NüMBRECHT

Der Kirchenverband Köln und Region gibt Haus Wiesengrund in private Hände

kp; 29.09.2026, 06:00 Uhr
Fotos: Matthias Pohl --- Die Nümbrechterin Johanna Schwalb übernimmt das Haus Wiesengrund, der langjährige Leiter des ehemaligen Tagungshauses des Kirchenverbandes Köln und Region, Jürgen Lauff, geht in den Ruhestand.
NüMBRECHT

Der Kirchenverband Köln und Region gibt Haus Wiesengrund in private Hände

kp; 29.09.2026, 06:00 Uhr
Nümbrecht – Das Tagungshaus wird von Johanna Schwalb weitergeführt, der langjährige Leiter Jürgen Lauff ging im Zuge eines Sommerfestes nach 34 Jahren in Haus Wiesengrund in den Ruhestand.

Von Katja Pohl

 

Einen Citroën 2CV hat Jürgen Lauff von seiner Familie geschenkt bekommen, mit dem Schrauben an der Ente, das betont er lächelnd, wird er demnächst seine Freizeit füllen. 34 Jahre lang war der 63-jährige Berkenrother Herz und Seele von Haus Wiesengrund in Nümbrecht-Überdorf. Zunächst 17 Jahre lang als Küchenleiter, dann, ab 2009, als Leiter des gesamten Tagungsortes. Nun wurde er durch den Kölner Stadtsuperintendenten Bernhard Seiger im Zuge eines Sommerfestes im Kreis von Familie, Freunden und Gästen verabschiedet. Es war ein doppelter Abschied, denn der Kölner Kirchenverband, der das Haus rund 74 Jahre betrieb, gibt es in private Hände weiter.

 

[Er blicke mit tiefer Dankbarkeit auf 34 Jahre Tätigkeit in Haus Wiesengrund, sagte Jürgen Lauff bei seiner Verabschiedung.]

 

Die Nümbrechterin Johanna Schwalb übernimmt ab Oktober als Inhaberin und Geschäftsführerin. Sie sagt, sie plane, das Gute, das Jürgen Lauff und sein Team aufgebaut haben, zu erhalten und mit einem großen Teil der Mitarbeitenden weiterzumachen: „Wir übernehmen hier ein sehr gutes Haus und wollen auch in Zukunft die gewohnte Willkommenskultur pflegen.“

 

Jürgen Lauff indes nahm während seiner Verabschiedung viele gute Wünsche entgegen, bei der offiziellen Entpflichtung durch Pfarrer Bernhard Seiger flossen bei nicht wenigen Gästen Tränen. Der Stadtsuperintendent erinnerte an die Anfänge, als der gelernte Koch die Leitung übernahm. „Im Gespräch haben Sie erzählt, dass Sie zunächst Chaos vorgefunden haben und vieles ordnen mussten. Auch Anfängerfehler gab es“, blickte der Stadtsuperintendent zurück, während Jürgen Lauff nickend den eher holprigen Start bestätigte.

 

Haus Wiesengrund

 

Ab 1952 war das Haus, zunächst als Gästehaus mit zwölf Betten, in Trägerschaft des Gesamtverbandes der evangelischen Gemeinden in Köln, da ein Erholungsort für die Menschen aus der Domstadt in näherer Umgebung gewünscht worden war. Anfang der 1960er Jahre gab es die ersten Umbauten. 1964 wurde der Kirchenverband Köln und Region Träger des Hauses, ein Jahr später entstand die Kapelle. Anfang der 1990er Jahre wurde Haus Wiesengrund um die Tagungsräume erweitert und hatte zu diesem Zeitpunkt schon 42 Betten. Vor 15 Jahren gab es erste Diskussionen seitens des Kirchenverbandes, das Haus abzugeben. Damals entschied man sich dagegen. Inzwischen aber, so sagt Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, habe der Kirchenverband das Ziel, bis 2035 alle seine Gebäude klimaneutral zu gestalten. „Und das konnten wir hier einfach finanziell nicht leisten. Darum geben wir es nun schweren Herzens ab.“

 

Aus den Fehlern resultierten Lernprozesse, aus dem Chaos wurde ein Betrieb, der letztlich 5.000 bis 6.000 Übernachtungen pro Jahr zählte. Ausbildungen für Prädikanten, Tagungen, Klausuren von Kreissynodalvorständen und Küsterausbildungen brachten Leben in die Räume. Viele gute Bekanntschaften ergaben sich so im Laufe der Jahre, wie Jürgen Lauff berichtet. Und immer stand an erster Stelle der Mensch. Jeder sollte sich herzlich willkommen fühlen.

 

[Der Kölner Stadtsuperintendent Bernhard Seiger entpflichtete Jürgen Lauff im Zuge eines entspannten Sommerfestes.]

 

Jürgen Lauff sprang überall ein, wo er gebraucht wurde. Er reparierte, wenn etwas zu reparieren war, holte stundenlang Kanister um Kanister Diesel von der Tankstelle, als im Winter mal das Heizöl ausgegangen war, und ging in konstruktive Kommunikation mit dem Kirchenverband, wenn Dinge zu klären waren. Und dabei strahlte er – nicht immer, aber fast immer, wie er lachend verrät – größte Gelassenheit aus. Auch das ökologische Profil beim Thema Ernährung geht auf seine Initiative zurück. Schon vor Jahren erhielt Haus Wiesengrund Preise und Auszeichnungen für nachhaltige und regionale Ernährung, ist lange Mitglied in der Solidarischen Landwirtschaft.

 

Mit Blick auf seine vielen Aufgaben sagt der Nümbrechter: „Ich war immer gerne hier, nehme schöne Erinnerungen mit und verabschiede mich jetzt mit tiefer Dankbarkeit.“

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