POLITIK
Anwohner fordern: Tempo runter, Sicherheit rauf
Waldbröl – Raser sind der Nachbarschaft in Escherhof rund um die Westerwaldstraße (L 324) ein Dorn im Auge – Sie haben Angst um ihre Kinder – Stadt soll Antrag bei Straßen.NRW stellen.
Von Lars Weber
Es knubbelte sich bei der vergangenen Stadtratssitzung im Saal des Bürgerdorfs. Auch das Durchschnittsalter war spürbar niedriger als sonst. Der Grund: Aus Escherhof hatten einige Familien mobil gemacht und auch ihre Kinder mit dabei. Denn vor allem für den Nachwuchs soll sich die Verkehrssituation im Ort endlich verbessern. Das Rasen durch Escherhof hat dort schon eine lange Vorgeschichte und die rund 100 Escherhofer keine Lust auf weitere Unfälle, dafür aber Sorge um ihre Kinder. Also verschafften sie sich bei der Sitzung Gehör, flankiert durch einen Antrag der Grünen-Fraktion. Einige Tage später erläuterten sie zudem der Presse vor Ort in Escherhof ihre Sorgen und ihre Forderungen. Das Ziel: ein von der Politik gestützter Antrag auf temporeduzierende Maßnahmen bei Straßen.NRW.
Die 41-jährige Eva Rose hat drei Kinder, zwei von ihnen sind bereits schulpflichtig. An jedem Schultag müssen sie runter an die Westerwaldstraße (L 324) und diese zur Bushaltestelle queren, wie weitere rund 20 Kinder täglich ebenso. Das Problem: Viele Autofahrer, die aus Richtung Lützingen in den Doppelort Escherhof und Biebelshof einfahren, kümmerten sich wenig darum, dass sie an dieser Stelle eigentlich von Tempo 100 auf 50 runterbremsen müssen. Vor Jahren wurde auf der Westerwaldstraße sogar ein Fahrer einmal mit Tempo 197 geblitzt (OA berichtete). Besonders zu den Hochzeiten am Morgen, etwa ab 5 Uhr zu Schichtbeginn in den umliegenden Produktionsstätten und ab 6:45 Uhr im Schulverkehr, seien viele Fahrzeuge, darunter auch Lkw, unterwegs. Rose oder auch Nachbarn wie Rainer Wirths und Markus Ohrendorf – ebenfalls Vater zweier Schulkinder – haben Angst um ihre Kinder, wenn diese in dieser Situation unterwegs sind. Mittags wiederhole sich das Spiel.
Die Landstraße zwischen Escherhof bis hinter Schnörringen ist an dieser Stelle tückisch. Die Anwohner berichten von diversen Unfällen über die Jahre. Auch Rose und Ohrendorf verunfallten schon auf der Straße. Rose wurde Anfang der 90er-Jahre angefahren, erlitt unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma. Einige Jahre später erwischte es Ohrendorf mit seinem Moped, als ihn ein Autofahrer beim Abbiegen überholen wollte. Rose, Ohrendorf und Wirths sind alle schon Jahrzehnte im Ort. „Wir waren schon mehrmals Zeuge von Unfällen und mussten Erste Hilfe leisten.“ Vor rund zehn Jahren sei ein Auto in ihrem Vorgarten gelandet, so Rose. Die Problematik sei also nicht neu und sei verkehrsstrukturell bedingt. Gelöst wurde sie aber nicht. Vor einigen Jahren habe Rose versucht, über den Kreis eine Veränderung zu erwirken – ohne Erfolg. „Nun wollen wir den offiziellen Weg gehen.“
Das sagt die Polizei
Auf OA-Nachfrage hat die Polizei geschaut, was für Unfälle sich seit 2024 auf oder an der Westerwaldstraße im Bereich Escherhof zugetragen haben. Vier waren es 2024, allein drei Mal krachte es an der Einmündung Lützinger Weg. Einmal verletzte sich eine Person schwer. 2025 zählte die Polizei drei Unfälle mit zwei schwerverletzten Personen. Dieses Jahr habe sich am 29. Januar eine Person leicht verletzt, als ein Autofahrer kurz vor der Einmündung Siegener Straße auf winterglatter Fahrbahn auf ein verkehrsbedingt wartendes Auto auffuhr. „Zusammenfassend kann man sagen, dass der genannte Streckenabschnitt in Bezug auf das Unfallgeschehen im Oberbergischen Kreis nicht besonders auffällig ist“, so die Polizei. Einen Verkehrsunfall mit Todesfolge habe sich dort in dem ausgewerteten Zeitraum nicht ereignet. Unfallursachen seien hauptsächlich Vorfahrtsmissachtungen und Unachtsamkeit (Auffahrunfälle) gewesen.
