POLITIK

Förderschule statt Schullandheim?

lw; 29.05.2026, 17:00 Uhr
Fotos: Lars Weber --- Die Mitglieder des Kreisschulausschusses machten sich vor Ort ein Bild vom Gelände und den Gegebenheiten. Wenn eine Schule hier gebaut wird, müsste das Schullandheim abgerissen werden.
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Förderschule statt Schullandheim?

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lw; 29.05.2026, 17:00 Uhr
Bergneustadt – Dritter Standort für eine Bildunsgeinrichtung mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung könnte über den Dächern Bergneustadts entstehen – Noch ist nichts in trockenen Tüchern – Kreis muss Helen-Keller- und Anne-Frank-Schule entlasten.

Von Lars Weber

 

Die Nachfrage für Plätze an den beiden Förderschulen des Oberbergischen Kreises mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, inzwischen platzen sowohl die Helen-Keller-Schule in Wiehl-Oberbantenberg als auch die Wipperfürther Anne-Frank-Schule aus allen Nähten. Mit dem Kauf und dem sich im Umbau befindlichen Paul-Schneider-Haus in Oberwiehl als Interimslösung versucht der Kreis bereits, gegenzusteuern. Schon im Sommer vor zwei Jahren beauftragte der Kreistag die Verwaltung zudem damit, in die Planungen für einen regulären dritten Standort für eine Förderschule mit gleichem Förderschwerpunkt einzusteigen. Nun könnten die Planungen Fahrt aufnehmen. Der Schulausschuss hat am Donnerstagnachmittag dafür extra in Bergneustadt getagt. Dort wurde sich am Dreiort das alte Schullandheim angeschaut, wo die dringend benötigte dritte Förderschule entstehen könnte.

 

Die Lage an den bestehenden Schulen ist schon länger schwierig, besonders für die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte, ging Stefan Heße, in sein Dezernat fällt auch das Schulamt, bei der Sitzung auf die Vorgeschichte ein.  Die Helen-Keller-Schule habe ihre Kapazitätsgrenze bereits seit einigen Jahren überschritten (aktuell rund 170 Schülerinnen und Schüler, errichtet seinerzeit für 110 Schülerinnen und Schüler). Um eine kurzfristige Entlastung zu erreichen, wurden Schülerinnen und Schüler, die eigentlich näher zur Helen-Keller-Schule wohnen, in der Anne-Frank-Schule beschult. Mittlerweile habe allerdings auch die Anne-Frank-Schule ihre Kapazitätsgrenze überschritten (aktuell etwa 130 Schülerinnen und Schüler, errichtet seinerzeit für 100 Schülerinnen und Schüler). „Eine Beschulung ist kaum möglich“, sagte Heße bei der Sitzung im Krawinkelsaal.

 

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Wie Eva Böhm, Schulleiterin der Anne-Frank-Schule, berichtete, müsse man inzwischen auf spezielle Fachräume verzichten, um alle Schüler unterbringen zu können. Kritisch seien auch die Wege, die so mancher Schüler in Kauf nehmen muss. Wer beispielsweise aus Bergneustadt kommt, sei über eine Stunde mit dem Bus nach Wipperfürth unterwegs. „Und wenn das Kind dann Bauschmerzen hat und abgeholt werden muss, aber die Eltern vielleicht keinen Führerschein haben, dann haben wir ein Problem…“

 

Warum die Zahlen in den vergangenen Jahren derart nach oben gegangen sind, dafür hatte niemand eine eindeutige Erklärung. Laut Böhm gebe es dazu keine langfristige Untersuchung. Klar sei aber, dass dieser Trend über Oberberg und NRW hinausgehe. „Und Eltern suchen sich das nicht aus, ihre Kinder zu uns zu schicken.“ Jedes Kind habe ein Diagnoseverfahren durchlaufen, bei dem ein Förderbedarf festgestellt werde.

 

Etwas Entspannung soll durch das umgebaute Paul-Schneider-Haus in Oberwiehl geschaffen werden, das aber wohl erst zum Schuljahr 27/28 in Betrieb gehen kann. Es sollen dort die Schülerinnen und Schüler in der Berufspraxisstufe der Helen-Keller-Schule beschult werden. Eine Dauerlösung sei das umgebaute Gemeindehaus nicht, so Heße. Da aber die Planung und Realisierung eines dritten Standorts mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen wird, sei das Interim nichtsdestotrotz ein wichtiges Puzzleteil, um den Schulen schnellstmöglich zu helfen.

 

Um nun sicherzustellen, dass der Bedarf einer weiteren Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung auch langfristig besteht, wurde das Büro Gebit aus Münster als externer Gutachter mit einer Bedarfsanalyse beauftragt. Das Gutachten wird voraussichtlich im Juli vorliegen. Die Zahlen seien als Basis für die Größe und Dimension einer dritten Schule entscheidend. Zumal sich aktuell der Trend zeige, dass der Bedarf bei dem Förderschwerpunkt weiter steige, aber die Zahl der Kita-Anmeldungen – also den Schülern von morgen und übermorgen - aktuell zurückgingen.   

 

[Archivfoto (unten): Michael Kleinjung.]

 

Das Areal, auf dem aktuell noch das alte Schullandheim steht, habe eine gute Lage und Größe, um dort den speziellen Anforderungen einer Förderschule gerecht zu werden. Klassenräume seien dort ebenso anders gestaltet wie die Fachräume, zudem müssen Kinder ab dem Grundschulalter bis zum Schulende nach zwölf Jahren dort untergebracht werden. Die größte Herausforderung sieht Heße bei der Zuwegung, wie der Kreisdezernent bei der Ortsbesichtigung über den Dächern Bergneustadts sagte. Die Straße „Zum Dreiort“ führt zum einen durch ein Wohngebiet und sei zum anderen sehr schmal und nicht gut in Schuss. Dabei bedeute der Schülerspezialverkehr vor allem eines: „Viele Fahrzeuge!“, und zwar von Taxis bis zu Kleinbussen. Genug Fläche, damit die Fahrzeuge sich oben auf dem potenziellen Schulgelände nicht begegnen, sei vorhanden. Bei der Zuwegung müsse aber nachgebessert werden.

 

Obwohl das ehemalige Schullandheim von außen keinen schlechten Eindruck macht, wäre das Gebäude bei einer Realisierung nicht zu halten. Zu alt ist es von innen, zu schlecht geschnitten für die Anforderungen einer Schule. Es müsste also abgerissen werden. Für jene Vereine, die einige wenige Räume aktuell noch nutzten, könnte es Nachnutzungsvereinbarungen geben. Dafür könnte zudem eine neue Sporthalle, die bei einem Neubau dazugehören würde, auch Vereinen zur Verfügung gestellt werden. 

 

Der Kreis habe bereits Kontakt mit der Stadt Bergneustadt aufgenommen. Die Verhandlungen laufen noch, so der Kreis. Reinhard Schulte, der Vorsitzende des Kreisschulausschusses und Urgestein der CDU im Neustädter Stadtrat, betonte, dass die Stadt Interesse daran habe, dass der Kreis mit dem dritten Förderschulstandort zu ihnen komme. „Bergneustadt ist bereit dafür!“ Zuletzt scheiterten andere Überlegungen. So schob die Bezirksregierung unter anderem SPD-Plänen einen Riegel vor, dort Wohnraum entstehen zu lassen.

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