POLITIK
Die Zukunft des Monti: Schrauben an der Effizienz
Oberberg – Das On-Demand-Angebot soll fest in den oberbergischen ÖPNV integriert werden – Prüfung einer bedarfsorientierten Ausweitung – Kreistag muss entscheiden.
Von Lars Weber
Monti ist in Teilen Oberbergs inzwischen ein geflügeltes Wort. Ende 2021 startete das On-Demand-Angebot des ÖPNV im Auftrag von Kreis und OVAG zunächst zwischen Drabenderhöhe und Wiehl, später wurde das Gebiet erweitert. Inzwischen ist der Monti in Wiehl, Nümbrecht und Marienheide unterwegs, es gibt mehr als 800 feste und virtuelle Haltestellen. Der Monti, so berichten der Kreis und die teilnehmenden Kommunen, ist eine Erfolgsgeschichte. Von Beginn an bis zum April 2026 wurde das Angebot über Bundesfördermittel finanziert. Für den Rest des Jahres hatte der Kreistag die Mittel in den Haushalt eingestellt mit dem klaren Auftrag zu prüfen, wie der Monti auch über 2026 hinaus unterwegs sein kann. Herausgekommen ist ein Zukunftskonzept, das den Rahmen vorgeben soll, um das Projekt zu verstetigen, effektiver zu gestalten, behutsam zu erweitern und es als festen Bestandteil in das bestehende ÖPNV-Angebot zu integrieren. Die erste Vorstellung des Konzepts im Kreisentwicklungsausschuss am Montagnachmittag wurde von der Politik positiv aufgenommen, eine erste Abstimmung wurde aber noch verschoben. Final entscheiden soll der Kreistag am 25. Juni.
Mehr als 300 Fahrgäste am Tag haben die zehn Fahrzeuge inzwischen. „Für viele ist der Monti nicht mehr wegzudenken“, sagte Kreisplanungsdezernent Frank Herhaus. Gerade in Wiehl gebe es eine permanente Auslastung, so Michael Tünker, Leiter des Amtes für Planung, Entwicklung und Mobilität, der auch das Konzept vorstellte. Die Bewegungen in den Teilnehmerkommunen zeigten, dass der Monti für die Flächenerschließung der Siedlungslagen enorm wichtig sei, zumal sämtliche Altersklassen das On-Demand-Angebot nutzten und sehr zufrieden damit seien.
Klar ist aber auch: Das Angebot kostet Geld. 1,55 Millionen Euro kamen im Jahr 2025 zusammen, rund 300.000 Euro brachte er ein. Einsparungen ließen sich ausschließlich durch eine deutliche Reduktion der Betriebszeiten und der eingesetzten Fahrzeuge erzielen. Damit einher gehen würden aber große Verluste bei der Nachfrage, was dem Ruf des verlässlichen Monti schaden würde, fürchtet der Kreis. Daher möchte die Verwaltung am bisherigen Angebot festhalten, es aber effektiver gestalten.
Dies soll erreicht werden, indem die Fahrzeuge mit mehr Nutzern besetzt und Leerfahrten und Einzelfahren reduziert werden. „Hierdurch können zudem mehr Erlöse erzielt werden.“ Um dieses Ziel zu erreichen, soll es auf Seiten der Software Anpassungen an der landesweiten Plattform „rufmobil.nrw“ geben, die Buchungen über die App aufnimmt und verarbeitet. Zweite Stellschraube für mehr Effektivität: Zu häufig sei der Monti parallel auf denselben Strecken der Busse unterwegs, er fährt ihnen praktisch hinterher. Daher muss der Monti besser mit dem Linienverkehr verknüpft werden. Wer mit dem Monti eine bestimmte Strecke fahren möchte und der Bus dort zur gewünschten Zeit fährt, soll direkt in den Bus einsteigen – auch hier sollen Verbesserungen innerhalb der App helfen. Vereinzelt könnte wiederum auch der Monti einzelne Fahrten von Bussen ersetzen, wo diese außerhalb von Stoßzeiten kaum Auslastung haben. So wären wieder finanzielle Einsparungen möglich. Die Identifizierung solcher Optionen ist aber kompliziert und benötigt eine tiefe Analyse. Wichtig: Der Schülerverkehr habe immer Vorrang, er darf nicht eingeschränkt werden.