Zusammen mit der Grünen-Fraktion wurden klare Ziele für die Streckenabschnitte der Westerwaldstraße formuliert, vom Abzweig von der Morsbacher Straße bis hin zum Ortsschild Escherhof, und darüber hinaus bis zur Kreuzung Lützinger Weg/Ortseingang Lützingen. „Wirksame Mittel für eine Geschwindigkeitsreduzierung in diesem Bereich könnten Mittelinseln als Überquerungshilfe, ein fest installiertes Geschwindigkeits-Messgerät im Ortsbereich Escherhof und reflektierende Aufkleber im Bushaltestellenbereich sein." Die Anwohner sprechen sich darüber hinaus für Tempo 30 im Ort aus. Im weiteren Verlauf sollte zudem laut Grüne für den Bereich Westerwaldstraße, Kreuzung Lützinger Weg, die Geschwindigkeitsanordnung von derzeit 70 km/h bis Escherhof fortgeführt, "nicht wie derzeit 100 km/h vor dem Ortseingang von Escherhof“, heißt es dazu im Antrag.
Die Grünen wollen zudem erwirken, dass dazu auch noch über Geschwindigkeit reduzierende Maßnahmen für den Bereich Ortseingang Waldbröl über die Pochestraße bis zum Kreisel am Bergfriedhof (von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde) gesprochen wird.
Wie bei solchen Anträgen üblich wurde er in den zuständigen Bau- und Verkehrsausschuss verwiesen. Auch einen Ortstermin soll es geben. Schon in der kurzen Diskussion dazu gaben die Stadträte aber das Signal: Sie stehen hinter den Anwohnern. Bernd Paech (CDU) erinnerte zugleich auch daran, dass in der Vergangenheit ein Antrag auf eine Tempo-70 -Begrenzung in Höhe der Ortschaft Schnörringen abgelehnt worden ist. Einfach werde es also nicht. Die Stadtverwaltung sicherte zu, In Escherhof als nächstes die digitale Geschwindigkeitsanzeige aufzustellen. Zumindest in der ersten Zeit nach dem Aufstellen führe dies dazu, dass die Autofahrer auf die Bremse gehen, so Bürgermeisterin Larissa Weber.
Über den Zuspruch freuen sich die Escherhofer. Eine Entscheidung über die geforderten Maßnahmen – und das macht die Sache kompliziert – liegt aber bei Straßen.NRW als Baulastträger und dem Straßenverkehrsamt des Oberbergischen Kreises als Genehmigungsbehörde. Die Hoffnung der Escherhofer ist es, dass ein fundierter Antrag an die Behörden mit der Stadtpolitik im Rücken mit klaren Empfehlungen genügend Eindruck macht, dass endlich etwas passiert.
KOMMENTARE
1
Die Begründungen, dass keine auffällige Unfallstelle vorhanden ist, verursacht nur Kopfschütteln. Muss denn erst jemand sterben oder bei wie vielen Verletzungen kann man erst reagieren? Wir sollten proaktiv statt reaktiv handeln! In Kalsbach, Marienheide, hat mir die Gemeinde telefonisch vor Jahren mitgeteilt, dass ich froh sein dürfte, dass 70 km/h seien, denn theoretisch könnten an der langen Geraden auch 100 km/h erlaubt sein. Dann gab es die Klage wegen Lärmbelästigung und wir haben nun 30 bzw. 50 km/h.
Offensichtlich ist bei den Gemeinden Lärmbelästigung schwerwiegender als Menschenleben.
Messt also mal die Lärmbelästigung bei Euch; die Chancen sind offenbar größer, dass reagiert wird.
2
Endlich wehren sich mal Anwohner gegen diese Raserei auf den Bergischen Straßen. Wir in Rölefeld ( L 95 ) haben das gleiche Problem, es wird gerast was das Zeug hält, und die Kurvenreiche Strecke ist gerade bei den Rasern egal ob Autos oder Motorräder besonders beliebt. Es geht morgens um 5 Uhr los und endet gegen 23 Uhr es ist teilweise nicht zum aushalten. Es wird sich erst etwas ändern, wenn der erste Tote zu beklagen ist.
Kolodziej, Andreas, 05.02.2026, 09:33 Uhr3
Da steht wiederan solchen schwerwiegenden situationen der
Bürokratiesmus an 1. Stelle
Nur Kopfschütteln angesagt
4
In Denklingen haben wir Innerorts eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 km/h und eine Maximalgeschwindigkeit von 206 km/h (offizielles Messergebnis). Dort wird auch nichts unternommen - 2x stand vor Jahren die Polizei mal kurz dort und das wars. Hier wird auch keine 30 km/h oder so gefordert, es wäre hier vollkommen ok, wenn mindestens das Unternommen werden würde, dass die zulässigen 50 km/h eingehalten werden würden....
, 05.02.2026, 15:33 UhrLinks zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.