POLITIK

„Der Winter erschüttert hier niemanden“

lw; 09.01.2026, 13:52 Uhr
Fotos: Lars Weber --- Austausch im gut gefüllten Salzlager (v.li.): Straßenmeisterei-Leiter Thomas Penz, Thomas Raithel, Niederlassungsleiter Rhein-Berg des Landesbetriebs, NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer und Sven Sieberth, Leiter der Abteilung Betrieb und Verkehr bei Straßen NRW.
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„Der Winter erschüttert hier niemanden“

lw; 09.01.2026, 13:52 Uhr
Wiehl – NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer war heute Morgen mit einem Räum- und Streufahrzeug der Wiehler Straßenmeisterei unterwegs – Noch genug Salz vorhanden – Tag und Nacht alle Hände voll zu tun.

Von Lars Weber

 

Es ist ein aufregender Freitagmorgen gewesen in der Wiehler Straßenmeisterei des Landesbetriebs Straßen NRW, Regionalniederlassung Rhein-Berg. Los ging es direkt zum Betriebsstart, als gegen 3 Uhr die Arbeiter einen Einbrecher auf dem Gelände überraschten. Dieser hatte offensichtlich noch nicht mitbekommen, dass die Straßenmeisterei im höchsten Winter schon mitten in der Nacht in den Tag startet (OA berichtete). Rund drei Stunden später nahm dann Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, seine Schicht in Wiehl auf. Der Grünen-Politiker überzeugte sich nicht nur vor Ort von der Arbeit der Straßenwärter, er machte auch eine gut zweistündige Tour im Räum- und Streufahrzeug bis nach Meinerzhagen mit. Für geringste Aufregung sorgten an diesem Vormittag die Wetterverhältnisse. Betriebsleiter Thomas Penz warnte aber bereits: „Es bleibt Winter!“

 

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Unterwegs war Krischer mit Marcus Lang. Mit der Erfahrung von 36 Dienstjahren konnte er dem Minister das Fahrzeug ausführlich erklären und alle Fragen des Ministers zu Ablauf und Technik beantworten. Der Politiker hat die Fahrt jedenfalls genossen – am Flugplatz in Meinerzhagen zeigt der Höhenmeter die Zahl 470, es sei der höchste Punkt im Bezirk, so Penz. Dementsprechend war auf den Straßen alles dabei, von Schneematsch bis Neuschnee. Krischer dankte Lang für die Einblicke, die ihn bestätigt hätten, dass die Straßenmeistereien in NRW gut auf- und eingestellt seien für die Winterlage aktuell. „Der Winter erschüttert hier niemanden.“

 

[Bis nach Meinerzhagen und zurück ging die Tour von NRW-Verkehrsminister Krischer am Morgen.]

 

Besonders beeindruckt zeigte sich Krischer von der Erfahrung des Wiehler Teams, aktuell bestehend aus 19 Straßenwärtern, einem Schlosser und zwei Azubis. Lang, Penz, der 45 Dienstjahre vorweisen kann, und ihre Kollegen wissen, wo es schnell brenzlig wird, dementsprechend priorisiert sind die Straßen. Die Wiehler betreuen 282 Kilometer, 41 davon sind Bundesstraßen, 190 entfallen auf Landesstraßen und 51 auf Kreisstraßen. Die Strecken liegen zwischen 125 und eben 470 Höhenmetern. Die verbaute Technik– insgesamt sind einschließlich der Fahrzeuge von beauftragten Unternehmen zehn unterwegs an solchen Tagen – reagiert auch auf die Höhe bei der Ausbringung. „Das ist schon Hightech und die Fahrzeuge sehr beeindruckend“, so Krischer.

