POLITIK

Fast 3 Millionen Euro Kosten: Umbau für neuen Schulstandort soll bald starten

lw; 06.03.2026, 15:00 Uhr
Fotos: Lars Weber --- Bis Ende 2024 gehörte das Paul-Schneider-Haus der evangelischen Kirche. Nun wird es ein Teilstandort der Helen-Keller-Schule.
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Fast 3 Millionen Euro Kosten: Umbau für neuen Schulstandort soll bald starten

lw; 06.03.2026, 15:00 Uhr
Wiehl – Helen-Keller-Schule bekommt im ehemaligen Paul-Schneider-Haus in Oberwiehl eine Dependance – Einbahnstraßenregelung bekommt grünes Licht - Dritte Förderschule weiterhin geplant.

Von Lars Weber

 

Etwas Geduld ist noch gefragt: Spätestens zum Schuljahr 2027/28 sollen die Abschlussklassen der Helen-Keller-Schule in Wiehl-Oberbantenberg im ehemaligen Paul-Schneider-Haus in direkter Nachbarschaft zur Grundschule Oberwiehl, dem Kindergarten und zur Sprachförderschule des Kreises unterrichtet werden. Dafür sind in dieser Woche weitere Weichen gestellt worden. Der Bauausschuss des Kreises gab seine Zustimmung zu einer überplanmäßigen Auszahlung für den Ausbau des Förderschulstandorts. Rund 3 Millionen Euro Gesamtkosten werden dafür veranschlagt, 2 Millionen Euro mehr als zunächst in den Haushalt eingestellt worden waren. Außerdem gab der Wiehler Stadtentwicklungsausschuss grünes Licht für das Verkehrskonzept vor Ort.

 

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Der Start des Teilstandorts, ebenfalls mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“, ist schon lange in der Mache. Schon 2023, als die ersten Ergebnisse der Schulentwicklungsplanung für die kreiseigenen Berufs- und Förderschulen vorgestellt (OA berichtete) wurden, bestätigten diese, was Kreis und Politik bereits bewusst war: Die Zahlen an den Förderschulen steigen immer weiter, und das „extrem“, wie Baudezernent Felix Ammann bei der Sitzung des Bauausschusses noch einmal betonte. Einst für rund 110 Schüler gebaut, befinden sich an der HKS seit 2020 rund 180 Schüler. Möglich ist das nur, weil Containerklassen auf dem Schulgrundstück errichtet und der Einzugsbereich anders zugeschnitten wurde, sodass die Anne-Frank-Schule in Wipperfürth mehr Schüler aufnahm.

 

„Beide Schulen sind inzwischen über ihren Kapazitäten“, so Ammann. Die Entscheidung für eine Interimslösung wurde getroffen und vor anderthalb Jahren konnte die schwierige Suche nach einer geeigneten Immobilie mit dem Kauf des ehemaligen Gemeindehauses in Oberwiehl beendet werden. Zwischenzeitlich steht die nötige Veränderung des dortigen Bebauungsplans kurz vor dem Abschluss, er ist gerade in der Offenlage, parallel werde der Bauantrag des Kreises geprüft, hieß es am Donnerstagabend im Stadtentwicklungsausschuss im Wiehler Rathaus.

 

Wenn die Voraussetzungen geschaffen sind, möchte der Kreis umgehend und zeitnah loslegen mit dem Umbau des Paul-Schneider-Hauses.  Im Kreishaus geht man davon aus, dass die Baumaßnahmen bis zum Frühjahr 2027 fertig gestellt sind, sodass im Sommer der Umzug erfolgt und der Schulbetreib nach den Sommerferien im kommenden Jahr aufgenommen wird.

 

Auf den zwei Etagen muss die Barrierefreiheit hergestellt werden, dies wird über einen Erweiterungsbau mit Aufzug passieren. Auch im Innern wird viel passieren diesbezüglich bei den Toilettenanlagen, es müssen Pflegebäder geschaffen werden. Anfassen muss der Kreis auch die Elektroanlage.

 

[Die Hindelanger Straße herunter soll eine Einbahnstraße eingerichtet werden, um die Situation für die Fußgänger sicherer zu machen und die Parksituation strukturell zu verbessern, wie die Stadt Wiehl anstrebt.]

 

Vor dem Gebäude soll die verkehrliche Situation anders geordnet werden, durch den Schülerspezielverkehr – die Schülerinnen und Schüler kommen hauptsächlich mit Spezialbussen oder Taxis – solle das Wohngebiet nicht weiter belastet werden. Deshalb sollen diese Verkehre auf dem Grundstück des Schulteilstandorts abgewickelt werden, damit sie nicht auf der Hindelanger Straße halten müssen. Auch Parkplätze sind dabei berücksichtigt. Der Stadtentwicklungsausschuss beschloss in diesem Zusammenhang die Ausweisung der Hindelanger Straße als Einbahnstraße im Abschnitt zwischen Untere Dorfstraße und Hambuchstraße mit der Fahrrichtung bergab. Diese Regelung wurde auch von den Anwohnern befürwortet, so die Stadtverwaltung.

 

Gerade der Aufzug und die Umbauarbeiten im Außenbereich führen zu den höheren Ausgaben, so Kreisdezernent Ammann. Die berechneten Gesamtkosten für den Umbau belaufen sich auf rund 2,9 Millionen Euro. Im Kreishaushalt stehen 942.000 Euro zur Verfügung. Gedeckt werden soll die Differenz durch Mittel, die bei anderen Projekten nicht abgerufen werden müssen, so Ammann. Dazu zählt die Umlegung der Fernwärmeleitung am Wiedenhof im Gummersbach. Dies werden nun die Stadtwerke der Kreisstadt finanzieren. Hier hatte der Kreis sonst 500.000 Euro eingeplant. Außerdem frei wurden fast 1,5 Millionen Euro im Rahmen der Planung für den dritten Standort der Agewis auf dem Steinmüllergelände.

 

Wenn die Baumaßnahme abgeschlossen ist, sollen dort rund 40 Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen untergebracht werden. Dort gehe es laut Ammann vor allem um den Übergang von der Schule in den Beruf. Die jungen Menschen werden auf den Lebensalltag vorbereitet und lernten ganz praktische Dinge, zum Beispiel, wie sie ihren Alltag organisieren können.

 

Der Teilstandort ist aber nicht das Ende der Fahnenstange. Schon für die Anne-Frank-Schule prüft der Kreis, ob eine Kapazitätserweiterung noch in irgendeiner Art möglich sein könnte. Langfristig muss eine dritte Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung her. Man befinde sich bereits auf der Suche nach geeigneten Standorten. Ammann rechnet aber mit einer langen Vorlaufzeit. Dass sich der Bedarf kurzfristig anders darstellen könnte, scheint aktuell ausgeschlossen. „Der Schulentwicklungsplan kennt diesbezüglich nur eine Richtung“, so Ammann. Die Entscheidung für die höheren Ausgaben muss noch vom Kreistag final entschieden werden, der Bauausschuss sprach dafür aber eine einstimmige Empfehlung aus.

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