POLITIK

ISEK: Großer Ärger um kleinen Platz

ks; 09.10.2026, 17:00 Uhr
Fotos: Katharina Schmitz --- Der „Kamper Platz“ in Lindlar soll im Rahmen des ISEK umgestaltet werden (Aufnahme vom 16. Juni 2026).
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ISEK: Großer Ärger um kleinen Platz

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ks; 09.10.2026, 17:00 Uhr
Lindlar – Überraschte Gesichter im Gemeinderat – SPD, Grüne, BSW, Die Linke und die FDP kippen neue Planung für den „Kamper Platz“ – Doch kommt jetzt die Rolle rückwärts?

„Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“ ist ein Sprichwort, das wohl sehr gut zu der vergangenen Ratssitzung in Lindlar passt. Am Dienstag kam der Gemeinderat zu einer Sitzung zusammen, in der nochmals über das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) im Lindlarer Hauptort und dabei vor allem über die Umgestaltung des „Kamper Platzes“ gesprochen worden ist – ein Bereich, der eigentlich gar nicht „Kamper Platz“ heißt, aber im Zuge des ISEK von den Planern so genannt worden ist. Gemeint ist der kleine Platz im Ortskern, zwischen „Reisewelt“ und „Kemer Grill“, an dem die Kamper Straße auf die Bachstraße und die Brennergasse trifft. Ein kleiner Platz, über dessen Umgestaltung in Lindlar schon lange diskutiert wird.

 

Auch am 23. September ist in einer Sitzung des Bau- und Planungsausschusses darüber beraten worden, wie der „Kamper Platz“ umgestaltet werden soll. Während sich Lindlars Politik mit Blick auf den Kirchplatz letztlich auf einen Entwurf einigen konnte, sah das beim „Kamper Platz“ anders aus. Das wurde im Bau- und Planungsausschuss ebenso deutlich wie am vergangenen Dienstag im Gemeinderat. Die Fraktionen von CDU und BSW sowie die FDP sprachen sich – zumindest verbal – für die neuste Variante aus, die vom Planungsbüro „Holzem und Hartmann“ aus Neunkirchen-Seelscheid ausgearbeitet worden ist; die Fraktionen von SPD, Grünen und Die Linke favorisierten hingegen den Entwurf des Planungsbüros „B.A.S.“ aus Dortmund, das seit 2022 an den Planungen für das ISEK im Ortskern arbeitet.

 

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Mit Blick auf eine Sitzung des Lenkungskreises am 25. Juni dieses Jahres hat das Planungsbüro „B.A.S.“ weitere Varianten für den „Kamper Platz“ erarbeitet; eine Mehrheit fand aber keine dieser Ausarbeitungen. Stattdessen wurde im Rahmen des Lenkungskreises zusammen mit Bürgern ein neuer Vorentwurf erarbeitet, „in dem der gesamte Verkehr über die Platzmitte geführt wird“, sagte Architektin Juliane Kopperschmidt im September im Bau- und Planungsausschuss. „Das entspricht diametral unserer ursprünglichen Idee, auch nicht unserer Bürophilosophie.“ In Abstimmung mit der Verwaltung ist das Planungsbüro „B.A.S.“ deshalb an dieser Stelle aus der Planung ausgestiegen. Die Ausführungsplanung übernommen hat dann das Planungsbüro „Holzem und Hartmann“, das auch mit der Tiefbauplanung im Ortskern beauftragt ist.

 

[Die beiden Varianten zum „Kamper Platz“. Oben: Planungsbüro „B.A.S.“ aus Dortmund; unten: Planungsbüro „Holzem und Hartmann“ aus Neunkirchen-Seelscheid.]

 

Auf dem Tisch lagen am Dienstag also diese beiden Varianten, wobei der Förderantrag laut Nicole Mirgeler, Leiterin der Stabsstelle Gemeindeentwicklung, mit der ursprünglichen Planung des Büros „B.A.S.“ gestellt worden ist. Unabhängig davon, welcher Entwurf eine Mehrheit erzielen würde, gäbe es keinen Zeitverzug, erklärte sie. „Ich muss nur wissen, was ich tun soll.“ Anders als im Bau- und Planungsausschuss, in dem es nur eine Abstimmung über die Umgestaltung des historischen Ortskerns in seiner Gesamtheit gab, kam Bürgermeister Sven Engelmann der Bitte von SPD und Grünen nach, getrennt über die Maßnahmen am Kirchplatz und am „Kamper Platz“ abstimmen zu können.

 

Im Bau- und Planungsausschuss votierten die Fraktionen von CDU und BSW für den aktuellen Entwurf zur Umgestaltung des Kirchplatzes sowie bezüglich des „Kamper Platzes“ für den Entwurf des Büros „Holzem und Hartmann“ – der nun mal zur Abstimmung stand. Die SPD, die Grünen und der Ausschussvorsitzende Lutz Freiberg enthielten sich; Die Linke und die FDP waren in dieser Sitzung nicht stimmberechtigt. Doch im Gemeinderat gab es ein anderes Ergebnis, wurde der Beschlussvorschlag zuvor gesplittet. Der Entwurf für den Kirchplatz ging am Abend einstimmig durch den Rat, doch der Entwurf für den „Kamper Platz“ vom Büro „Holzem und Hartmann“ wurde abgelehnt. Während die CDU und Bürgermeister Engelmann ihre Hand für den Entwurf hoben, votierten SPD, Grüne, Die Linke und überraschenderweise auch das BSW und die FPP dagegen. Damit wurde der Entwurf mit 15 zu 14 Stimmen abgelehnt.

 

[Der „Kamper Platz“ mit Blick auf St. Severin.]

 

So groß wie die Freude auf der einen Seite war, so groß war der Ärger auf der anderen. Diskutiert wurde darüber nicht zuletzt in den Sozialen Medien – so etwa auf den Facebook-Seiten der Lindlarer CDU und der Lindlarer Grünen. Doch auch wenn die Abstimmung jetzt durch ist, scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein. Wie Peter Waldmann, Fraktionsvorsitzender des BSW, gegenüber OA bestätigt hat, hat das BSW noch in dieser Woche einen Antrag zur Aufhebung des Ratsbeschlusses gestellt. „Das war ein Missverständnis“, sagte Waldmann mit Blick auf die Abstimmung. „Wir haben es wirklich falsch verstanden.“ Auch im Gespräch mit OA wiederholte der Fraktionsvorsitzende, dass das BSW den Entwurf von „Holzem und Hartmann“ befürworte. Demnach wäre der Entwurf mit 16 zu 13 Stimmen durchgegangen. „Ich hoffe, dass wir das noch geradegebogen bekommen“, sagte der BSW-Politiker.

 

Im Bereich des Kirchplatzes wurde der Entwurf derart überarbeitet, als dass auch künftig der Karnevalszug der KG Rot-Weiß Lindlar mit seinen großen Wagen an St. Severin vorbeiziehen kann. Das geplante Grauwacke-Objekt sowie die angedachten Stufen wurden aus der Planung entfernt. Ein Wasserspiel vor der Kirche ist aber in dem Entwurf geblieben.

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