Bei einer Ausweitung des Angebots ist zunächst eines klar: Der Monti wird nicht so schnell in ganz Oberberg fahren. Es soll nicht mehr Personal eingestellt und es sollen keine weiteren Fahrzeuge angeschafft werden. Geprüft werden sollen bei einem positiven Votum des Kreistags zum Beispiel eine Ausweitung auf Teile von Reichshof, gerade das Gewerbegebiet Wehnrath stehe im Fokus, aber auch der Bereich zwischen Nümbrecht-Oberbreidenbach und Reichshof-Brüchermühle. In den Blick genommen werden sollen zudem Anknüpfungspunkte an den On-Demand-Bürgerbus in Waldbröl. Punktuelle Ergänzungen sollen auch für das Bediengebiet Marienheide unter die Lupe genommen werden, zum Beispiel Richtung Herreshagen oder Windhagen, also auf Gummersbacher Stadtgebiet. Bis Mitte des kommenden Jahres könnten alle Verbesserungen und Anpassungen auf den Weg gebracht sein. Anschließen soll sich eine Überprüfung, ob die Ziele tatsächlich erreicht werden.
Die Politik lobte die grundsätzliche Richtung, in die sich der Monti entwickeln soll. Moritz Müller (CDU) sieht das Angebot damit „auf einem guten Weg“. Das Konzept biete auch Perspektiven, um den Monti mittel- bis langfristig in weitere Kommunen zu bringen. Seb Schäfer (Grüne) sieht eine riesige Herausforderung bei den Kosten und brachte eine kommunale Mobilitätsabgabe ins Spiel, um mögliche Diskussionen zwischen den Kommunen zu entschärfen, da manche vom Angebot direkt profitierten und andere nicht. Dieses Spannungsfeld sieht auch Sebastian Franken (FDP). Moritz Müller oder auch Klaus Solbach (UWG) verwiesen auf das Solidaritätsprinzip innerhalb der „kommunalen Familie“ und warnten davor, jetzt alle Leistungen auseinanderzudividieren. Wolfgang Lenz (AfD) lobte den Monti als unterstützenswert und modernes ÖPNV-Angebot. „Das kostet eben Geld.“ Im Auge behalten sollte man die Kosten natürlich trotzdem, war sich die Politik einig. Da die FDP noch Beratungsbedarf anmeldete, soll erst im Kreisausschuss zum ersten Mal über die Zukunft des Monti angestimmt werden.
Entlastung für den Monti: Verlängerung der SB 56
Eine einstimmige Beschlussempfehlung für den Kreistag gab es vom Ausschuss für die Verlängerung der Schnellbuslinie SB 56 (Siegburg - Much) von Much nach Bielstein Schulzentrum. Die Umsetzung soll zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 erfolgen. Analysen aus dem Mobilitätskonzept sowie Betriebsauswertungen von Monti verdeutlichten signifikante Verkehrsbewegungen zwischen Drabenderhöhe, Bielstein und Dieringhausen sowie in den Raum Much. Nach eingehender Prüfung ist eine Verlängerung der Schnellbuslinie von Much über Drabenderhöhe nach Bielstein zum dortigen Schulzentrum umsetzbar und im Betriebsaufwand überschaubar.
Der Fahrplanentwurf sieht eine stündliche Bedienung montags bis freitags von etwa 5 bis 22 Uhr, samstags von 6 bis 22 Uhr und sonntags von 7 bis 22 Uhr vor. Die derzeit verkehrende OVAG-Linie 319 würde dann zwischen Drabenderhöhe und Bielstein durch den Schnellbus ersetzt. Auch mit Entlastungen für den Monti rechnet der Kreis. Außerdem positiv: Oberberger könnten dann von Bielstein ohne umzusteigen nach Siegburg gelangen, wo auch ICEs abfahren. Die Verbindung sei förderfähig, die Kosten von derzeit 120.000 Euro pro Jahr sollen in den gültigen Vertrag zwischen den Aufgabenträgern aufgenommen werden. Die Schnellbuslinie soll vollständig von der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) betrieben werden.
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