OBERBERGISCHER KREIS
„Aus 50 Jahren Erfahrung ist eine Menge Zukunft entstanden“
Oberberg - Der Bergische Erlebnistag auf :metabolon erwies sich als Zuschauermagnet - Parallel feierte der Bergische Abfallwirtschaftsverband (BAV) sein 50. Jubiläum.
Von Astrid Deckers
Zahlreiche Informations- und Ausstellerstände empfingen die Familien und Besucher am Sonntag beim Bergischen Erlebnistag des Oberbergischen und Rheinisch-Bergischen-Kreises auf :metabolon in Lindlar und luden alle Altersgruppen dazu ein, eigenständig die Angebotsstrukturen der Veranstalter für sich zu entdecken. Das Riesenareal war hierzu in mehrere Themenbereiche aufgeteilt. Das Haupthaus diente als Anlaufstelle für alle, die sich über alternative, erneuerbare Energien informieren wollten und dabei die unabhängige Beratung suchten.
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[Johannes Schuster (re.), 1. Vorsitzender des Bienenzuchtvereins, erklärt ein Nest der gefährlichen Asiatischen Hornisse.]
Gleichzeitig wurde dort eine Rallye für die Kleinsten angeboten. Für sie galt es mit einer Stempelkarte verschiedene Aufgaben zu bewältigen, um zum Ende mit einer Stofffigur oder einer Trinkflasche für ihre Mühen entlohnt zu werden. Die Rallye war in zwei Teile aufgeteilt. In der ersten Hälfte absolvierten die Kids Aufgaben im Energie- und Ressourcen-Zentrum. Von der Nutzung eines 3-D Druckers über den Einsatz von Brennstoffzellen gab es da so einiges an Wissenswertem zu erfahren.
Im zweiten Teil stand die Müllvermeidung im Vordergrund der Aufgaben. Vom Abfallmemory über das Reinigen von Waldgebieten und Flüssen, so vielschichtig wie der Themenbereich präsentierten sich auch die Aufgabenstellungen. Laut Pressesprecherin Annette Göddertz waren alle Rätselaufgaben jedoch vom Grundsatz der Selbstwirksamkeit („Wir vermitteln – Du entscheidest“) gekennzeichnet, so dass jedes teilnehmende Kind für sich entscheiden konnte, was es aus den erworbenen Informationen im Alltag umsetzt. Während die Jüngsten die spannenden Rallyeaufgaben absolvierten, konnten sich deren Eltern, wie an jedem Werktag des Jahres, kostenlos über Wärmepumpen, Solaranlagen und viele weitere alternative Energieeinsparmöglichkeiten beraten lassen.
Einen weiteren Bestandteil des Veranstaltungsgeländes bildete der Bereich mit Kooperationspartnern. Hier informierten die Mitarbeiter der Gemeinde Lindlar von „Lindlarer Freiräume“ über zirkuläres Ressourcenmanagement und klimafreundliches Bauen im Einzugsgebiet. Die Studenten der TH Köln hatten ein CO2-Quiz vorbereitet. Johannes Schuster vom „Bienenzuchtverein Engelskirchen und Umgebung“ informierte die Besucher über die Asiatische Hornisse und deren Vorkommen in und die Folgen für Oberberg und Rheinberg.
[Imker Carsten Sartor bot seinen :metabolon-Honig an.]
Im Gegensatz zur heimischen Hornisse sorgt sie für mehr anaphylaktische Schocks bei Menschen, die von ihr gestochen werden. Es handelt sich um eine invasive Art von Hornissen, die seit dem 1. Januar 2026 nicht mehr meldepflichtig ist. Da die Asiatische Hornisse jedoch nicht nur den Bienenbestand der Imker, sondern auch die Obsternten im ganzen Land gefährdet, war es ihm ein Anliegen, alle Gäste über die Gefährdung zu informieren. So habe er selbst in der ersten Septemberwoche ein Nest mit 500 Hornissen an einem Haus in Wiehl-Drabenderhöhe entfernt und in Rheinland-Pfalz kämen mittlerweile 13 Völker der invasiven Art auf einen Quadratkilometer Gelände. Melden kann die Sichtung oder das Nest jeder Betroffene unter https://velutinaportal.eu/.
