an Gewerbeflächen systematisch erfassen, weitere Flächenpotenziale prüfen und bei der zukünftigen Vermarktung bislang nicht vermarkteter Flächen im bestehenden Gewerbegebiet Wehnrath insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, Handwerksbetriebe sowie Existenzgründungen stärker berücksichtigen.
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Mehr Raum für den Mittelstand

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pn; 20.07.2026, 15:07 Uhr
Reichshof – Auf Antrag der FDP hat Reichshofs Politik beschlossen, dass die Verwaltung kleine und mittlere Unternehmen bei der Suche nach Gewerbeflächen künftig stärker unterstützen soll.

Von Peter Notbohm

 

Unternehmen und Betriebe, die Gewerbeflächen suchen, haben es in Reichshof nicht leicht. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen müssen mittlerweile wegen fehlender verfügbarer Flächen teilweise in Nachbarkommunen ausweichen. Mehr Raum für den Mittelstand fordert deshalb nun ein Antrag der FDP-Fraktion, den Reichshofs Politik in der vergangenen Ratssitzung mit großer Mehrheit befürwortet hat.

 

Die Verwaltung wird hierdurch beauftragt, potenzielle Interessenten, die in der Gemeinde nach Bauflächen suchen, in Interessenlisten zu erfassen. Gleichzeitig soll nach Lückenschlüssen außerhalb der eigentlichen Gewerbeflächen gesucht werden. Zudem hat die FDP die noch zu vermarktenden Flächen im Gewerbegebiet Wehnrath ins Auge gefasst. Hier sollen kleinere Unternehmen, Handwerksbetriebe, regionale Unternehmen oder Existenzgründungen bei der Vergabe bevorzugt behandelt werden.

 

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Von einer besseren Vermarktung würde auch die Gemeinde profitieren, da die Gewerbesteuer den größten Anteil des jährlichen Haushalts ausmacht. „Wirtschaft braucht Raum. Gerade unsere heimischen Betriebe benötigen Entwicklungsperspektiven – nicht irgendwann, sondern heute“, argumentiert Monika Treutler (FDP). Den Bedarf sieht man auch im Reichshofer Rathaus. Der neue Wirtschaftsförderer Robin Becker, der die lange vakante Stelle erst im Juni übernommen hat, erklärte, dass eine solche Liste bereits geführt werde und er dabei sei, diese zu sortieren.

 

Auch Bürgermeister Jan Gutowski sprach von „einem Markt, in dem Bewegung ist“. Noch sei die Liste kurz, die Nachfrage sei in den vergangenen Monaten allerdings gestiegen. „Wir merken, da kommt was ins Rollen.“ Im Rathaus sei man sehr darauf bedacht, die Flächen sinnvoll zu vergeben, damit „sie für uns ein Mehrgewinn sind“, so Gutowski. „Ein klassischer Handwerksbetrieb kann auch wo anders als in einem Gewerbegebiet angesiedelt werden“ ergänzte Sarah Schmidt, Allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters. Dass die notwendigen Flächen häufig im Privateigentum stehen, sieht sie nicht als Hindernis. Die Gemeinde sehe sich auch als Vermittler, die zudem Nutzungen möglichen machen könne.

 

Für Diskussionen sorgte in Reichshofs Politik nur eine der vier Forderungen der FDP. Dass bei der Vermarktung der noch zu Verfügung stehenden Flächen im Gewerbegebiet Wehnrath künftig vorrangig kleine und mittlere Unternehmen vorrangig behandelt werden sollen, stieß bei der FWO und der Linken (6 Nein-Stimmen sowie eine Enthaltung der Grünen) auf Widerstand. Karl Bodo Leienbach (FWO) störte sich an der Verpflichtung und wollte den Antrag an dieser Stelle in eine „Soll-Vorschrift“ geändert haben. Er finde es „nicht richtig, dass die großen Unternehmen raus sein sollen“. Ein eigener abgeänderter FWO-Antrag fiel mehrheitlich bei acht Enthaltungen von AfD und Grünen allerdings durch.

 

Lukas Hillen (FDP) argumentierte dagegen, dass der sogenannte Stiefel am Ende des Gewerbegebiets Wehnrath, den die Verwaltung bislang aus taktischen Gründen zurückgehalten hat, für große Betriebe ohnehin nicht interessant sei. Die FDP-Fraktion kündigte an, bestärkt aus Gesprächen mit Unternehmen und Handwerkern, dem Trend auch weiter entgegenwirken zu wollen. „Wir wollen den eingeschlagenen Weg mit weiteren Initiativen fortsetzen“, so Treutler.

 

Aus dem Rat

 

  • Der Reichshofer Gemeinderat hat den Jahresabschluss 2025 einstimmig festgestellt und Bürgermeister Jan Gutowski entlastet. Die Gemeinde hat das Haushaltsjahr mit einem Fehlbetrag von fast 8 Millionen Euro beendet, nachdem die Kosten für die Sanierung des Schwimmbades in Wildbergerhütte als sogenannte unterlassene Instandhaltung wirtschaftlich ins Haushaltsjahr 2025 verschoben wurden. Der Fehlbetrag wird durch die Auflösung der 4,9 Millionen Euro starken Ausgleichsrücklage und mit Verrechnung der Allgemeinen Rücklage kompensiert.

 

  • Einstimmig wurden die Leitsätze zur Umsetzung des „Gesetzes zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung“, den sogenannten Bau-Turbo der Bundesregierung vom Gemeinderat beschlossen.

 

  • Mehrheitlich bei einer Gegenstimme der FWO hat die Politik eine neue Geschäftsordnung für den Rat und die Ausschüsse erlassen. Damit wurde u.a. ein Ratsbeschluss umgesetzt, durch den die Einführung des papierlosen Sitzungsdienstes sowie die Einführung der Genehmigung der Niederschrift und die Tonbandaufnahme zur Erstellung der Niederschrift beschlossen wurde. Aus den Reihen der Politik kamen zudem weitere kleine (redaktionelle) Änderungswünsche. So wird es im Gemeinderat auf Antrag der SPD künftig in jeder Ratssitzung eine Einwohnerfragestunde geben.

 

  • Reichshofs Finanzen stehen weiter unter Druck. Kämmerer Gerd Dresbach berichtete, dass vor allem die Gewerbesteuer weiterhin 1,4 Millionen Euro unter dem für 2026 angenommenen Ansatz liege. Insgesamt liegt die Gemeinde derzeit 2 Millionen Euro unter dem Ansatz für 2026. Dresbach befürchtete in seiner Prognose, dass sich das Defizit bis Ende des Jahres noch auf 3,1 Millionen Euro verschlechtern wird. Das führe zu einem Eigenkapitalverzehr von 11,6 Prozent, was zu einer negativen Wirkung auf die Bedingungen für die Aufstellung der kommenden Haushalte führe.

 

  • Sarah Schmidt kündigte an, dass die Gemeinde künftig bei Sanierungen und Neubauten verstärkt Maßnahmen bzgl. des Klimawandelanpassungskonzeptes mitdenken werde. Aufgrund der immer häufiger auftretenden Hitzeperioden müsse man Verschattungen verbessern und Kühlmöglichkeiten schaffen. Auch für Bestandsgebäude müsse man langfristig Lösungen finden.

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