OBERBERGISCHER KREIS
Wirtschaft bleibt im Krisenmodus – Industrie weiter unter Druck
Oberberg - Frühjahrsumfrage der IHK Köln bringt keine Trendwende.
Die wirtschaftliche Lage im Bezirk der Industrie- und Handelskammer zu Köln bleibt auch im Frühjahr angespannt. Das zeigt der aktuelle Konjunkturbericht der IHK Köln. Der IHK-Konjunkturklimaindikator sinkt erneut und liegt nur noch bei 85,2 Punkten. Damit bleibt er deutlich unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Eine Trendwende ist auch weiterhin nicht in Sicht.
Die Geschäftslage wird von den Unternehmen bereits zum sechsten Mal in Folge überwiegend negativ bewertet. 29 Prozent der Unternehmen schätzen ihre aktuelle Lage als schlecht ein, nur 21 Prozent als gut. Vor allem aber sinken die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate deutlich: Ein Drittel der Unternehmen befürchtet eine weitere Verschlechterung der eh schon kritischen Wirtschaftslage, lediglich elf Prozent rechnen mit einer Verbesserung.
„Die Wirtschaft steckt in der Krise fest, der Iran-Konflikt hat die Lage noch weiter verschärft“, sagt Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. „Die Preise für Energie und Rohstoffe, aber auch für Transport und Logistik, sind massiv gestiegen, Lieferketten unsicherer geworden.” Uwe Vetterlein weiter: „Hinzu kommen noch die die hohen Arbeitskosten und die leider immer noch zunehmende Bürokratie. Die politischen Rahmenbedingungen werden von mehr als der Hälfte der Unternehmen als eines der größten Standortrisiken gesehen. Deshalb werden Investitionen – sogar in den Substanzerhalt – aufgeschoben. Inzwischen gerät auch der Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck: Ein Viertel der Unternehmen will Stellen abbauen. Wenn die Politik jetzt nicht in die Gänge kommt und die drängenden Reformen umsetzt – wann dann?“
Besonders angespannt bleibt die Situation in der Industrie. Alle Konjunkturindikatoren bewegen sich weiterhin tief im negativen Bereich. Nur 14 Prozent der Industriebetriebe bewerten ihre Lage als gut, ein Drittel als schlecht. 42 Prozent der Unternehmen rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit einer weiteren Verschlechterung der Lage, was auch mit den Exporterwartungen zusammenhängt: 45 Prozent der Industrieunternehmen rechnen hier mit Rückgängen.
Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist in vielen Bereichen einfach nicht mehr gegeben. Deshalb melden 50 Prozent der Industriebetriebe sinkende Auftragseingänge. Die Kapazitätsauslastung liegt in der Industrie aktuell bei lediglich 73,1 Prozent.
Der Handel, insbesondere der Einzelhandel leidet weiterhin unter der schwachen Binnennachfrage. Auch hier sind die Erwartungen alles andere als rosig: nur 9 Prozent der Unternehmen glauben an eine positive Entwicklung ihrer Geschäftslage, während 30 Prozent negativ gestimmt sind.
Der Lage im Dienstleistungssektor ist noch robust und verhalten positiv, für die Entwicklung der nächsten zwölf Monate ist allerdings ebenfalls Skepsis angesagt. Insbesondere bei den verbrauchernahen Dienstleistungen steigen die Sorgen bezogen auf die Nachfrage, gleichzeitig laufen die Kosten weg.
Im Oberbergischen Kreis verschlechtern sich die Erwartungen an die nächsten 12 Monate deutlich. Mehr als die Hälfte der Unternehmen fährt die Investitionen zurück, viele bauen Stellen ab. Die stark industriell geprägte Wirtschaftsstruktur macht sich in der Region besonders bemerkbar. Rückläufige Auftragseingänge und schwache Exporterwartungen belasten die Unternehmen. Gleichzeitig wächst die Sorge vor einem weiteren Verlust an Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland.
Die Konjunkturumfrage zum Frühjahr 2026 wurde vom 23. März bis zum 8. Mai bei rund 2.300 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Köln durchgeführt. In die Auswertung sind Antworten von 557 Unternehmen eingeflossen. Die ausführlichen Ergebnisse des Konjunkturberichts Frühjahr 2026 ist hier zu finden.