OBERBERGISCHER KREIS
„Ich möchte so sein, wie ich bin“
Oberberg – Im Kreishaus ist „Auf Augenhöhe – Eine Fotoausstellung über das Gesehenwerden“, ein Projekt von Segen an der Agger, eröffnet worden.
Von Katja Pohl
Nevio wirkt nachdenklich auf dem großen Schwarz-Weiß-Porträt, sein Blick ist ernst auf die Kamera gerichtet, seine Hände erzählen leise von Anspannung, sein Mund traut sich nicht so recht, zu lächeln. Im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung „Auf Augenhöhe – Eine Fotoausstellung über das Gesehenwerden“, im Kreishaus erzählt der 13-jährige Nümbrechter von der Erfahrung, porträtiert zu werden und davon, dass er in einer für ihn schwierigen Zeit fotografiert wurde. „Ich hatte da gerade Mobbing-Erfahrungen hinter mir und fragte mich, ob ich vielleicht selbst daran schuld bin, dass ich so schlimm behandelt werde.“
[Odile (83) berichtet, sie habe viele positive Rückmeldungen zu ihrer Teilnahme am Fotoprojekt von Segen an der Agger bekommen.]
Nevio berichtet, er habe mittlerweile die Schule gewechselt, Hilfe bekommen und sei nun Klassensprecher. „Es hat sich viel verändert“, freut er sich. Unter seinem Foto steht der Satz „Ich möchte so sein, wie ich bin.“ – ein Satz, der in den Gesprächen mit den Macherinnen und Machern der Ausstellung, die von Segen an der Agger unter dem Dach des Evangelischen Kirchenkreises An der Agger verantwortet wurde, fiel. Die Ausstellung, in der Konfirmandinnen und Konfirmanden aus den Kirchengemeinden Im Oberen Wiehltal, Denklingen und Holpe-Morsbach sowie Seniorinnen und Senioren aus der Seniorengruppe Reinery in Appenhagen porträtiert wurden, geht auf eine Idee von Pfarrerin Anneke Ihlenfeldt zurück.
Im Rahmen von Segen an der Agger ist sie die Seelsorgerin dieser aufsuchenden Kirche und kam auf die Idee zur Ausstellung, nachdem sie eine Radioandacht im WDR gehalten hatte. Sie sagt: „In der Andacht ging es darum, dass jeder Mensch schön ist, dass Gott die Menschen voller Liebe ansieht.“ Ein Gedanke, der Reaktionen nach sich zog, die die Pfarrerin anrührten und den Impuls zu „Auf Augenhöhe“ gaben. Mit Christian Büscher, Fotograf und Streetworker in Waldbröl, Lena Steiger, Systemische Therapeutin, ebenfalls mit ihrer Praxis in Waldbröl beheimatet, sowie Nicole Hartwig, Mitarbeiterin bei Segen an der Agger und Kommunikationsberaterin, komplettierte sie ein Team, das mit den Fotografierten ins Gespräch kam, den Porträtierten bei der Entscheidungsfindung, welches Foto gezeigt werden soll, sensibel Hilfe gab und viele berührende Geschichten mitnahm.
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[Nevios Porträt erzählt von einer schweren Zeit, die der 13-Jährige aus Nümbrecht zu seiner Freude inzwischen überwunden hat.]
Gemeindereferentin Christine Adolphs, die in Denklingen mit Gemeindereferent Jan Weber den Konfirmandenunterricht durchführt, hat beobachtet, dass das Fotoshooting, an dem sechs von 14 Jugendlichen aus ihrer Gruppe teilnahmen, letztlich mit allen etwas gemacht hat. „Sie sind als Gruppe insgesamt stärker zusammengewachsen. Sie fühlen sich tatsächlich besser gesehen.“ Auch Odile (83) hat diese Erfahrung gemacht. Sie berichtet lächelnd von vielen schönen Rückmeldungen, während ihr Satz ihre positive Lebenshaltung beschreibt: „Ich bin ein glücklicher Mensch. Ich kann lieben.“
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[Das Projektteam stellte seine Ideen und Gedanken zu „Auf Augenhöhe“ in einer Talkrunde im Kreishaus vor.]
Fotograf Christian Büscher berichtet, es „war total schön, dass sich alle so voller Vertrauen auf das Fotoshooting eingelassen haben.“ Es sei immer klar gewesen, dass es beim Projekt darum ging, echt zu bleiben, niemanden in irgendeiner Weise bloßzustellen, denn jeder habe eine eigene Sicht auf Schönheit. Die Bewohnenden der Seniorengruppe Reinery seien als erstes Teil des Projekts gewesen, dann aber wurde klar: Auch Jugendliche haben schon etwas zu erzählen, sollten mit ihren Geschichten gewürdigt werden. Und es stimmt – so sehr die älteren Gesichter von großer Lebenserfahrung erzählen, so deutlich zeigen auch die Porträts der jungen Leute ihre Erlebnisse und Begegnungen, die allesamt Spuren hinterlassen haben. Anneke Ihlenfeldt blick voller Begeisterung zurück: „Es war eine großartige Erfahrung, gemeinsam auf diesem Weg zu sein, Fotos und Sätze auszuwählen, den Teilnehmenden ihren Raum zu geben.
Und so entstand eine beeindruckende Ausstellung über das „Gesehenwerden“, die im Foyer des Kreishauses bis zum 30. Oktober zu dessen Öffnungszeiten zu sehen ist.