 

So wird gearbeitet bei der Straßenmeisterei
 

Der Winterbereitschaftsdienst beginnt um 3 Uhr und dauert bis 6:30 Uhr, am Abend erfolgt ein weiterer Bereitschaftsdienst von 17 bis 22 Uhr. Gerade morgens ist es laut Straßenmeisterei-Leiter Penz essentiell, vor dem Berufsverkehr fertig zu sein. Sonst stehe man selbst im Stau. Von 22 bis 3 Uhr gibt es eine weitere Nachtbereitschaft, die im Notfall einen festgelegten Bereich abdeckt. Die Autobahnzubringer sind als Hauptverkehrsachsen solche Passagen, die stets priorisiert sind. Dazu zählen auch Steigungsstrecken mit erhöhter Unfallgefahr oder auch Brückenbauwerke, wo es besonders schnell glatt wird. Ziel sei es stets, die Befahrbarkeit herzustellen, dass ein Fahren bei angepasstem Fahrverhalten und etwaiger Autoausstattung (Winterreifen!) möglichst gefahrlos möglich ist. Die Straßenmeisterei ist zuständig für Bundes-, Landes- und Kreisstraßen sowie relevante überörtliche Radwege. Um kommunale Straßen und Wege kümmern sich Städte und Gemeinden.

 

Dieser schaut als Umweltminister genau hin. Aufgebracht werden soll so viel wie nötig. Straßen NRW setzt angefeuchtetes Streusalz ein, das exakter dosiert werden könne als reines Trockensalz. Dadurch werde es weniger verweht und der Verbrauch sinkt. Sorge um den Salzvorrat müssten sich die Landes-Straßenmeistereien und die mit ihnen kooperierenden Kommunen nicht machen, so Krischer weiter. Die Hallen seien gut gefüllt. Von Wiehl aus wurden zwar bereits seit Wintereinbruch bis zu 700 Tonnen ausgebracht, die maximal 1.800 Tonnen fassende Halle ist aber noch gut gefüllt. Zusätzlich seien zum Beispiel in Wiedenest weitere 200 Tonnen gelagert, damit die dort aktiven Fahrzeuge nicht zum Auffüllen nach Wiehl zurückmüssen. Zwar sei Salz-Nachschub nochmal geordert worden, falls der Winter die Region noch einige Wochen im Griff haben sollte. Sven Sieberth, Leiter der Abteilung Betrieb und Verkehr bei Straßen NRW, kann sich aber auch vorstellen, mit der Reserve durch die nächsten Wochen zu kommen.

 

 

Hervor hob Minister Krischer nach seiner Tour auch die prophylaktische Wirkung der Arbeit der Straßenmeisterei, gerade mit Blick auf die nächsten Tage. So soll das Salz möglichen Glatteis entgegenwirken. Denn nach der Warnung ist dieser Tage vor der Warnung. Bis morgen Mittag, so der Deutsche Wetterdienst am Freitagmittag, könnte im Kreis zwischen acht und 15 Zentimeter Neuschnee fallen. „In Staulagen werden Mengen bis 25 Zentimeter erreicht.“ Hinzukommen können laut DWD noch Windböen. Verbreitet soll es glatt werden, hier spielt besonders das heutige Tauwetter eine Rolle, sagte Penz. Er rät dazu, wenn möglich heute Abend zu Hause zu bleiben und das Auto stehen zu lassen.

 

Auch Minister Krischer warnt und mahnt dazu, vorsichtig, wetterangepasst und vorausschauend zu fahren, wenn man sich ins Auto setzt. „Dann dauert eine Fahrt auch mal länger.“ Der Politiker ist zuversichtlich, dank der Arbeit der Straßenmeistereien gut durch die kommenden Tage zu kommen. „Ich fahre hier mit einem guten Gefühl weg.“

 

Thema Wiehltalbrücke „auf höchster Ebene angekommen“
 

Am Rande des Besuchs des NRW-Verkehrsministers war auch die Zukunft der Wiehltalbrücke Thema. Krischer habe sich kürzlich mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) ausgetauscht. „Für die Region wäre es eine Katastrophe, wenn es zur Sperrung kommt.“ Daher sei man sich einig, das Bauwerk unbedingt vor weiteren Belastungen zu schützen. Heißt: Die Schrankenanlage für Lkw mit mehr als 44 Tonnen soll kommen, das Projekt habe Priorität, benötige aber etwas Zeit. Krischer versicherte: „Das Thema ist auf höchster Ebene angekommen“.

 

Zugleich werden wie bereits berichtet vorsichtshalber Umleitungsstrecken mit allen Beteiligten geprüft, falls der Fall einer Sperrung doch eintritt. Diese Planungen bestätigte auch Thomas Raithel, Niederlassungsleiter Rhein-Berg von Straßen NRW. Dazu würden sich sämtliche Straßen angeschaut, analysiert und geplant, welche nötigen Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

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