NüMBRECHT

Für Pessimismus ist es zu spät

kp; 04.11.2026, 14:00 Uhr
Fotos: Katja Pohl --- Der Einladung zur Regionalgruppe Oberberg der Omas for Future, Marianne Schwan (li.) und Christine Wosnitza (Mi.), war die ehemalige Ministerin Bärbel Höhn gerne gefolgt.
NüMBRECHT

Für Pessimismus ist es zu spät

kp; 04.11.2026, 14:00 Uhr
Nümbrecht - Unter dem Titel „Wir kämpfen für unsere Enkel und Kinder, für unsere Zukunft, für uns“ hatte die Regionalgruppe Oberberg von Omas for Future zu einem Vortrag von Grünen-Politikerin Bärbel Höhn eingeladen.

Von Katja Pohl

 

Bevor es losgehen konnte, wurden zunächst noch dutzende weiterer Stühle in den Saal des Nümbrechter Parkhotels gebracht. Das Interesse an Vortrag und Gespräch mit Bärbel Höhn, von 1995 bis 2005 Ministerin für Umwelt und Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen und bis 2017 Bundestagsmitglied, dort zuletzt Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, war groß. Eingeladen hatte die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen die Regionalgruppe Oberberg von Omas for Future. Deren Mitgründerin, Marianne Schwan, kennt Bärbel Höhn schon seit Anfang der 1990er Jahre. Sie blickt zurück: „Wir trafen uns als Mitglieder der Grünen auf Landesebene in der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen NRW.“

 

[Jeder kann im Kleinen Teil der Lösung sein. Schon ein naturnaher Garten hilft ebenso wie bewusster Konsum oder grüne Energiequellen.]

 

Die Landesarbeitsgemeinschaft Frauen schlug damals vor, mit einer reinen grünen Frauenliste anzutreten, sprach sich dafür aus, dass Bärbel Höhn auf Platz eins kandidieren sollte. Die Politikerin wurde zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 1990 und Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion. Umwelt- und Klimaschutz sowie Verbraucherschutz prägten ihre politische Arbeit. Seit 2017 arbeitet sie ehrenamtlich für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als Energiebeauftragte für Afrika. Ihr Buch erschien 2023.

 

Marianne Schwan und Bärbel Höhn verloren sich später zwar aus den Augen, aber als die Oberbergerin jetzt per Mail anfragte, ob Höhn ihr Buch „Lasst uns was bewegen! Was wir jetzt für die Zukunft unserer Enkel tun können“ und ihre Projekte im afrikanischen Uganda in Nümbrecht vorstellen möchte, sagte die 74-Jährige gerne zu.

In ihrem Vortrag betonte Bärbel Höhn: „Wir spüren gerade alle, dass sich etwas verändert. Hitzeperioden, Brandkatastrophen, Artensterben und Pandemien zeigen uns, dass wir uns gerade selbst die Lebensgrundlage nehmen.“

 

Doch, auch das hob sie deutlich hervor, es gelte, daran möglichst schnell noch etwas zu ändern. „Für Pessimismus ist es zu spät! Wir müssen unmittelbar aktiv werden“, erklärte sie nachdrücklich. Ihr Vortrag war ein Plädoyer für Regenerative Energien, für Windkraft und Photovoltaik, um möglich zügig von fossilen Energieträgern wegzukommen. Es ging um den CO2-Austoß, um Landwirtschaft und einen Fleischkonsum, der im Grunde reduziert gehört. Denn, so führte sie aus, allein 60 Prozent der deutschen Ackerflächen sind in Futtermittelerzeugung gebunden, auch das Tierleid ist oftmals groß.

 

WERBUNG

„Natürlich müssen wir all das in einem Maß umsetzen, das alle Menschen mitnimmt, auch die die nicht über so viel Geld verfügen.“ Je länger gewartet würde, desto teurer würden Maßnahmen gegen die Klimakrise, mahnte sie. „Wir brauchen die Natur, aber die Natur braucht uns nicht.“ Das bunte Band, das sie quer durch den Raum spannte, zeigte eindrücklich, wie schnell der Mensch die Erde mit Zerstörung überzogen hat – auf mehreren Metern Erdzeit nimmt die Industrialisierung nur ein winziges Stückchen im Millimeterbereich ein. „Wir haben seit 2000 durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz ein großes Geschenk bekommen. Auf erneuerbare Energien zu setzen, lohnt sich!“

 

[Ein Band als Symbol der Erdzeit - der Mensch nimmt darauf nur einen winzigen Teil ein.]

 

Darum setzt Bärbel Höhn sich seit 2009 dafür ein, mit ihrem Verein „Faire Welt“ grüne Bürgerenergie in Afrika zu fördern. Dabei legt sie besonderen Wert darauf, Frauen in Uganda zu unterstützen und zu stärken. „Es ist wichtig, dass die Energie dort von Erneuerbaren kommt und nicht von Kohle oder Öl. Zugang zu sauberer und bezahlbarer Energie ist unerlässlich.“

 

Im Gespräch mit Bärbel Höhn zeigte sich dann, dass ein fachkundiges Publikum vor Ort war, das über Veganismus, Landwirtschaft, Windkraft und Photovoltaik in einen konstruktiven Dialog kommen wollte – denn, wie Höhn sagte: Für Pessimismus ist es zu spät.

 

Die nächste Veranstaltung der Regionalgruppe Oberberg der Omas for Future findet am Dienstag, 1. Dezember, um 18 Uhr im Landschaftshaus, Schloss Homburg 2, in Nümbrecht statt. Im Mittelpunkt wird das Thema Fairer Handel stehen.