Mit Carsten Sartor war auch ein Kooperationspartner vor Ort, der seinen hochwertigen :metabolon-Honig den interessierten Besuchern vorstellte und verkaufte. Insgesamt 13 Bienenvölker hat er auf dem Gelände gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Frau Merkschien angesiedelt. Diese erzeugen jährlich rund 50 Kilogramm Honig. In den Wald- und Brachflächen rund um das :metabolon finden die Bienen alles, was sie benötigen, um qualitativ hochwertigen Honig zu erzeugen.
Ein weiteres Areal beschäftigt sich mit neuen Rohstoffen zum Hausbau. So konnten sich die Gäste am Sonntag einen Eindruck von einem Haus verschaffen, dass aus zwei recycelten Betonblöcken und deren Materialien aus einem Hotelkomplex im französischen Ort Grenoble entstanden ist. Da Rohstoffe wie Sand derzeit und künftig auch Beton nicht mehr unendlich verfügbar sind, beschäftigt sich die Forschung mittlerweile mit der Wiederverwendung vorhandener Rohstoffe und Materialien. Laut Göddertz beschäftigen sich aktuell fünf Professoren und zahlreiche Studenten der TH Köln unter anderem mit diesem Forschungsgebiet auf :metabolon.
Zusätzlich ermöglichten Studenten wie Julian Vahling es allen potenziellen Häuslebauern, mittels einer VR-Brille Einblicke in ein Tiny House zu nehmen, das unmittelbar auf dem Areal neben dem Haus aus den Grenoble-Betonblöcken zu finden ist. Vahling, der sich gerade im Masterstudium der Architektur befindet, ist stolz auf die Verwendung von umweltschonenden Materialien wie Holz und OSB-Platten, sowie den Einsatz von Virtual Reality, um Menschen zu zeigen, was ressourcenorientiert beim Hausbau mittlerweile möglich ist.
Landrat Klaus Grootens, der zugleich Verbandsvorsteher des BAV ist, betonte in seinen Grußworten mehrfach, wie aus der früheren Leppe-Deponie, deren oberstes Ziel es gewesen sei, „die Abfälle zu beseitigen und aus den Augen der Menschen verschwinden zu lassen“, mittlerweile „einer der bedeutendsten Innovationsstandorte NRWs geworden ist.“ So sei in den 13 Kommunen, die dem BAV angeschlossen seien, aus dem Grundsatz „Abfallbeseitigung“ zunächst die „Abfallwirtschaft“ und dann die „Kreislaufwirtschaft“ entstanden. Mit 400 Veranstaltungen im Jahr und 50.000 Besuchern jährlich ist laut Grootens aus „50 Jahren Erfahrungen eine Menge Zukunft entstanden.“
[Landrat Klaus Grootens sprach ein Grußwort.]
:metabolon-Projektleiterin Monika Lichtinghagen-Wirths würdigte in ihren Ausführungen die Leistungen ihrer Mitarbeiter und überreichte allen ein Glas des hauseigenen Bienenhonigs als symbolische Anerkennung. Sie sei stolz auf den Forschungs-, Bildungs- und Innovationsstandort, der ohne ein solches Team nicht möglich gewesen sei. Helga Kämmer hatte 1990 beim BAV begonnen und berichtete aus Personalsicht über die vergangenen Jahrzehnte als Angestellte. Einig waren sich alle Bühnenredner in einem Punkt: Innovationen prägen den BAV und :metabolon und diese Erfolgsgeschichte wird auch künftig das Erscheinungsbild prägen.
Neben so viel Input kam jedoch auch die „triviale“ Unterhaltung nicht zu kurz. Ein umfangreiches und abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit Tanz- und Musikbeiträgen von beispielsweise der Tanzschule Kasel, der KG Närrische Oberberger und „lossjonn“ rundeten den Tag ab.
Wie Göddertz verriet, wird die nächste große Innovation das „Skybolon“ werden. Fünf Ausstellungen werden künftig Themenbereiche wie Touristik präsentieren und dem Besucher nahebringen. Das erfolgreiche Projekt der „Umwelt-Guides“, bei dem Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren als Multiplikatoren zur Abfallvermeidung und Ressourcenorientiertheit für ihre Klassen, Vereine und Verbände ausgebildet werden, wird fortgeführt und auch der „Lernort :metabolon“, wo circa 10.000 Kinder im Jahr „geschult“ werden, bleibt erhalten.

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