POLITIK

„Der letzte Versuch“

lw; 12.09.2023, 15:22 Uhr
Foto: Lars Weber --- Schlecht einsehbar und zu schnell fahrende Autos: Die meisten Wiehler Stadträte würden die Kreuzung in Drabenderhöhe gerne entschärfen.
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„Der letzte Versuch“

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lw; 12.09.2023, 15:22 Uhr
Wiehl – Nächstes Kapitel in der Diskussion über möglichen Kreisverkehr am Ortseingang von Drabenderhöhe – Fraktion Bürger für ganz Wiehl stellte Antrag im Rat.

Von Lars Weber

 

Es ist wirklich keine neue Diskussion – aber aus Sicht der Wiehler Stadtratsmitglieder und vor allem der Bürger in Drabenderhöhe ein wichtige. So wichtig, dass laut Jürgen Poschner von der Fraktion Bürger für ganz Wiehl (BfgW) bei einer gemeinsamen Aktion mit FDP-Fraktionschef Dominik Seitz rund 800 Unterschriften im Ort zusammengekommen sind, die unisono eines fordern: die Errichtung eines Kreisverkehrsplatzes an der Kreuzung L 228, K 40 und Klausenburger Gasse. Bis 2007 lässt sich die Spur zurückverfolgen, damals war die CDU die treibende Kraft gewesen. Solange ist eine Entschärfung der Kreuzung schon Thema. Und Poschner, der sich Ende des Jahres aus der Politik zurückziehen möchte, stellte bei der Sitzung des Rats für sich klar: „Es ist der letzte Versuch“.

 

Damit die Maßnahme auf den Weg gebracht werden kann, sollen die erforderlichen Mittel in den Haushalt im kommenden Jahr eingeplant werden, so der Antrag der BfgW. Seit 16 Jahren würden sich die Menschen in Drabenderhöhe an der Kreuzung einen Kreisel wünschen, nachdem es aufgrund der unübersichtlichen Verkehrssituation dort teils schwere Verkehrsunfälle gegeben hatte, die auch tödlich endeten. So starben auf diesem rund zwei Kilometer langen Streckenbereich bereits drei junge Menschen. Die Unfallursache meistens: nicht angepasste Geschwindigkeit.

 

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Ausgebremst wurde der Wunsch von Politik und Bürgern immer wieder, zuletzt von dem Ergebnis eines Ortstermins, an dem der Landesbetrieb Straßen NRW, die Polizei, die Verwaltung der Stadt Wiehl und der Oberbergische Kreis teilnahmen. Die ernüchternde Botschaft: Die Unfalllage reiche nicht aus, um durch den Landesbetrieb Straßen NRW einen Kreisverkehrsplatz zu errichten. Der Bürgerwille sei aber weiter vorhanden. "Der Kampf gegen Politikverdrossenheit fängt im Kleinen an", sagte Poschner, der eine namentliche Abstimmung über den Antrag beantragte.

 

Solange es umsetzbar und finanzierbar ist, gebe es die Zustimmung der CDU, sagte Fraktionsvorsitzende Larissa Gebser in der Diskussion. Ihre Fraktion habe nicht umsonst damals den ersten Antrag gestellt. „Die Sicherheit müssen wir im Auge haben.“ Positive Reaktionen gab es auch von Die Linke, der UWG und der FDP, allerdings stets unter der Voraussetzung, dass die Maßnahme überhaupt bezahlbar ist. Aus Zweifeln an diesem Umstand wollte die SPD-Fraktion gegen den Antrag stimmen. „Es ist gerade nicht erkennbar, dass es dafür Landesmittel geben wird“, so Carlo Riegert. Sie beantragten eine anoymne Abstimmung.

 

Die Sozialdemokraten störten sich zudem an der im Antrag verwendeten Formulierung des Kreisverkehrsplatzes als „Eingangstor“, was wiederum FDP-Fraktionschef Dominik Seitz auf die Palme brachte. „Die SPD reibt sich an diesem Wort und möchte nur reaktiv handeln. Wir brauchen wohl noch mehr Tote dort“, sagte er emotional. „Die Kreuzung gehört entschärft, wir müssen proaktiv werden“, schob er hinterher.

 

Bürgermeister Ulrich Stücker bekräftigte auf Nachfrage nochmal die Haltung von Straßen.NRW und der Polizei zu dem Thema. „Die Notwendigkeit wurde nicht gesehen.“ Generell würde er mit dem Thema erneut vorstellig werden. „Wir würden es immer wieder probieren, weil wir den Wunsch der Bürger ernst nehmen.“ Stücker machte aber ebenso klar: „Wir sollten hier niemandem Hoffnung machen, dass es bald dafür Mittel geben wird“.

 

Deshalb plädierte er dafür, dass Thema im Bauausschuss eingehender zu beraten, auch um etwaige Kosten auf den Tisch zu legen. Nachdem Poschner zu Beginn der Diskussion von einer Verschiebung noch nicht begeistert war, lenkte er ein. „Auch wenn ich schon heute gerne ein Signal gesendet hätte.“ Mit dem Einlenken Poschners entging der Stadtrat auch Unstimmigkeiten rund um die anstehende Entscheidung, die sich nach den beiden Anträgen über anonyme und namentliche Abstimmung angekündigt hatten.

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